Happy Auer: Radschnellweg ist am Start

von Redaktion

Gemeinderat Stephanskirchen Auftragsvergabe für die Vorplanung zugestimmt

Stephanskirchen – „Das ist das erste Mal seit vielen, vielen Jahren, dass ich die Worte ,Trasse‘ und ,Korridor‘ positiv finde“ – Petra Schnell (CSU) war die Schnellste. Und fasste die Meinung ihrer grinsenden Kollegen gut zusammen. Es ging ja auch nicht um eine Bahntrasse, sondern um den Radschnellweg, den die SUR (Stadt und Umland Rosenheim) von Stephanskirchen bis Feldkirchen-Westerham verwirklichen will. Der Gemeinderat Stephanskirchen stimmte jetzt der Auftragsvergabe für die Vorplanung zu.

Thomas Sarsky, bei der SUR mit dem Thema befasst, erläuterte den Gemeinderäten die Hintergründe und den jetzigen Stand der Dinge.

Er verwies darauf, dass der Raum für Straßen in ganz Europa begrenzt, eine Verlagerung des Verkehrs bei Strecken bis etwa 20 Kilometer am ehesten aufs Fahrrad möglich sei. In den Benelux-Ländern, in Teilen Skandinaviens und in Norddeutschland hätten sich Radschnellwege bereits bewährt.

75 Prozent Förderung sind möglich

Der Radschnellweg ist laut Sarsky nur sinnvoll, wenn er frei von Fußgängern ist, breit genug für Begegnungsverkehr, möglichst direkt, asphaltiert oder gepflastert und mindestens zehn Kilometer lang ist, Wohnungen und Gewerbe gut anbindet und Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern, zum Beispiel an Kreuzungen, vermeidet. Natürlich sei immer auch die Topografie zu berücksichtigen, ebenso wie der bauliche Aufwand, Natur- oder Denkmalschutz.

Grunderwerb, Planung und Bau eines Radschnellweges werden mit 75 Prozent gefördert – inklusive teurer Teilstücke wie Brücken oder Tunnels. Das heißt, von den geschätzten 25 Millionen Euro Baukosten für den 31,5 Kilometer langen Radschnellweg zwischen Stephanskirchen und Feldkirchen-Westerham blieben für Stephanskirchen nach dem Zuschuss nicht einmal eine halbe Million Euro Kosten über. Petra Schnell fragte nach dem Zeitrahmen. Die Vorplanung wird laut Sarsky bis Ende 2021/Anfang 2022 dauern, gebaut wird abschnittsweise: „Da, wo der Grund als erstes hergeht, fangen wir an.“ Frühestens 2024, „aber da bin ich skeptisch“, könne der Radschnellweg fertig sein. Margit Sievi (SPD) wollte wissen, was passiere, wenn ein Gemeinderat nicht mitziehe.

„Wenn‘s Feldkirchen-Westerham oder Stephanskirchen wäre, wäre es nicht so arg. Aibling oder Kolbermoor wären schlimmer“, antwortete Sarsky schmunzelnd und hatte die Lacher auf seiner Seite.

Bürgermeister Rainer Auer freute sich, dass sich die SUR in eine zukunftsorientierte Richtung bewege. Er sei „sehr happy“ über den Radschnellweg, es tue sich was. Ludwig Demberger (SPD) sprach von einem „Lichtblick-Projekt“.

Der Fahrrad-Beauftragte der Gemeinde, Frank Wiens, meinte, der Radschnellweg sei zwar nicht die Lösung für alles, aber ein großer Schritt nach vorne. „Ich finde die Idee einer selbstständigen Führung ganz stark“, so Wiens, der auf die vielen Nachbesserungen an der Salzburger Straße und am Schloßberg erinnerte, die die Situation nicht wirklich besser machten.

Signal an die anderen Kommunen senden

Robert Zehetmaier (Bayernpartei) hoffte auf einen einstimmigen Beschluss bei der Vergabe der Vorplanung – als Signal an die anderen SUR-Kommunen, die noch nicht abstimmten. „Zufrieden?“ fragte Sekunden später ein grinsender Bürgermeister und erntete Gelächter: Alle Räte hatten die Hand oben.

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