Vier Häuser aus einem Guss

von Redaktion

Der Traum vom Eigenheim auf dem Land: Vier Familien haben sich diesen Wunsch in Bachham, einem Ortsteil Eggstätts, erfüllt und gemeinsam den über 100 Jahre alten Gabrielhof zu einem neuen Zuhause um- und angebaut.

Eggstätt – Ein langgestrecktes Gebäude, das prominent auf einem Hügel liegt, das durch seine Fassade aus Holz und Stein beeindruckt und das Platz für vier Familien mit 21 Mitgliedern zwischen sechs und 67 Jahren bietet. Nun wurde der Mehrgenerationenhof mit dem ersten Preis der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) in der Kategorie Neubau gewürdigt.

Eine Auszeichnung, die die vier Familien, die sich über die Schule der Kinder kennen, freut. Das Preisgeld wollen sie für das Begrünen des Innenhofes verwenden: „Es fehlt uns allen noch mehr Grün und Blühendes im Innenhof,“ so Katja Nonnast-Emerson, eine der Bewohnerinnen.

Bei der Übernahme hatte sich der Hof in einem unschönen Zustand präsentiert: „Bei der Besichtigung fraßen uns die Flöhe fast auf.“ Gemeinsam überlegten die vier Familien, wie sie den Gabrielhof, der früher der modernste Hof in der Nachbarschaft war, umbauen und modernisieren könnten. Zusammen mit dem Architekturbüro Kammerl und Kollegen aus Pfaffing bei Wasserburg gingen sie das Projekt an.

Da war der Wunsch aller Beteiligten, energieeeffizient zu bauen, mehrere Generationen unter einem Dach zu vereinen und vor allem den Ursprungscharakter zu erhalten. Und dazu galt es, die juristische Lage zu beachten. Der Landkreis Rosenheim erlaubt nämlich lediglich drei zusätzliche Wohnungen für Hofstellen außerorts. Zudem muss bei einem Abriss oder Neubau von Gebäuden auf den Erhalt der Größe und des Umrisses geachtet werden.

Daher schien ein Anbau in Form von Reihenhäusern die einzig denkbare Lösung für den Umbau des alten Bauernhofs, obwohl Architekt Eik Kammerl anfangs gegen eine Reihenhaus-Lösung war: „Das hätte sehr schnell langweilig werden können.“ Wurde es aber nicht, denn das Haupthaus, der Altbau, blieb erhalten, ebenso die alte Auffahrt zum Heuboden. Das große Giebelfenster dort erinnert noch an das Scheunentor. Neu dazu kamen drei Massivholz-Häuser nach dem Prinzip klassischer Reihenhäuser in gleicher Breite. In vielen, vielen Sitzungen – „es waren alles in allem rund 70 Treffen“, erinnert sich Architektin Michele Riedmatten – wurde das Konzept erarbeitet und Fördermittel, unter anderem bei der KfW für energieeffizientes Bauen, beantragt. 2017 schließlich begann der Um- und Neubau, bei dem alle Bewohner mit anpackten.

Außen identisch,

innen individuell

Wenngleich die Außenfassade einheitlich wirkt, sind doch die Hauseinheiten komplett unterschiedlich. Jonathan Emerson aus den USA hat mit Katja Nonnast-Emerson das erste Haus in der Reihe ausgebaut. Dabei recycelte er Balken und Türen der alten Scheune. Den Lehmputz trug er selbst auf.

Lukas und Corinna Schneider hingegen teilten ihr Haus im Erdgeschoss: Eine zweite Tür führt in die Einliegerwohnung der Eltern. Die Treppe liegt platzsparend an der Seite, die Küche unten, das Wohnzimmer oben.

Bei Günther Oßwald und Verena Dietz im Endhaus führt die von Birkenstämmen flankierte Wendeltreppe in einen urigen Rundraum unterm Dach. Und wo einst das Scheunentor war, schweift der Blick ins Grüne, Badewanne und Betten öffnen sich über Dachfenster zum Firmament.

Hubert Janson, seines Zeichens Holzbildhauer, restaurierte weitgehend selbst den Altbau. So verlegte er beispielsweise 1200 Meter Heizschlangen, passte Stahlträger und Holzböden ein und baute Treppen.

Eik Kammerl betont die Qualitätsmerkmale des Hauses: Das ländliche Wohnen in Gemeinschaft, kein neuer Flächenverbrauch sowie die Energieeffizienz dank der Baumaterialien Massivholz, der Hackschnitzel- und Solarheizung und der biologischen Baustoffe.

Rauschender Bach

und Bergblick

Mit vier Familien ein Haus zu teilen mag auf den ersten Blick vielleicht nicht jedermanns Sache sein, aber wer sich auf dem Gabrielhof umsieht, erkennt die Attraktivität. Im Hof steht eine frisch gepflanzte Esskastanie, im Hintergrund hört man einen Hahn krähen, der Bach rauscht, die Kinder flitzen herum und hinter dem Haus hat man ungehinderten Blick in die Chiemgauer und Berchtesgadener Alpen. Kein Wunder, dass der Um- und Neubau des Gabrielhofs der KfW einen ersten Preis wert war.

Förderprogramme

Als größte deutsche Förderbank unterstützt die KfW nicht nur mit diversen Finanzierungsangeboten. Für das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert sie mit den Programmen „Energieeffizient Bauen und Sanieren“ im Rahmen des CO2-Gebäudesanierungsprogramms und des „Anreizprogramms Energieeffizienz“ Maßnahmen privater Bauherren zur Verbesserung der Energieeffizienz. Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, das die Schirmherrschaft des KfW Award Bauen übernimmt, unterstützt mit dem Programm „Altersgerecht Umbauen“ Barriereabbau und Einbruchschutz in Wohngebäuden sowie mit dem Baukindergeld Familien mit Kindern bei dem erstmaligen Erwerb von selbst genutztem Wohneigentum. Mehr Informationen unter: www.kfw.de

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