Amerang lässt Rosen sprechen

von Redaktion

Amerang lässt Blumen sprechen, besser gesagt Rosen. Die Grundschule und der Verschönerungsverein haben in dreijähriger Arbeit den „Ameranger Rosenweg“ geschaffen – ein nachhaltiges wie blühendes Gemeinschaftsprojekt.

Amerang – „Ihr Schulkinder seid die Stars, pfundig, was ihr da geschaffen habt“, lobte Bürgermeister Gust Voit die jungen Ehrengäste, die gemeinsam mit ihren Lehrkräften und Wolfram Obholzer, dem Vorsitzenden des Verschönerungsvereins, in einer kleinen Feierstunde im Foyer des Rathauses den neuen Ameranger Rosenweg präsentierten. Verknüpft sei das Projekt mit Renate Stein, die schon vor Jahren mehr Rosen im Ort angeregt habe, mit Wolfram Obholzer und dem Verschönerungsverein, der die Idee aufgegriffen habe und mit der engagierten Lehrerschaft und den Schülerinnen und Schülern der Grundschule, die tatkräftig bei der Umsetzung des Ameranger Rosenwegs mitgeholfen hätten.

Ergänzend zum offiziellen Lehrplan seien ökologische Abläufe und Lebenswissensvermittlung in den Unterricht miteingeflossen und dass nicht nur, „weil das Thema Natur heute modern ist“.

Amerang zähle bereits seit Jahren in puncto Biodiversität zu den führenden Kommunen im Landkreis Rosenheim, betonte Voit stolz. Klar also, dass die Gemeinde das Gemeinschaftsprojekt von Grundschule und Verschönerungsverein wohlwollend unterstützt habe. Ein Dank ging auch an die vielen ehrenamtlichen Helfer und Unterstützer, ohne die die Umsetzung in dieser Form nicht möglich gewesen wäre.

Fächerübergreifendes Herzensprojekt

„Es ist ein Herzensprojekt geworden“, betonte Rektorin Elvira Mandelsperger. Da wichtige Lerninhalte des Fachlehrplans Heimat- und Sachkunde in das Projekt eingebunden würden, sei die Grundschule mit der Kombiklasse 3/4 mit Neugier und Interesse in das Projekt eingestiegen. Es sei fächerübergreifend auch im Deutschunterricht mit dem Verfassen von Gedichten sowie im Werkunterricht und auch im Fotoatelier bearbeitet worden. So stammten alle Zeichnungen auf dem Flyer ebenso wie die Bilder in einem mehrseitigen Begleitheft und auf der Präsentationswand im Rathaus von den Schülern.

„Die Kinder können stolz sein auf ihr Projekt“, fand Klassenlehrerin Maria Thanhäuser. Anhand des Gemeinschaftsprojekts hätten die Mädchen und Buben gelernt, sich gemeinsam mit den Mitschülern und dem Dorfverein über einen längeren Zeitraum für eine Sache einzusetzen, Verantwortung zu übernehmen und eigene Talente zu entdecken. Der Rosenweg beginne direkt vor dem Klassenzimmer und führe das Ergebnis täglich vor Augen.

Zur Vorgeschichte: Zum 50-jährigen Vereinsjubiläum des Verschönerungsvereins wollten die Verantwortlichen Amerang mit der Königin der Blumen erblühen lassen. Von Anfang an war dabei die Überlegung, die jungen Gemeindebürger in die Aktion mit einzubeziehen und sie so auch für das Garteln zu interessieren.

Schulleitung, Lehrer und Kinder fanden die Idee, im Dorf wachsende, bewährte Rosensorten durch Veredlung zu vermehren und diese dann im Ort wieder auszupflanzen, auch „klasse“ und so machte man sich gemeinsam an die Arbeit.

Königsdisziplin des Veredelns gelernt

Hobbygärtner wissen, dass es sich beim Veredeln um eine „Königsdisziplin“ handelt und hier Fachwissen gefragt ist. Mit fachkundiger Anleitung wurde es am Ende beinahe kinderleicht. Ganz nebenbei lernten die Schüler von Wolfram Obholzer – als Gartenbauingenieur und ehemaliger Lehrer für Biologie und Erdkunde ein Profi – noch eine Menge über die Anzucht von Pflanzen im Allgemeinen.

Ganz wichtig: Rosen haben keine Dornen, sondern Stacheln. Und die hätten manchmal kräftig gepikst, erinnern sich die Kinder, die von ihrer Freude am Mitmachen und dem tollen Ergebnis berichteten.

Da der Erfolg bekanntlich in der Vorbereitung liegt, begannen die ersten Maßnahmen bereits im Frühjahr 2017. Damals pflanzten die Schüler Wildrosen aus. Im Sommer sammelten die Nachwuchsgartler Triebe von Edelrosen im Gemeindegebiet und okulierten die Knospen auf die Wurzelhälse der Wildrosen.

Viel Pflegearbeit im heißen Sommer 2018

Dann war Geduld gefragt. Im Frühjahr wurden die Triebe der Wildrosen entfernt, damit die Knospen der Edelrosen austreiben konnten. Natürlich seien während der ganzen Zeit auch Pflegemaßnahmen wie Unkraut Jäten und besonders Gießen im heißen und trockenen Sommer erforderlich gewesen, erinnerte sich der zehnjährige Simon. „Danach mussten sie den Winter überstehen und jetzt blühen die auch noch so schön“, erzählte der Bub begeistert und schüttelte ebenso wie viele seiner Klassenkammeraden ungläubig den Kopf: „Dass eine kleine Sache so groß werden kann“.

Mit dem Bollerwagen voller Rosen und verschiedenen Geräten sei es im Herbst 2018 ans Auspflanzen gegangen. Jedes Kind habe sich um drei Rosen gekümmert. Beim Pflanzen seien die dann mit einem Namensschild versehen worden, damit man auch später noch wisse, wem die Rose gehöre, erklärte Simon.

„Die Rose habe ich damals mit gezüchtet,“ das könne eine schöne Erinnerung werden, ergänzte die neunjährige Hanna, die bei der Eröffnungsfeier den begleitenden und von den Kindern gestalteten Flyer zum Ameranger Rosenweg präsentierte.

Start am Schulhaus

Der Ameranger Rosenweg führt vom Schulhaus in der Jahnstraße über den Haupteingang des Friedhofs zur Rückseite der Gemeinde, weiter zur Kirchenmauer, zum Brunnen und zur Steinkapelle in einem Rundweg wieder zurück zur Schule. Auf dem Weg zu den insgesamt sechs Standorten im Ortskern können Abstecher zum Marterl am Bergweg gemacht werden, um die Aussicht zu genießen oder zum Bacherl in der Schlossstraße, um dort die Natur zu hören.

An beiden Punkten wurden mit Rosensteinen aus gravierten Marmor Sinnes-Platzerl geschaffen. Den Start am Schulhaus ziert eine Marmorstele.

Die Präsentation des Ameranger Rosenwegs ist in den kommenden Wochen im Foyer des Rathauses zu sehen. Dort gibt es auch den begleitenden Flyer mit Ortsplan und Rätsel zu den Standorten.

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