Prien/München – Seit Jahrzehnten wünschen sich die Prutdorfer eine Umgehungsstraße, weil sich immer mehr Pkw und große Brummis durch ihre enge Ortsdurchfahrt zwängen. Das ansonsten beschauliche Dorf liegt genau zwischen Prien und dem Autobahnanschluss bei Frasdorf.
Gehwege
gibt es nicht
Gehwege gibt es in Prutdorf nicht, auch Schulkinder müssen stellenweise auf der Straße laufen. Die Umgehung ist seit Langem ein Politikum, Priens Bürgermeister Jürgen Seifert hatte wiederholt versichert, dass die Straße zeitnah gebaut werde.
Jetzt rückt der Bau der Ortsumfahrung wieder ein Stück näher. Die Regierung von Oberbayern leitet ein Planfeststellungsverfahren ein.
Die Unterlagen können ab heute im Priener Rathaus eingesehen werden. Fragen können und dürfen die Mitarbeiter der Bauverwaltung allerdings nicht beantworten, denn Träger des Verfahrens und damit Ansprechpartner sind die Regierung und das Staatliche Bauamt.
Der Markt Prien hatte diese Vorgehensweise beantragt. Als die Überlegungen für den Bau einer 1,2 Kilometer langen Umgehung östlich von Prutdorf oberhalb des Prientals schon weit gediehen waren und mit allen Grundeigentümern weitestgehend Einigkeit herrschte, überraschte die Verantwortlichen im Rathaus der Marktgemeinde eine neue Vorgabe des Staatlichen Bauamtes Rosenheim. Weil die Verbindung zwischen Prien und Frasdorf eine Staatsstraße ist, hat die Behörde die Entscheidungsgewalt.
Das Staatliche Bauamt sah die Umgehung von Prutdorf nun im Verbund mit dem Ausbau des anschließenden Straßenabschnitts bis Bachham inklusive Geh- und Radweg.
Weil man in Prien keine Chance sah, mit einem guten Dutzend weiterer Grundeigentümer Einigungen zu erzielen, beantragte die Marktgemeinde das Planfeststellungsverfahren.
Ursprünglich hatte das Straßenbauamt den Beginn dieses wohl mindestens einjährigen Verfahrens für Ende 2018 angekündigt, dann für Ostern dieses Jahres. Aber es dauerte offenbar länger als gedacht, bis alle Unterlagen zusammengetragen waren.
Unter anderem mussten mehrere Gutachten angefertigt werden. Das Material füllt nun zwei Aktenordner, die seit gestern bis Montag, 19. August, zu den üblichen Geschäftszeiten im Priener Rathaus eingesehen werden können.
Weil die staatlichen Mittel auf absehbare Zeit begrenzt sind, will der Markt Prien die Umfahrung von Prutdorf in der sogenannten Sonderbaulast zwischenfinanzieren.
Das heißt, die Gemeinde bezahlt den Bau, bekommt aber später voraussichtlich bis zu 80 Prozent des Geldes vom Staat erstattet.
Für den zweiten Bauabschnitt, den Ausbau der Staatsstraße zwischen Prutdorf und Bachham, kommt der Freistaat finanziell auf, heißt es in einer Pressemitteilung der Regierung von Oberbayern. Allerdings muss der Markt Prien die Grundstücke erwerben, die für den Ausbau gebraucht werden.
In der Entwurfsplanung ist vorgesehen, in zwei Bauabschnitten 2,15 Kilometer Straße neu- beziehungsweise auszubauen, sodass die Fahrbahn am Ende durchgehend 6,5 Meter breit ist. Ein neuer Geh- und Radweg zwischen der Einmündung Atzinger Straße bei der Firma Togu und der Einmündung der Ludwigstraße nach Prutdorf, wo Radfahrer bisher auf die Fahrbahn ausweichen müssen, wird 2,5 Meter breit.
Planunterlagen
sind einsehbar
Die Planunterlagen werden auch in der Priener Nachbargemeinde Frasdorf einen Monat öffentlich ausgelegt, denn die Prutdorfer Umgehung endet südlich am Wildenwarter Kreisel auf Frasdorfer Gemeindegebiet.
Die Planunterlagen sind zudem auf der Internetseite der Regierung von Oberbayern unter www.regierung. oberbayern.bayern.de abrufbar.
Private Betroffene können während der Auslegungsfrist und der sich daran anschließenden Einwendungsfrist von einem Monat Einwendungen gegen das Bauvorhaben bei den auslegenden Gemeinden oder bei der Regierung erheben.
Nach Ablauf der Einwendungsfrist entscheidet die Regierung dann anhand der Zahl der Rückmeldungen, ob zusätzlich ein Erörterungstermin durchgeführt werden muss.
Sollte das der Fall sein, kann sich das Verfahren weiter verzögern.