Vier Vereine, vier Heime – muss das sein?

von Redaktion

Gemeinderat Riedering Grundsatzdebatte nach Zuschussantrag der Söllhubener Schützen

Riedering – Die Schützengesellschaft Söllhuben ist heimatlos. Zumindest vorübergehend. Ihren Schießstand mit Aufenthaltsraum im Dachgeschoss vom Hirzinger dürfen die Schützen gerade nicht benutzen. Der zweite Fluchtweg fehlt. Und weil der Hirzinger unter Denkmalschutz steht, ist der Aufwand hoch, erklärt Gottfried Bauer, der Vorsitzende der Schützengesellschaft Söllhuben (SGS).

Außerdem ist da ja noch der Brandschutz, der mit dem Denkmalschutz nicht immer Hand in Hand geht. „Eine Betontreppe vom Dach in den ersten Stock darf es nicht werden“, so Bauer. Rund 50000 Euro werden die Schützen wohl investieren müssen, damit sie ihren Schießstand wieder nutzen können. Zu viel für den Verein. Die Gemeinde soll oder muss helfen.

Vorläufiger Fluchtweg reicht nun nicht mehr

Im Gemeinderat entzündete sich am Antrag der SGS die Debatte, ob denn wirklich jeder Schützenverein in der Gemeinde sein eigenes Domizil haben müsse. Bürgermeister Josef Häusler (Wählergemeinschaft Söllhuben, WGS) hatte den Antrag in der jüngsten Gemeinderatssitzung vorgestellt: Die SGS habe 1994 auf eigene Kosten einen Schießstand mit Aufenthaltsraum im zweiten Stock des Gasthauses Hirzinger ausgebaut und zwischenzeitlich sogar nach einer Sperrung aus Brandschutzgründen einen vorläufigen Fluchtweg eingerichtet. Nun aber sei die „Errichtung eines aller Vorschriften entsprechenden Fluchtweges mit Notausgangstreppen notwendig“, da es sich hier um einen Schießstand mit Aufenthaltsraum handelt. Der Hauseigentümer werde, so das Schreiben, die Kosten nicht übernehmen, sichere aber eine langfristige Nutzungserlaubnis für die Räume im Dachgeschoss zu.

Dr. Georg Kasberger (CSU) befand das Schießen als „förderungswürdigen Sport“, aber vier Schützenvereine auf Gemeindegebiet weiter zu erhalten, sei „angesichts der gestiegenen Auflagen nicht weiter durchzuhalten“. Langfristig forderte er einen Standort, man solle hier Gespräche mit allen Vereinen suchen.

Michael Teubner (Wählerunion Söllhuben) widersprach dem: „Ganz so einfach sehe ich das nicht.“ Das Feuerwehrhaus Neukirchen, das auch für den dortigen Schützenverein Platz biete, sei immer noch in der Planungsphase. Er fügte hinzu, dass die SGS den einzigen Schießstand mit zehn Metern für das gesamte Gemeindegebiet Riedering biete. Klaus Angerer (WGS) und Dominik Summerer (CSU) wollten langfristig den Stand in Söllhuben erhalten, Sebastian Niedermaier (Freie Wählergemeinschaft Riedering, FWGR) hingegen eine „momentane Lösung“. Denn: Der Standort Neukirchen dauere noch und bei einem einzigen Standort „müssen sich die Vereine untereinander grün sein …“ Häusler stieß ins gleiche Horn: „Das können wir nicht aufdiktieren, auch wenn das finanziell das Beste wäre.“ Josef Loferer (FWGR) warf ein, dass die Gemeinde damit in ein privates Gebäude investiere, wenngleich auch er einen Fortbestand favorisiere. Sebastian Hamberger (WGS) sprach sich dafür aus, dass die Vereine möglichst vor Ort die Möglichkeit zum trainieren haben sollten, forderte aber auch Einsichtnahme in die Pläne. Ein Fluchtweg komme seiner Ansicht nicht so teuer. Richard Mühlbauer (Freie Bürger Pietzing) betonte, dass die Vereine „viel wert“ seien. „Eine echte Kostenplanung durch einen Architekten“ sei nötig, auch wenn die SGS Eigenleistung versprochen habe.

Kostenteilung mit dem Wirt fällt aus

Maik Hirthe (WGS) warf ein, dass Söllhuben kein Vereinsheim habe, sondern beinahe alles beim Wirt stattfinde. Marianne Loferer (CSU) hakte deshalb nach, ob man nicht doch eine Kostenteilung mit dem Wirt erreichen könne. Teubner zufolge konsumiere man hierfür zu wenig. Angerer versprach ein „Maximum an Eigenleistung“, schließlich habe man bislang auch alles selbst gemacht.

Häusler beendete die Diskussion: Man werde mit allen Beteiligten noch einmal Gespräche führen, eventuell könne die SGS auch Spenden sammeln. Als absolute Obergrenze für einen Baukostenzuschuss nannte er die beantragten 40000 Euro, dem sich bis auf drei Gegenstimmen quer durch alle Fraktionen die anderen 14 Gemeinderäte anschlossen.

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