Er hat einen quietschorangen Badestuhl

von Redaktion

Mit dem Rolli ins Wasser – so eine spinnerte Idee! Warum eigentlich? Das fragten sich Verkehrsverein, Behindertenbeauftragter und Zweiter Bürgermeister in Neubeuern. Sie fanden eine Lösung. Und einen Testfahrer, der den Ausflug ins kühle Nass genoss, und Nachbesserungen anregte.

Neubeuern – Menschen mit eingeschränkter Mobilität haben im Alltag mit vielerlei Barrieren zu kämpfen. Für sie ist der Besuch eines Badesees mit dem erfrischenden Eintauchen ins Wasser eine schier unüberwindbare Hürde. Lösungsansätze zu erarbeiten und diese zeitnah umzusetzen war nun Gesprächsinhalt des 2. Bürgermeisters Martin Schmid, des Behindertenbeauftragten Alois Niederthanner und des Vorsitzenden des Verkehrsvereins, Georg Paul. Dazu trafen sie sich zu einem Ortstermin mit dem Rollstuhlfahrer Josef Höck und Hans Kerschbaumer, Vorsitzender der Landkreisstiftung „Menschen mit Behinderung“.

Ex-Rettungsschwimmer als „Testfahrer“

Josef Höck, früher selbst einmal Rettungsschwimmer, testet die Sicherheit und Funktionalität eines Strandrollstuhls, der am Neubeurer Badesee zum Einsatz kommen soll. Dieses Wasser- und Landgefährt aus Edelstahl ist mit drei großen luftgefüllten Ballonreifen, zwei stabilen Armlehnen aus Schwimmmaterial und einem Sicherheitsgurt ausgestattet – und es schwimmt gefahrenlos, wie ein Boot. „Das einzige Handicap besteht beim Rein- und Rausfahren aus dem Wasser, sowie beim Kippen des Stuhls, damit ich zum Schwimmen ins Wasser gleiten kann“, bemerkt Josef Höck und gesteht: „Ohne Begleitpersonen oder Hilfe der Wasserwacht kann ich bei den derzeitigen Gegebenheiten den wassertauglichen Stuhl nur an Land benutzen“. Denn ein Motorantrieb oder eine Bremse sind nicht vorhanden. Diese Ausstattungen würden mit der Zeit rosten.

Dieser Problematik stellen sich die Vertreter der Marktgemeinde und des Verkehrsvereins. „Um das Projekt realisieren zu können, müssen wir die Neigung von der Liegewiese zum Seeufer auf unter zehn Prozent senken. Zur Befestigung des Untergrunds eignet sich wohl am besten Sand oder Mineralbeton, um einen befahrbaren Weg ins Wasser herstellen zu können“, erklärt Georg Paul.

Auch die sichere Verwahrung der Strandrollstühle stellt die Verantwortlichen nur kurzzeitig vor Herausforderungen. Es besteht die Möglichkeit, am Seezugang am westlichen Ufer eine Holzhütte für Menschen mit Behinderung, zu errichten. Diese muss Platz für mindestens zwei wassertaugliche Stühle bieten und zusätzlich eine behindertengerechte Umkleidekabine haben. Davor sollte mindestens ein Behindertenparkplatz ausgewiesen werden.

Strandrollstühle

gibt‘s gegen Kaution

„Die Strandrollstühle, mit jeweils zwei Schwimmwesten ausgestattet, können von Erwachsenen und Kindern für eine am Kiosk hinterlegte Kaution von 20 Euro genutzt werden. Die seetauglichen Badehilfen für Rollstuhlfahrer, Menschen mit Rollator und besonderen Bedürfnissen stellt die Landkreisstiftung kostenfrei zur Verfügung“, betont Hans Kerschbaumer. Bei fast 3000 Euro pro Stück ist das ein Wort.

„Wunsch und Bedarf sind vorhanden, Behinderten den Weg zum See zu ebnen und wir werden daran arbeiten, diese Maßnahme im Schulterschluss mit der Marktgemeinde schnell umzusetzen“, verspricht Georg Paul und ergänzt: „So können Familien wieder gemeinsam unser Freizeitparadies genießen und sich der Sommerfrische erfreuen“.

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