Obing – Die Baumaßnahmen zur Obinger Ortsumfahrung laufen derzeit auf Hochtouren. Bei einem vom CSU-Ortsverband organisierten Besichtigungstermin informierten sich viele Bürger über die Baufortschritte. Die Vollsperrung der B304 dauert voraussichtlich noch bis zum 23. September, dann könnten erste Teilbereiche an den Verkehr übergeben werden.
„Wir sind voll im Kosten- und Zeitrahmen“, erklärte der leitende Baudirektor des Straßenbauamts Traunstein Christian Rehm den geschätzt über hundert Schaulustigen, die auf Einladung des CSU-Ortsverbands zum Baustellenlager westlich vom Golfplatz gekommen waren, um sich aus erster Hand über die Baufortschritte zu informieren. Sie interessierten sich vorwiegend für den aktuellen Ausführungsstand, dafür, welche Arbeiten derzeit ausgeführt werden und für die geplanten Geh- und Radwege sowie die Situierung von Buswartehäuschen.
Kein Bodenaustausch notwendig
Schon häufiger geäußerte Bedenken, dass im Baufeld schlechter Boden mit zu hohem Lehm- und zu wenig Kiesanteil verwendet worden sei, konnten entkräftet werden. Laut Staatlichem Bauamt wäre ein Bodenaustausch beispielsweise im Bereich des neuen Kreisels unwirtschaftlich. Stattdessen werde in diesem Bereich der Boden mit entsprechenden Maßnahmen verbessert und stabilisiert. Die Tragfähigkeitswerte würden vor dem Weiterbau kontrolliert. „Es läuft gut“, betonte Rehm.
Die anvisierten Kosten in Höhe von 16,2 Millionen Euro für die 4,7 Kilometer lange Ortsumfahrung samt notwendiger Anpassung von 3,3 Kilometer Bestandsstraßen an die neue B304 und auch der Fertigstellungstermin Ende 2020 würden nach derzeitigem Stand wohl eingehalten. Darüber hinaus sei das Straßenbauamt aber noch mit weiteren Großprojekten in der Region beschäftigt. Der Aubergtunnel in Altenmarkt könne wohl Ende 2020 in den Probebetrieb gehen und derzeit erfolgten im Rahmen des zweiten Bauabschnitts wesentliche Schritte zur Erstellung der Unterlagen für das Genehmigungsverfahren. In Trostberg liege der genehmigte Vorentwurf vor, doch derzeit liege die Priorität auf Altenmarkt. Für die angestrebte Entlastungsspange in Seebruck werde derzeit ein Maßnahmenkatalog erarbeitet. Aufgrund der Nutzungsdauer der Brücke bestehe Handlungsbedarf, doch es sei keine schnelle Gesamtlösung in Sicht. Deshalb soll das Bauwerk entsprechend übergangsweise saniert werden. Derzeit gebe es noch keine festgelegte Trassenführung. Dafür müssten erst konfliktarme Korridore gefunden werden und das werde wohl noch einige Jahre dauern, so Rehm.
Ausgleichsfläche
für den Kiebitz
Obing sei dagegen ein sehr angenehmer Termin, bemerkte der leitende Baudirektor. Die Ortsumfahrung sei schon seit Beginn des planungsrechtlichen Verfahrens ein „Turboprojekt“. Nach dem offiziellen Spatenstich im Juli 2017 sei sofort mit dem ersten Brückenbauwerk in Pfaffing begonnen worden. Daneben seien die aufwendige Bauvorbereitung mit Planungsleistungen und Auftragsvergaben erfolgt und Grunderwerb und Ausgleichsmaßnahmen realisiert worden. Nun nehme die Trasse Gestalt an.
Vor allem die naturschutzfachlichen Aufgaben im Offenlandbereich der Wiesen und Felder hätten Zeit erfordert, ergänzte Bauoberrat Peter Maltan. So habe man eine Ausgleichsfläche für den Kiebitz schaffen müssen und erst nach einer zeitlichen Auflage von einem Jahr mit den Bauarbeiten beginnen dürfen. Ebenso hätten Waldausgleichsflächen geschaffen werden müssen – in diesem Fall rund um das Loch 9 des benachbarten Golfplatzes. „Der schonungsvolle Umgang mit Ressourcen war ein großes Ziel“, erklärte Maltan. Deshalb habe man die Arbeiten am Aubergtunnel abgewartet und von den 60000 Kubikmetern Kiesmaterial etwa 12000 Kubikmeter auf dem rund 1,4 Kilometer langen Teilstück bis zur Brücke wiederverwendet.
Ein wenig Zeit hätten auch die archäologischen Untersuchungen gebraucht, die in dem Bereich einen römischen Gutshof vermuteten und letztlich östlich der Brücke Schalkham auch eine römische Brandstätte offenlegten. Seit 19. Mai werde nun mit Hochdruck gearbeitet und die Erdbauarbeiten, die derzeit im südöstlichen Bereich Obings stattfänden, lägen voll im Plan, resümierte Maltan.
Dazu sei die Vollsperrung absolut notwendig. Kleines Detail am Rande: In Obing werde die Umgehungsstraße streckenmäßig kürzer als die bisherige B 304 durch den Ort. Konkret laufen die Bauarbeiten aktuell im Bereich von Neustadl, Hochbruck beziehungsweise im Bereich der Anbindung des Ortsteils Kleinornach. Hier entstehen auch der Kreisverkehr sowie die neue Anbindung der Staatsstraße 2094 aus Richtung Seeon/Seebruck an die neue B304. Die bestehenden Einmündungen werden entsprechend umgebaut. Die neue Straßenführung wird an die bestehende B 304 angepasst. Am östlichen Bauanfang entsteht zur Böschungssicherung noch ein Steinversatz als Stützmauer.
Ab Ende September ist dann vorgesehen, dass der Verkehr über die neuen Teile der Ortsumfahrung Obing geführt wird.
Unterschriftenlisten belegen Leidensdruck
Dr. Peter Ramsauer, der in seiner Zeit als Bundesverkehrsminister mit dem vorzeitigen Planungsrecht 2009 den Startschuss für die Obinger Ortsumfahrung gegeben hatte, zeigte sich mit dem bisherigen Ergebnis ebenfalls zufrieden. Vom Interesse der Bürger war er begeistert. Er habe mit etwa zehn Teilnehmern gerechnet und über hundert seien gekommen. Das zeige die Bedeutung der Umgehung für den Ort.
Ab 2005 sei er immer wieder auf die Verkehrsbelastung der Obinger angesprochen worden. Unterschriftenlisten hätten den Leidensdruck belegt. Er habe damals seine Unterstützung für eine Ortsumfahrung zugesagt und nicht zu viel versprochen. Nach seinem Amtsantritt habe er das Planungsrecht erteilt und trotz Turboplanung dauere es elf Jahre bis zur Fertigstellung. Das zeige, wie schwerfällig Planungsrecht sei, trotz des legitimen Interesses der Bürger. Über 50 Grunderwerbsverhandlungen hätten geführt werden müssen und ein Klageverfahren sei angestrebt, letztlich aber zurückgezogen worden. „Doch wenn der gute Wille da ist, dann ist die Sache zum Erfolg verdammt“, betonte Ramsauer.
Nun böten sich dem Ort tolle städtebauliche Möglichkeiten. „Obing wird ein wunderbarer Ort mit riesigen gestalterischen Möglichkeiten.“