Riedering–Söllhuben – Vier Stunden lang war der Info-Markt der Deutschen Bundesbahn im Hirzinger in Söllhuben mit Karten, Infomaterial und vielen Gesprächspartnern zum Brenner-Nordzulauf geöffnet und bezeichnenderweise genau gegenüber auf den Parkplätzen vor dem Gasthof stand das Info-Zelt der Bürgerinitiative (BI) „Pro Riedering – brenna tuats“ im gleichen Zeitraum offen.
Und die Bürgerinnen und Bürger Riederings aber auch viele andere Interessierte aus der näheren Umgebung, schauten bei beiden Ständen vorbei, um sich umzusehen, sich zu informieren und zu diskutieren. Brigitte Englhart, Sprecherin der BI, erklärte am BI-Stand deren Sichtweise.
Voraussetzungen
nicht erfüllt
Sie zeigte auf die Fotomontagen, auf denen die potentiellen Trassenverläufe quer durch das Rinderiger Gemeindegebiet eingezeichnet waren. Laut Englhart seien „keine der drei notwendigen Voraussetzungen für ein drittes und viertes Neubaugleis erfüllt.“
So sei weder der Bedarf neuer Trassen nachvollziehbar nachgewiesen, der Nutzen der Maßnahme müsse deutlich die Kosten übersteigen und der Südzulauf müsse vergleichbare Kapazitäten haben. Auf einem Plakat war zu lesen, dass am Nordende der Strecke 558 Züge erwartet werden, am Brennerbasistunnel 400 und am Südende 250 Züge.
Dementsprechend deutlich wurden am Infostand der BI die Gegenstimmen zur geplanten dritten und vierten Trasse. „Rosenheim wird abgehängt“, „Wie kann es ein, dass unterschiedliche Zahlen am Nord- und Südende der Ausbaustrecke im Raum stehen?“ Und weiter: „Wetten wir, dass gleichzeitig zum Brenner-Nordzulauf auch noch die A 8 ausgebaut wird?“
Im Saal überwog die Neugier. Über ein Dutzend Fachplaner und Berater der Deutschen Bahn standen an großen Ausstellungswänden bereit, um über Projektgrundlagen, Geologie, Verkehr und Technik, Umwelt und Planungsablauf zu informieren und so für mehr Transparenz zu sorgen.
Ebenso wurden die fünf Trassen auf großen Postern dargestellt, wobei die Vertreter der Bahn hier stets wiederholten, dass dies die Grobtrassenplanung sei. Torsten Gruber, Projektleiter der DB, zeigte im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen die Trassen. Die teilweise recht kurvig verlaufenden Trassenverläufe seien der Beachtung der FFH-Gebiete wie beispielsweise am Inn oder am Simssee geschuldet. In Riedering sei der Ortsteil Holzen ein kritischer Punkt, ebenso die Querung der Kreisstraße RO 16.
Riedering hatte sich gegen Probebohrungen ausgesprochen. Bürgermeister Josef Häusler begründete das mit den Worten: „Nach wie vor ist das Problem der Bedarfsnachweis. Das ist wie David gegen Goliath.“ Er befürchte außerdem die Möglichkeit einer weiteren Abzweigung, einen Schwenk beim Nordzulauf in Richtung Salzburg. „Ab Ried wäre das doch optimal.“ Dem widersprach Alexander Buchner von der DB. Dies sei nicht Teil der Planung. Melanie Dangl aus Söllhuben erklärte knapp: „Ich habe Angst. Das geht in die Hose gegen unsere Heimat.“ Warum man weiterplane, obwohl die Bedarfsplanung fehle, das verstehe sie nicht. Draußen am Stand wurde ebenfalls diskutiert.
„Tunnel sind leere Versprechungen“
Die Tunnel seien leere Versprechungen, ein Ausbau der Bestandsstrecke käme billiger und sei schneller zu verwirklichen. Gemeinderatsmitglied Sebastian Hamberger meinte, dass die italienischen Häfen ausgebaut gehörten.
Da könnten die Schiffe schneller nach Hamburg fahren, als wenn über Genua Waren auf die Bahn verladen werden müssen, die dann über den Brenner wieder nach Deutschland kommen.
Heinrich Dhom meinte, dass er viel mehr Widerstand erwartet hätte: „Da müsste eigentlich jeder aufstehen.“ Martina Bühler-Karsubke aus Riedering sah die Heimat in Gefahr: „Die Gefühle der Menschen werden nicht beachtet. Es geht doch um unsere Heimat.“