Die „Wasserschlacht“ geht weiter

von Redaktion

Gemeinderat Prutting Ärger um erneute Verzögerungen durch Wasserwirtschaftsamt

Prutting – „Was rauchen die da drin eigentlich?“, „Schikane“, „Willkür“ – die Mitglieder des Gemeinderates waren sauer. Sauer auf das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Rosenheim. Und auf dessen Verzögerungstaktik. So nannte Quirin Meisinger (SPD) das Verhalten des Amtes und seine Ratskollegen sahen es genauso.

Unterlagen von 2003 und 2004 gefordert

Was war passiert? Bürgermeister Hans Loy (CSU) wollte in der jüngsten Gemeinderatssitzung das Schutzgebiet für den neuen Trinkwasserbrunnen der Gemeinde in Sonnen vorstellen. Ging nicht. Die Gemeinde sollte erst noch die Brunnenbücher von 2003 und 2004 vorlegen. In den Brunnenbüchern werden verschiedenste Daten festgehalten, darunter Wartungsintervalle, Wartungsarbeiten, Probenentnahmen und deren Ergebnisse und auch Entnahmemengen. Um Letztere geht es laut Loy aktuell. Im WWA herrscht Verwunderung. Amtschef Paul Geisenhofer erkundigte sich auf die Anfrage der Redaktion hin extra bei zwei Mitarbeitern – mit dem Ergebnis: „Das Thema Nachforderungen ist für uns nicht nachvollziehbar, wir haben nichts nachgefordert.“

400000 Kubikmeter jährliche Entnahme hat die Gemeinde für den neuen Brunnen beantragt. Zum Vergleich: Ein großer Milchlaster der beiden Wasserburger Molkereien fasst 20 Kubikmeter, ein olympisches Schwimmbecken 2500 Kubikmeter. Diese 400000 Kubikmeter, da waren sich die Gemeinderäte einig und sicher, will das WWA drücken. Über das „Warum“ ließ sich kein Gemeinderat aus. Die 400000 Kubikmeter braucht das 3000 Einwohner kleine Prutting nicht für sich selbst, es bleiben Reserven. Die im Falle eines Falles einem Notverbund mit Vogtareuth, Söchtenau und Stephanskirchen, ja selbst mit Rosenheim, zugutekommen könnten. Die Gemeinderäte und auch der Bürgermeister sind verärgert, weil sich das Thema „Neuer Trinkwasserbrunnen“ schon seit mehr als ein Jahrzehnt hinzieht. Vor elf Jahre, erklärte Loy auf Nachfrage, sei klar geworden, dass das Schutzgebiet des bestehenden Brunnens, in den 60er Jahren ausgewiesen, genau in der falschen Richtung liegt. Ein neues Schutzgebiet um diesen Brunnen herum auszuweisen sei nicht möglich, da das Gewerbegebiet der Gemeinde genau in der Anströmrichtung des Grundwassers liegt. Vor sieben Jahren seien dann die ersten Probepegel gebohrt worden. Eine Herangehensweise, die laut Geisenhofer von vielen Gemeinden gewählt wird. Drei oder vier Probepegel bohren, die Daten auswerten, bei Bedarf an anderer Stelle die nächsten Bohrungen vornehmen, sich an die beste Option herantasten. Das sei zwar preislich günstiger, so Geisenhofer, als ein riesiges Untersuchungsprogramm eines Ingenieurbüros, dauere aber auch länger. „Wie sie vorgeht, entscheidet jede Gemeinde für sich. Da nehmen wir keinen Einfluss.“ Es habe sich, so Loy, schnell herausgestellt, dass die ersten Bohrungen zu nah an Prutting und Bamham liegen, deswegen sei man weiter an den Rand des Gemeindegebietes gerückt, letztlich im Staatsforst bei Sonnen – nahe der Gemeindegrenze zu Stephanskirchen – gelandet.

Auf der anderen Seite dieser Gemeindegrenze sitzt ein Bürgermeister, der sich auch „einen schnelleren Weg hätte vorstellen können.“ Rainer Auer (parteilos) erinnert sich mit leichtem Grausen an den jahrelangen Weg und an fast 20 Probebohrungen. „Trinkwasser ist zweifellos ein ganz hohes Gut“, so Auer, und die Rechtssicherheit sei es auch. Er könne deswegen durchaus nachvollziehen, dass das WWA auf Nummer sicher gehen wollen. Aber rund fünf Jahre bis zur Brunnenbohrung sind dem ehemals schnellsten Bürgermeister Bayerns dann doch etwas zu viel.

Brunnenbohrung

im Dezember 2018

Die Pruttinger sind ein Stück weiter: Ihr Trinkwasserbrunnen wurde im Dezember gebohrt. Es fehlen nur noch so Kleinigkeiten wie Schutzgebiet, Brunnenhaus, Pumpe, Steuerung, Rohrleitung, etc. Ob das dieses Jahr noch etwas wird, das vermochte in der Ratssitzung niemand zu sagen. Die direkt um den Brunnen liegenden Grundeigentümer wissen laut Loy schon, dass sie im Schutzgebiet landen. Der Tagesordnungspunkt endete bei allem Ärger in Gelächter – dank Quirin Meisinger: „Hans, sag dem WWA die Brunnenbücher von 1805/1806 hamma nimma, die hat Napoleon mitgenommen.“

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