Aschau – „Zum ersten Mal haben Bergbauern und Naturschutz beim „Sachranger Bergbauernmodell“ Hand in Hand eng zusammengearbeitet“, erklärte Markus Höper, der Projektleiter des „Bergbauernmodells Sachrang“. Er gab einen Zwischenbericht vor dem Aschauer Gemeinderat kurz vor dem Abschluss des Projekts. „In den fünf Jahren haben wir uns gut zusammengerauft, einer hat vom anderen gelernt und miteinander können wir voller Stolz auf das Ergebnis blicken“.
Projekt läuft
seit dem Jahr 2015
In Sachrang, dem südlichen Teil der Gemeinde Aschau, läuft seit dem Jahr 2015 ein Projekt für das obere Priental, in dem Naturschutz und Berglandwirtschaft modellhaft zusammenarbeiten: das Bergbauernmodell Sachrang. Mit umfangreichen Aktionen haben die Bergbauern auf ihr Anliegen aufmerksam gemacht. Im März 2016 stellten sie ihr Projekt bei der EU in Brüssel vor, im vergangenen Jahr überzeugte sich Regierungspräsidentin Maria Els von der Qualität der Arbeit auf den Almen.
Das Projekt soll nach fünfjähriger Laufzeit im Frühjahr 2020 abgeschlossen werden. Ob es zu einer Verlängerung kommt und ob weitere Teile der Almgebiete der Gemeinde Aschau in das Projekt eingebunden werden können, sei bisher nicht vorhersehbar, so Markus Höper. Die bisherigen Erfahrungen der Arbeit miteinander würden eine Verlängerung des Bergbauernmodells empfehlen.
Die Chiemgauer Almlandschaft ist von Menschenhand gemacht und nicht von Natur aus so entstanden. Bergbauern, Senner und Hirten haben durch ihre Arbeit und durch die Beweidung mit Nutztieren das Erscheinungsbild des bayerischen Alpenraums geprägt. Sie sorgen dafür, dass die Kulturlandschaft im Berggebiet erhalten bleibt, dass die Flächen offen bleiben und somit die natürlichen Lebensgrundlagen für eine einzigartige Artenvielfalt zahlreicher Tiere und Pflanzen gewährleistet sind: „Gäbe es keine Almwirtschaft, wären die Berge bei uns nahezu voller Wälder“.
Artenvielfalt
durch Almwirtschaft
Artenvielfalt und Landwirtschaft schließen sich somit nicht aus. Im Gegenteil, eine intakte Almwirtschaft ist sogar die Voraussetzung für die besondere Artenvielfalt auf den Almen.
Im knapp 40 Quadratkilometer großen Projektgebiet bestehen wegen der traditionellen Landwirtschaft aus naturschutzfachlicher Sicht hochwertige Lebensraumtypen mit einem Vorkommen zahlreicher gefährdeter Pflanzen- und Tierarten.
Diese wertvollen Flächen unterliegen jedoch zahlreichen Beeinträchtigungen: das Kernproblem ist der Rückgang der Bewirtschaftung durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft. Ein Beispiel dafür ist die Unterbeweidung von Almen und Talflächen, auf denen es zunehmend zur Verbuschung kommt. Auf zahlreichen talnahen Flächen westlich von Sachrang hat der Adlerfarn die bisherige Vegetation weitgehend verdrängt. Wo früher artenreiche Magerweiden waren, findet sich nun ein artenarmes, eintönig wirkendes Adlerfarn-/Brombeerengebüsch.
Naturschutz sieht Handlungsbedarf
Aus naturschutzfachlicher Sicht besteht deshalb ein hoher Handlungsbedarf, langfristig eine nachhaltige Sicherung der Biodiversität durch eine angepasste Pflege der Almen, Heimweide- und Feuchtflächen zu sichern, zu fördern und entsprechende Maßnahmen für eine Pflege zu etablieren. Die Erfahrungen sollen mit weiteren Grundbesitzern und Bewirtschaftern ausgetauscht und weiterhin optimiert werden.
Seit dem Beginn der Arbeiten im Jahr 2015 haben die Landwirte in Zusammenarbeit mit dem Projektbetreuer viele Maßnahmen durchgeführt, die zur Verbesserung beigetragen haben: Das wichtigste dabei war das Mähen der Adlerfarnflächen und die Entbuschung von Buckelwiesen und Talhängen sowie die Entfernung des Gehölzaufwuchses auf Almflächen und Talweiden durch Schwenden. Zu Hilfe kamen den betroffenen Landwirten und Almbauern dabei spezielle Maschinen für den Bergeinsatz und eine Herde Ziegen, die sich mit den Brombeeren beschäftigte. Mit der Errichtung mobiler Weidezäune für das Weidevieh wurde eine gleichmäßige Beweidung aller Flächen erreicht, das Mähen der Streuwiesen im Herbst sorgte dafür, dass auch „die Kleinen“ wieder an genügend Licht kamen.
Während in den Tallagen und im Alpenvorland die Artenvielfalt immer weiter zurückgeht, beherbergen die Almen im Sachranger Gebiet mit dem westlichen Teil des Naturschutzgebietes Geigelstein noch eine außergewöhnliche Vielfalt. „Um nur ausgewählte Zahlen zu nennen: Im Raum Sachrang finden sich knapp 90 Pflanzenarten und knapp 50 Schmetterlingsarten der Roten Liste Bayern. Dazu kommen die vom Aussterben bedrohten Vogelarten Auerhuhn und Birkhuhn sowie einige stark gefährdete Vogelarten“, so Höper. Die biotopgerechte Bewirtschaftung der Almen hilft die Vielfalt zu erhalten.
Bis zum Projektende im Winter 2019/2020 will man noch viel erreichen in Sachen Landschaftspflege und Beweidungsmanagement, aber auch in der Öffentlichkeitsarbeit, im fachlichen Austausch und in der Vermarktung lokaler landwirtschaftlicher Produkte.