Wasserburg-Reitmehring – Die zahmen Reitmehringer Wanderratten sind gerettet. Sie leben nun auf einem Gnadenhof in Brandenburg. Das Landratsamt Rosenheim hatte nach einer Begehung eines Kellers in Reitmehring einen Amtsbescheid erlassen und einem Tierfreund vier Wochen Zeit eingeräumt, die Nager loszuwerden. „Da durch Wildratten grundsätzlich Krankheitserreger auf den Menschen übertragen werden können, ist eine Gesundheitsgefahr der Bevölkerung nicht auszuschließen“, so Michael Fischer von der Pressestelle.
Tierfreund hat Ratten-Erfahrung
80 zahme Wanderratten hatte der 34-jährige Student im Untergeschoss beherbergt. Bis es der Nachbarin zu bunt wurde und sie die Behörden verständigte.
Der Mann, der Philosophie, Anthropologie und Psychologie studiert, hatte eigenen Angaben zufolge die Wildratten jedes Jahr in den Sommermonaten wegen der Nähe zu einem Erdbeerfeld weggefangen, sie vorübergehend in seinem Keller gehalten und sie dann am Waldrand wieder ausgesiedelt. „Das mache ich jedes Jahr, sonst hätten wir hier Tausende Ratten“, sagte er im Juli im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung.
Der Mann hat Erfahrung mit Ratten: Im Zuge eines tierärztlich begleiteten Langzeitbeobachtungsexperiments hatte er die Entwicklung von Farbratten und ihr Sozialverhalten studiert. Seine Gäste, die Wanderratten, aber waren einer Nachbarin ein Dorn im Auge. „Der lässt sie nachts raus und dann zerstören sie meinen Garten“, hatte sie geschimpft.
Nach der Begehung durch die Vertreter des Staatlichen Gesundheits- und Veterinäramtes Rosenheim, der Stadt Wasserburg sowie durch den Hauseigentümer und den Mieter des Hauses (Halter) sollten die Ratten weg. Der Tierfreund war geschockt, als eine Tötung der Tiere durch einen Schädlingsbekämpfer im Raum stand. Nun konnte er eine Lösung finden. Die Nager leben jetzt in Brandenburg auf einem Gnadenhof.
Ratten kommen
nach Brandenburg
Mit Futter hat ein staatlich geprüfter Schädlingsbekämpfer die 80 Ratten aus den Kellerräumen gelockt und gefangen. „Derzeit ist der Keller verschlossen. Ratten, die sich dort möglicherweise noch aufhalten, können die Räumlichkeiten nur über eine Lebendfalle verlassen“, erklärt Fischer von der Pressestelle des Landratsamtes. „Der Unrat im Keller wird beseitigt und alle noch in der Lebendfalle gefangenen Tiere sollen zeitnah ebenfalls auf den Gnadenhof in Brandenburg gebracht werden. Um Vergleichbares in Zukunft zu vermeiden, werden den Mietern das gezielte Füttern und Beherbergen von Ratten untersagt. Das Gesundheitsamt wird die Einhaltung der Auflagen überwachen“, so Fischer.