Stephanskirchen – „Schulkinder sind laut, unerzogen, hektisch und von Handys gesteuert.“ Das könnten Gedanken von reiferen Menschen sein, die man heutzutage Senioren nennt. Und was könnten Schulkinder von solchen Senioren denken? „Die sind schwerhörig, langsam, uncool und die schimpfen immer, wenn wir spielen.“
Um nun mit den gegenseitigen Vorurteilen aufzuräumen hatten sich die Zweite Vorsitzende der Senioren-Begegnungsstätte Stephanskirchen (SBS) Cornelia Gerner und der Lehrer Simon Dietl von der Grundschule Schloßberg einen projektartigen Tag ausgedacht, der Senioren und Junioren zusammenbringen sollte. Denn an jedem letzten Mittwoch im Monat frühstücken die Senioren zusammen in ihrer Begegnungsstätte im Roten Schulhaus gemeinsam. Warum sollten da nicht die Drittklässler von Lehrer Dietl mitmachen?
Die Idee war, mit einem kleinen Programm für Unterhaltung zu sorgen, aber auch den gemeinsamen Austausch zwischen Jung und Alt zu initiieren.
So gesellten sich die Schülerinnen und Schüler zu den Senioren, die vom Helferteam einen sommerlich gestalteten Raum geboten bekamen. Ein musikalisch aufgepepptes Gedicht über den Sommer startete den Frühstücksvormittag. Schnell saßen Jung und Alt nebeneinander. Mit zwei Liedern, die das Ehepaar Jakubik begleitete, sang man gemeinsam, da nahmen die Berührungsängste ab. Einige Kinder hatten auch noch die eigenen Großeltern mitgebracht, sodass diese die Senioren-Begegnungsstätte als Treffpunkt für reifere Menschen neu kennenlernen konnten. In der Vorbereitungsphase im Klassenzimmer hatten sich die Schüler zudem Fragen an die Gastgeber überlegt, die neben allgemeinen persönlichen Inhalten die Gesprächspartner anregten, ein besonders spannendes Erlebnis in Schloßberg zu erzählen.
Diese Fragerunde brachte die Berührungsängste auf den Nullpunkt. Die Schulkinder kamen gar nicht mehr mit dem Schreiben nach, so viele Eindrücke und Ideen wurden ihnen von den Älteren geliefert. Wahrscheinlich hat Geschichtenschreiben oder „Aufsatz“ noch nie so viel Freude bereitet wir in dieser Gesprächsrunde.
Die nächste Phase kümmerte sich um die Erfahrungen des Vormittags: „Was nehme ich heute mit? Was kann ich am Nachmittag in meiner Familie berichten?“ Zuerst waren die Schulkinder dran: Sie waren begeistert von den Geschichten, die sie erzählt bekommen hatten, sei es von spannenden Tierbegegnungen, sei es von bedrückenden Kriegserlebnissen.
Mit Rührung berichteten die Senioren von ihren Gesprächsergebnissen, zeigten sich beeindruckt von ihren Dialogpartnern und sparten nicht mit großem Lob. Einen Kritikpunkt äußerte eine ehemalige Pädagogin: „Schad, dass unter den Kindern so wenig Dialekt gesprochen wird.“
Die sogenannte Feedback-Runde belegte, wie sich eventuelle Vorurteile durch selbst gebildete Urteile revidieren lassen. Mit Engagement und Disziplin hatten die Schulkinder ihre Visitenkarte abgegeben.
Und ganz rein zufällig verabschiedete sich die jungen Generation mit einem ursprünglich englischen Song, den sie auf bayerisch umgetextet hatten „Wir sind die Kinder der Welt“. Da gab’s laute Bravorufe, und die Forderung, ein solches Treffen im Herbst wieder zu ermöglichen.