Bad Endorf – Bürgerwerkstatt zum Schulstandort – dass diese Veranstaltung rund drei Wochen vor dem Bürgerentscheid gut besucht sein würde, stand zu vermuten. Dass Stadtplaner Professor Martin Schirmer, Berater der Marktgemeinde beim ISEK-Verfahren, so eindringlich für eine neue Schullandschaft auf dem Gelände der jetzigen Mittelschule warb, kam ebenfalls nicht überraschend.
Seine Überlegung ist einfach: Das Ziel, die Bahnhofstraße von einer reinen Durchgangsschleuse zu einem lebendigen Marktboulevard werden zu lassen, braucht Platz, der nur über eine Reduzierung der Parkplätze zu gewinnen ist. Parkplätze aber sind für die Gewerbetreibenden und die Gastronomie entlang der Straße wichtig, und das Gewerbe selbst ist eine wesentliche Voraussetzung für die gewünschte Belebung der Straße.
Folglich müssen die Parkplätze an anderer Stelle geschaffen werden, was zentrumsnah nur über eine Tiefgarage erfolgen kann, die unter dem Areal liegt, auf dem derzeit der Bauernmarkt angesiedelt ist. Auf dem Areal selbst wäre Platz für eine Wohnbebauung in moderater, dem Umfeld angepasster Dichte und Höhe, die dennoch 45 neue Wohneinheiten ermöglichen könnte. Die würden erschwinglichen Wohnraum bieten, der in der Marktgemeinde dringend benötigt wird.
Schirmers Folgerung: Das Bauernmarktareal steht für einen Neubau der Grundschule nicht zur Verfügung, wenn nicht das ganze Entwicklungskonzept gekippt werden soll. Da, wie alle Untersuchungen ergeben hätten, im Ortskern kein anderer tauglicher Standort vorhanden sei, bleibe nur ihre Verlagerung auf das Gelände der jetzigen Mittelschule. Eine Sichtweise, die auch vom Gemeinderat einstimmig geteilt wird.
Anders sehen das die Vertreter der Bürgerinitiative, die das Bürgerbegehren zum Schulstandort auf den Weg gebracht hatte, und die ebenfalls zu der Bürgerwerkstatt geladen waren. Für sie ist in der Frage noch alles offen, denn bislang seien alle möglichen Varianten für einen Schulstandort in der Ortsmitte noch gar nicht durchgespielt. Und auch bei der Ortsentwicklung selbst seien noch Fragezeichen vorhanden, denn, so meinte Robert Staber von der Initiative: „Wohnen schafft kein Zentrum“. Davon abgesehen wäre nach Ansicht der Bürgerinitiative auch ein Neubau der Schule auf dem Grundstück, auf dem sie jetzt steht, durchaus denkbar. Hierfür skizzierte Staber bei der Veranstaltung, wie eine Verwirklichung aussehen könnte.
Allerdings zeigte sich dabei, dass hier die Argumente gewissermaßen auf zwei Ebenen ausgetauscht wurden: Da ist zum einen die Vorplanung der Schullandschaft, die so detailliert ausgeführt ist, dass auf ihrer Basis von der Regierung bereits Fördermittel in Höhe von 14 Millionen Euro genehmigt wurden. Den Vorschlag der Bürgerinitiative wollte Staber aber ausdrücklich nicht als ausgearbeitetes Konzept verstanden wissen, sondern eher als Ideenskizze, was machbar wäre, wenn man nur wollte.
Das Problem dabei für die Gäste der Veranstaltung: Obwohl auch der Vorschlag der Bürgerinitiative mit Grundrissen aufwartete, die zeigen sollten, dass auf dem Geländer der jetzigen Grundschule sowohl die neue Schule als auch Hort und auch noch eine Turnhalle unterzubringen seien, war diese Entwurfsidee mit der ausgearbeiteten Planung der Schullandschaft in keiner Weise vergleichbar.
Sabine Ziegler von der Planungsgruppe Strasser, die auf der Veranstaltung den Planungsstand der Schullandschaft noch einmal kurz vorgestellt hatte, bemängelte in einem Nachgespräch vor allem das Fehlen jeglicher Maßangaben. So sei nicht zu erkennen gewesen, ob alle Räumlichkeiten tatsächlich die vorgeschriebenen Mindestgrößen aufwiesen, Gleiches gelte für die einzuhaltenden Abstandsflächen des Gebäudes. Was für den Fachmann aber schon auf den ersten Blick deutlich geworden sei, sei die Tatsache, dass die Ideenskizze so schon aus Brandschutzgründen nicht verwirklicht werden könnte, auch fehle ein zweites, zwingend vorgeschriebenes Treppenhaus.
Ziegler ging auch nicht konform mit der Aussage Stabers, dass der Planungsentwurf der Schullandschaft unnötig groß geraten sei, dass überhaupt große Schulen – ein Schulzentrum, wie Staber es nannte – eindeutig einen überholten pädagogischen Ansatz darstellten. Bei der Größe der Räume, so Ziegler nach der Veranstaltung, gebe es einfach vorgeschriebene Mindestgrößen, auch sei festgelegt, welche Fach- und Nebenräume eine Schule enthalten müsse.
Hinsichtlich der Gesamtgröße gehe es nicht um die bloße Schülerzahl, entscheidend für das Erleben der Kinder sei vielmehr die Ausgestaltung der Klassenräume. Und hier setze die Schullandschaft in der Grundschule auf kleine Einheiten aus jeweils drei Klassenräumen mit eigenen Garderoben und Toiletten. Man schaffe sozusagen eine kleine Schule in der Schule, behalte aber alle Synergie-Effekte eines großen, gemeinsamen Gebäudekomplexes.
Professor Schirmer gestand der Bürgerinitiative zwar zu, dass die Idee einer kleinen Schule in der Ortsmitte durchaus Charme habe, weshalb der Standort in der Ortsmitte, wie er sagte, „zwar schön wäre, aber gut für Endorf wäre er nicht“. In der Stadtplanung müssten einfach Fakten von generalisiert formulierten Wunschzielen getrennt werden. Genau diese Faktentreue aber, so bemängelte er an dem Abend, habe ihm bei Vortrag der Bürgerinitiative gefehlt.
Natürlich kam bei der Veranstaltung auch das Thema Schulwegsicherheit zur Sprache, war es doch mit ein Auslöser für das Bürgerbegehren gewesen. Staber ging hier nicht ins Detail, bemängelte aber vor allem, dass die kleinen Grundschulkinder ihren Schulweg mit Älteren teilen müssten, was zu Konflikten führen könnte. Dem widersprach vehement Gemeinderat Alois Loferer (CSU), der sich dagegen verwahrte, die Mittelschulschüler pauschal in Verruf zu bringen: „Das sind keine Bullies, das sind ganz normale Schüler und ebenfalls unsere Kinder“ sagte er.
Ausführlich auf die Schulwegsicherheit ging der Geschäftsleiter der Gemeinde, Martin Mühlnickel ein. Das Problem bei dem Thema sei, „dass Schulweg letztlich überall ist“, weswegen die Schulwegsicherung eine Aufgabe sei, die einfach Zeit brauche. Das Konzept der Gemeinde sei dabei, zunächst bei den neuralgischen Punkten anzufangen und sich dann immer weiter vorzuarbeiten.
Dass der Schulweg aber bis zum Bauabschluss der Schullandschaft – sollte es dazu kommen – als sicher eingestuft werden könne, das sei ein Anspruch, an dem sich die Gemeinde messen lassen werde, so Mühlnickel. Man arbeite kontinuierlich daran und erste Schritte seien auch schon in die Wege geleitet, etwa die Verlängerung der Ampelphase an der Kreuzung beim Endorfer Hof; hier werde der Fußweg auch noch durch Absperreinrichtungen von der Straße getrennt. Andere Vorhaben stünden unmittelbar bevor: Bei der Kreuzung Wasserburger/Landinger Straße werde der Fußweg in Zukunft geradlinig an der Bahn entlang bis zu einem sicheren Übergang weitergeführt, die unsichere Querung im Bereich der Kreuzung entfalle damit.