Rohrdorf – Abwasser hat selten die Chance auf eine gute Schlagzeile. Der normale Mensch hat damit ja auch nicht viel zu tun: Spülung gedrückt beziehungsweise Stöpsel gezogen, den Rest, so denkt man, macht die Kläranlage. Dabei ist hier noch lange nicht Schluss, denn der dort anfallende Klärschlamm muss auch irgendwo entsorgt werden.
Bei den Abwasserzweckverbänden „Prien-Achental“, zu dem die Gemeinden Aschau, Frasdorf, Rohrdorf und Samerberg gehören, und „Simssee“ mit den Gemeinden Bad Endorf, Prutting, Riedering, Stephanskirchen und Söchtenau sind das rund 3000 Tonnen pro Jahr.
Fast 100000 Kilometer Transportweg pro Jahr
Bislang hat man die Menge von der Kläranlage Bock-au überwiegend Richtung Mitteldeutschland transportiert, wo der Schlamm teils auf Feldern ausgebracht, teils kompostiert wurde. Übers Jahr hinweg waren dazu 120 Lkw-Züge notwendig, die für die Hin- und Rückfahrten insgesamt eine Strecke von durchschnittlich 96000 Kilometern zurücklegten.
Damit ist jetzt Schluss, denn der Klärschlamm aus Bockau wird nun im Zementwerk Rohrdorf mit zur Erzeugung der Wärme verwendet, die man dort zur Herstellung des Zements benötigt. Auf diese Weise werden nicht nur die etwa 75 Tonnen CO2, die pro Jahr von der Flotte der Transport-Lkw in die Luft geblasen wurden, eingespart. Es entfällt auch die nicht unproblematische Ausbringung des Klärschlamms, der Hormonspuren ebenso enthalten kann wie Reste von Antibiotika und auch Mikroplastik.
Bei den hohen im Zementwerk erreichten Temperaturen von bis zu 2000 Grad Celsius verbrennt hingegen alles rückstandsfrei, die Abgasreinigung ist modellhaft und auf dem allerneuesten Stand.
Geplant war die regionale Entsorgung des Klärschlammes von den beiden Abwasserzweckverbänden übrigens bereits seit dem Bau der Rohrdorfer Anlage im Jahr 2016 gewesen.
Komplizierte Ausschreibung
Zunächst scheiterte sie aber daran, dass Entsorgungsaufträge in dieser Größenordnung europaweit ausgeschrieben werden müssen und die Zweckverbände dazu verpflichtet sind, den Auftrag an den günstigsten Anbieter zu vergeben. Die Einsicht, dass es vernünftig ist, umweltsichernde Umstände – wie zum Beispiel die jetzt extrem kurzen Transportwege von nur noch acht Kilometern – bei den Ausschreibungen stärker gewichten zu können, setzte sich in den Richtlinien für die Ausschreibungsverfahren nur langsam durch.
Für die beteiligten Gemeinden jedenfalls ist die jetzige Lösung in einer Zeit, in der das Thema Lkw-Verkehr in Deutschland immer wieder auf der Tagesordnung steht, ein Schritt in die richtige Richtung.