Superstar Mozart ist zurück

von Redaktion

Gefeierte Uraufführung der Kinderoper „Mozarts magische Manege“ in Immling

Halfing – Mozart ist zurück. Wer hätte das gedacht? Im Theaterzelt in Immling geht es derzeit „mozärtlich magisch“ zu. Eine temperamentvolle Truppe großer und kleiner „Artisten“ singt, tanzt und spielte sich das Herz aus der Brust und sich somit zugleich ins Herz ihres Publikums. Der selbstverliebte Clown Pepina (Uschi Zobel) führt liebe- und lustvoll ein komisches Regiment, übt sich und sein Zirkusvolk im Singen und Tanzen. Aber irgendwie klappt das noch nicht so wirklich mit dem bunten Artisten-Chor aus Affe, Löwe, Maus, Pudel, Elefant, Federvieh und Co, sodass Mozarts „Kleine Nachtmusik“ noch ganz schön schräg daherkommt. Da wäre ein fachkundiges Dirigat Gold wert. Magier Massimos (Markus Nieminen) Zauberspruch macht’s möglich.

Unter der Regie von Verena von Kerssenbrock entstand mit „Mozarts magische Manege“ eine reizende Kinderoper mit Musik von Mozart, die im Rahmen des Immling Festivals als wahrer Lockruf guten Geschmacks vor köstlich amüsierten Kinderaugen Uraufführung feierte.

Hoch motivierte

Kindertruppe

Nach intensiver Probenarbeit mit hoch motivierten Kindern zwischen fünf und 13 Jahren war das Süppchen aus wohl ausgewählten Werken fertig gekocht und schmeckte dem Publikum ganz köstlich. Gut gewürzt und wunderbar „arrangiert“, unter der musikalischen Leitung und Einstudierung von Lukas Gahabka, gab der Kinder-Festivalchor zusammen mit Gesangssolisten in kunstvoller Kostümierung (Sabine Lutter) eine ansprechend wie anspruchsvolle Auswahl aus Mozarts Werken in kindgerecht kreativer Verpackung in amüsanter Rahmenhandlung zum Besten.

Für die musikalische Einrichtung zeichnete Iris Schmid verantwortlich, die witzigen Dialoge lieferten Verena von Kerssenbrock und Florian Maier. Dass das bunte Treiben dermaßen zündet und sogar „Wolferl“ höchst persönlich aus der Versenkung lockt, hätte wohl keiner geglaubt. Zugegeben, so ganz freiwillig kam das Musiker-Genie nicht nach Immling. Und irgendwie wunderte sich der geniale Magier Massimo selbst über die Effektivität seines Zauberspruchs, der Mozart (Lukas Gahabka) aus ferner Vergangenheit ins Jetzt beamte. Clown Pepina sah das pragmatisch, versuchte die Singleitung der noch nicht ganz „auf den Punkt“ musizierenden Artistenhorde dem Tonschöpfer selbst aufs Auge drücken.

Zu dumm nur, dass, wie sich herausstellte, Mozart auf seiner Reise aus der Vergangenheit nicht nur seine Perücke, sondern auch sein Gedächtnis verloren hat. Der entrückte Mozart kann sich weniger für Musik, dafür umso mehr für ihm fremde neuzeitliche Errungenschaften wie Trampoline und Handys erwärmen.

Affe Fips singt Arie

Daran ändert sich auch nichts, als der gesanglich übermotivierte Affe Fips (Yu Hsuan Chengmit) zur Erinnerung Papagenos oder Taminos Arie aus „Die Zauberflöte“ schmettert. Der Kanon „Bona nox! Bist a rechta Ox“, in umgedichteter Textfassung „Wer ist das? Wo kommt der denn her?“, brachte die Sache zwar auf den Punkt, führte aber genauso wenig aus dem Schlamassel.

Mit dem Auftritt der (gar nicht so) bösen Hexe (Verena von Kerssenbrock) aus Hänsel und Gretel war die Verwirrung komplett. War doch diese Hexe in Mozarts Werken ähnlich deplatziert wie Mozart im Zirkus. „Dann bin ich hier falsch“ entfuhr es ihr nüchtern. Trotzdem behauptete sie das Kräutlein zu Mozarts (Gedächtnis-)Erleuchtung zu kennen: Ein lila Blümchen. Aber welches? In der Pause war im Immlinger Garten kein lila Gewächs vor „forschender“ Kinderhand sicher, man suchte und rätselte.

Die Kunstlieder „Sehnsucht nach dem Frühlinge“ und „Das Veilchen“ passten hervorragend ins Programm, die Hexe aber stiftete wieder mit Rossinis „Katzen-Duett“ Verwirrung und verhexte alle zu musikalisch miauenden Katzenwesen. Den gut gelaunten Mozart tangierte das alles wenig. Sein Interesse an der schönen Seiltänzerin Constanzia (Anastasia Churakova) motivierte aber besonders den Magier Massimo, den „Geist, den er rief“ schleunigst wieder ins 18. Jahrhundert zurückzubefördern: Mit „Erst geköpft, dann gehangen“ aus „Die Entführung aus dem Serail“ machte er seiner Eifersucht Luft.

Ob und wie es gelingt wieder Ordnung und Struktur in Mozarts Werke und Zeiten zu bringen, also das Amnesie lösende lila Blümchen zu finden, und ob Mozart sich überhaupt von seinem „Ersatz-Stanzerl“ trennen kann und will, ist noch bis Dienstag, 9. Juli, im Theaterzelt des Immling Festivals zu erleben. Das Premierenpublikum konnte sich jedenfalls kaum von den musikalischen, grandios spielenden und singenden kleinen und großen „Helden“ trennen und spendete begeistert Applaus. Die Zugabe, so viel sei verraten, dirigierte dann doch Superstar Mozart – ganz zur Freude der sympathischen Clown-Frau Pepina: „Seht und hört, heut machen wir Musik!“ à la „Nozze di Figaro“. Nähere Infos zu Schulvorstellungen, Spielplan und Tickets unter www.immling.de.

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