Abschied von einer Institution

von Redaktion

Mesner-Ehepaar Rosina und Walter Genzinger aus Aschau jetzt im Ruhestand

Aschau – Die beiden waren eine Institution: Rosina und Walter Genzinger (beide 65 Jahre) versahen jeweils über 40 Jahre den Mesnerdienst in der Aschauer Pfarrkirche. Jetzt wurden sie im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes in den Ruhestand verabschiedet. Doch die nächste Generation steht schon bereit, um den Mesnerdienst zu versehen. Seit 1. Juli sind Christa Maurer (48 Jahre) und Lucas Kramer (23 Jahre) die neuen Mesner.

Unzählige Ministranten haben die beiden bei ihrem Dienst am Altar begleitet. Wie viele es insgesamt waren, können sie nicht mehr mit Gewissheit sagen. Auch bei der Anzahl der Kapläne, Diakone und Praktikanten haben sie irgendwann aufgehört zu zählen. Aber die Namen der fünf Pfarrer und der drei Gemeindeassistenten, die sie in ihren langen Jahren erlebt haben, fallen ihnen auf Anhieb ein.

Legendäre

Grillfeste

Das Mesner-Ehepaar hat viel erlebt, sei es kirchlicher Art wie Kommunionfeiern, Firmungen, Hochzeiten, Taufen, seien es die weltlichen Festlichkeiten rund um und in der Kirche oder wie vor zwei Monaten die Auferstehungsspiele rund um das Heilige Grab. Walter Genzinger erinnert sich noch an die legendären Grillfeste mit der Kolpingsfamilie, mit dem Kindergarten und daran, dass so manches Pfarrfest recht lang dauerte: „Bis in die Früh“. Dass sie beide beim Auferstehungsspiel im Hintergrund eifrig mitgearbeitet haben, empfinden beide als schönen „Abschluss unserer langen Verbundenheit mit der Aschauer Pfarrkirche.“ Aber es habe auch unschöne Momente gegeben. Aber das seien nur wenige gewesen. Eine Geschichte haben sie immer noch im Gedächtnis, die vom Diebstahl des Blumenschmucks vor gut 15 Jahren. „Das war nämlich so rund um meinem 50.“, erinnert sich Walter Genzinger. Der grandiose Blumenschmuck einer Hochzeitsfeier – „die sind dann später in die Residenz zum Winkler zum Weiterfeiern“ – sollte noch der einen Tag später stattfindenden Nachprimiz eines ehemaligen in Aschau damals noch als Kaplan tätigen Pfarrers dienen, „aber als wir die Kirche aufsperrten, waren alle Blumen weg.“ Das Ehepaar Genzinger hat sich davon nicht unterkriegen lassen: „Es ging dann halt auch ohne großen Blumenschmuck.“

Walter Genzinger ist gelernter Elektriker. Über einen Krankenhausaufenthalt lernte er seine Rosina kennen, 1973 zogen sie nach Aschau und blieben dort hängen. Jetzt hat das Paar, dem der Herrgott vier Kinder und inzwischen fünf Enkelkinder schenkte, seinen Ruhestand angetreten und will sich noch mehr dem Gärtnern widmen. „Statt Sechs-Tage-Woche jetzt sieben Tage frei“, scherzt Walter Genzinger.

Jobangebot auf

der Skipiste

Die Arbeitszeiten haben die Nachfolger für das Mesneramt nicht geschreckt. Christa Maurer, die in Sichtweite zu Kirche und Pfarrheim wohnt, wird halbtags das Mesneramt ausüben. Sie freut sich schon auf die neuen Aufgaben und auf die Ruhe: „Die Ruhe in einer Kirche ist einmalig, das ist so ein schöner Gegensatz zu unserem hektischen Alltag.“ Per Zufall kam sie zu ihrem Job: „Ich wurde auf der Skipiste gefragt.“ Erst habe sie abgelehnt, aber je länger sie über das Amt nachgedacht habe, habe sie doch mehr und mehr Gefallen an der Mesnertätigkeit gefunden. Und als man sich auf der Skipiste ein paar Tage später wieder traf, habe sie ihr Interesse bekundet. „Da bin ich mein eigener Chef und Blumen gefallen mir auch…“ Letzteres kann auch der neue Mesner gut, ist doch Lucas Kramer (23 Jahre) gelernter Garten- und Landschaftsbauer.

So jung und dann schon so ein Ehrenamt? Lucas Kramer nickt überzeugt. Er habe immer viel mit der Kirche zu tun gehabt. Seit 14 Jahren versieht er als Ministrant seinen Dienst am Altar, da habe er Einblicke gewinnen können. Später habe er dann auch ab und zu als Aushilfe mitgeholfen, und nach und nach reifte der Gedanke in ihm, Mesner in Aschau zu werden. „Ich habe mich gefragt, ob ich wirklich 40 Jahre lang als Garten- und Landschaftsbauer arbeiten will…“ Samstagabend ausgehen, und am nächsten Tag als Mesner frühzeitig den Dienst antreten, das geht vielleicht nicht immer, aber „das mit dem Fußball habe ich schon hinter mir“, scherzt er.

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