Brannenburg – Wie lange ist ein Ei haltbar? Wann schmeckt es am besten? Und was ist los, wenn ein Ei zwei Dotter hat? Wer es nicht weiß, aber gerne wissen will, kann das Kinder aus der Maria-Caspar-Filser- Grundschule in Brannenburg fragen. Dort fand nämlich ein Landwirtschaftstag statt, organisiert von den Bauern im Dorf, bei dem die Kinder nicht nur alles über „Huhn und Ei“, sondern auch sonst jede Menge Wissenswertes zum Thema Landwirtschaft erfuhren.
Tiere erleben,
spüren und fühlen
Die Idee zu der Veranstaltung hatten fünf Bäuerinnen aus dem Ort, die das Gefühl hatten, selbst in einem vergleichsweise ländlichen Ort wie Brannenburg wüssten die Kinder zu wenig von der Landwirtschaft. „Natürlich sehen sie bei uns noch Kühe auf der Weide und immer wieder einen Traktor durch den Ort fahren“, sagt Birgit Eggersberger, eine der fünf Initiatorinnen, „aber Genaueres wissen sie nicht“. Vor allem: „Das, was sie wissen, ist oft theoretisch, es fehlt das unmittelbare Sehen, Spüren, Fühlen, Anfassen“.
Um beim Ei und Huhn zu bleiben: Den Begriff Freilandhaltung zu kennen, ist das eine, einmal ein Huhn zu streicheln, das andere. Für die Kinder, die bei der Veranstaltung nicht nur Huhn Berta kraulen durften, sondern sogar Küken in der Hand hielten, ist ein Huhn seither kein abstrakter Begriff mehr. Es ist ein Lebewesen. Und das Ei ein Lebensmittel.
Ums Anfassen, Fühlen und Anschauen ging es auch bei den anderen sechs Stationen des Landwirtschaftstages. Rund 25 Bauern aus Brannenburg und Umgebung beteiligten sich samt etlichen Tieren und einem Fahrzeugpark. Sie vom Mitmachen zu überzeugen, war nicht schwer, wie Claudia Steer, Mitorganisatorin der Veranstaltung, erzählt. Im Gegenteil: Kaum war die Idee geboren, habe sie sich zum Selbstläufer entwickelt. Auch die Leiterin der Grundschule, Alexandra Mayr, war von Anfang an begeistert von der Idee, Zusammenhänge rund um das Thema Landwirtschaft erlebbar zu machen.
Auf diese Weise lernten die Kinder nicht nur, warum auf den Feldern immer wieder große Plastikbälle liegen. Sie konnten auch fühlen, wie sich die Silage darin anfühlt, und erschnuppern, dass diese ein bisschen wie Sauerkraut riecht. Sie sahen an einem gebastelten Schaubild einer Kuh mit aufklappbarem Bauch, welchen Weg das Futter in der Kuh nimmt und standen schließlich einem Gülleanhänger gegenüber. Auch das wurde an diesem Tag klar: Wer von der Kuh die Milch trinken will, muss auch mit dem umgehen können, was bei ihr hinten herauskommt. Der Milch war sogar eine eigene Station gewidmet. In einer Schulküche konnten die Kinder aus Sahne „Butter erschütteln“, die sie, mit Kräutern verfeinert, auf selbst gebackenem Brot aßen.
Fazit: Für die Kinder war der Tag ein Abenteuer, den Lehrern half er, ihren Unterricht greifbar zu gestalten und den Bauern aus Brannenburg, sich selbst und ihre tägliche Arbeit näher vorzustellen. Claudia Steer hofft nun auf die Kinder als Multiplikatoren. „Über die Bedeutung von regionalen Lebensmitteln und über die Bemühungen von ökologischer Landwirtschaft kann man endlos schreiben, der Effekt bleibt meist leider gering. Wenn aber jemand davon erzählt, der dazu selbst etwas erlebt hat, so wie heute die Kinder, dann hat das eine ganz andere Wirkung“.
Übrigens: Eier sind gut vier Wochen haltbar, am besten schmecken sie acht Tage nach dem Legen – und Eier mit zwei Dottern stammen oft von jungen Hühnern, die erst dabei sind, ihren Legerhythmus zu finden.