Griesstätt/Wasserburg – Zack-zack, innerhalb von vier Tagen über den Bayerischen Wald durch Tschechien bis nach Polen und wieder zurück. Und das mit dem Radl und für den guten Zweck: Schellen Sau hat auf seiner Benefiztour die Kosten für Laras Therapie zusammengetragen. Die inzwischen Zehnjährige, die im Alter von sechs Jahren bei Kolbermoor von einem Auto erfasst wurde und nach dem Unfall eineinhalb Jahre im Wachkoma lag, kämpft sich zurück ins Leben.
Kleine Kämpfernatur wird unterstützt
Die Eltern setzen nach enttäuschenden Erfahrungen etwa in der Reha in Vogtareuth auf das Therapieren ihrer kleinen Kämpfernatur im Adeli Medical Center in der Slowakei – und müssen die Kosten selbst tragen. 4000 bis 5000 Euro kosten die sehr intensiven Aufenthalte in den Ferien dort, bei denen drei Therapeuten zeitgleich mit ihr arbeiten.
Dort ist man spezialisiert auf Zerebralparese, Schlaganfall, traumatische Gehirnverletzung sowie angeborene neurologische Defizite.
Durch die intensiven und anstrengenden Anwendungen und Trainingseinheiten zeigte das Kind dort die erste bewusste Regung und wachte langsam aus dem Wachkoma auf.
Den Aufenthalt zu Pfingsten in der Reha-Einrichtung in Pieštany hat Schellen Sau schon übernehmen können. Bei der aktuellen Tour nach Polen geht es um die Behandlung während der Sommerferien.
Die Mitglieder von Schellen Sau suchen sich für ihre Benefizfahrten gerne Routen aus, „die man sonst nicht erleben würde“, erklärt Michael Köhldorfner, stellvertretender Vorsitzender, der wieder dabei war.
Pünktlich um 5 Uhr früh starteten zehn Radler in Wasserburg ihre Fahrt für knapp 1200 Kilometer direkt in den Sonnenaufgang. Ab nun galt: drei bis vier Stunden auf dem Rad pro Etappe bis zur Verpflegung. Während die Radler ihre Etappen meisterten, bereitete das siebenköpfige Versorgerteam schon die Verpflegung vor.
Zum Start der ersten Nacht-Etappe hieß es dann nicht nur Lichter montieren, auch die Regenjacke durfte nicht fehlen. Denn nicht nur die Dunkelheit brach an, der Regen setzte ebenfalls ein. Genächtigt wurde unter Biertischen.
Wolkenverhangen begann der zweite Tag und führte über viele Anstiege und holprige Abfahrten in Richtung Riesengebirge. Über Spindlermühle ging es nach Polen. Hier musste auch der zweite und letzte platte Reifen der Tour geflickt werden, berichten die Teilnehmer.
„Dass beide Pannen ausgerechnet den einzigen Radl- mechaniker des Teams treffen, ist vermutlich nur Zufall, waren deshalb aber sehr schnell und fachgerecht behoben“, wie Schriftführer Christian Huber aus Griesstätt augenzwinkernd berichtet.
Bereits 2018 startete die Sichtung der diesjährigen Strecke durch Köhldorfner. Begleitet von seiner Tochter wurden nicht nur passende Routen gesucht, auch die Verpflegungs- und Übernachtungsstationen wurden begutachtet.
„Verrückte“ können die Route nachradeln
Innerhalb eines Jahres kann sich aber auch etwas ändern. So mussten die Radfahrer eine, bei der Besichtigung nicht vorhandene Brücke in einem von Regen durchnässten Lehmgrund unterqueren. Glücklicherweise standen danach genug Wasserpfützen für alle zur Reinigung bereit, denn Schuhwerk und Räder mussten von „massiven Lehmbefall“ befreit werden. Und wer konnte über ein Jahr vorher wissen, dass der Campingplatz nicht nur Übernachtungsstopp des zweiten Tages ist, sondern sich am Abend zum Festivalgelände verwandelt.
Mit Beginn des dritten Tages ging es langsam wieder Richtung Heimat. Nach gut über der Hälfte der Strecke bekam der ein oder andere das Gefühl, durch die Routenplanung immer wieder genau in die Richtung abbiegen zu müssen, wo es am meisten regnete.
Zeitweise von Sonnenstrahlen begleitet, übertrat man mit Ende der letzten Tagesetappe die bayerische Grenze, wo das Versorgerteam bereits mit trockener Kleidung und leckeren Spaghetti wartete.
Der letzte Tag startete trocken und sollte so bleiben. Eine Kaffeepause bot Gelegenheit, einige dunkle Regenwolken vorbeiziehen zu lassen. Frisch gestärkt durch das Frühstück nahmen die Radler die letzten Kilometer ohne Versorgerteam in Angriff.
Erwartet von Familie, Freunden und Fans trafen die Radler pünktlich um 18 Uhr beim Wimmer Wirt am Kellerberg ein.
Am Ende der erfolgreichen, unfallfreien Fahrt standen knapp 1200 Kilometer und rund 18000 Höhenmeter auf der Uhr.
Dank des Einsatzes von Schellen Sau e.V. geht es für Lara im August wieder zur Therapie in die Slowakei. „Durch Spenden konnten wir für die Unterstützung des August-Aufenthalts bereits 3400 Euro sammeln“, freut sich Köhldorfner.
Wer den Aufenthalt ebenfalls unterstützen möchte, kann mit dem Verwendungszweck „Lara“ spenden an Schellen Sau e.V. (IBAN: DE90 7115 2680 0030 0852 86). Ein Bericht der Tour aus Sicht der einzigen Fahrerin ist unter www.schellen-sau.de zu finden. Ebenfalls gibt es dort Fotos der Fahrt und „für ganz Verrückte“, die gesamte Tour als Download zum Nachfahren.