Bad Endorf – „Ich glaub‘s erst, wenn sie wirklich da sind“, habe sie gedacht, gesteht Leonhard „Hartl“ Doblers Tochter. Der 99-jährige Dobler hatte sich bei einem Sturz den Oberschenkelhals gebrochen. Und er wollte definitiv nicht in eine Reha-Klinik. Seine Familie hatte aus der Vergangenheit die viele Fahrerei bei ambulanter Reha noch in schlechter Erinnerung und war begeistert von dem Vorschlag, „mobile geriatrische Rehabilitation“, genannt MoGeRe, zu beantragen. Seit vier Wochen kommen die beiden Therapeuten abwechselnd drei oder viermal pro Woche ins Haus, „Treppen steigen kann ich schon wieder“, sagt Hartl Dobler.
Ministerin ist Fan
der MoGeRe
Es sind Geschichten wie die von Hartl Dobler, die Staatsministerin Melanie Huml begeistern. Die MoGeRe sei ihr ein großes Anliegen, weil sie den Patienten helfe, möglichst lange selbstständig zu bleiben. Der Vorteil: Das Team kommt nach Hause, „kann dort im Alltag auch sehen und aufzeigen, was möglich oder nötig, was zu tun und was zu meiden ist“, so die Ministerin für Gesundheit und Pflege. Bei Hartl Dobler funktioniert es: Bett erhöhen, hier oder da Griffe anbringen – wird gemacht, schließlich will Hartl Dobler 100 werden. Zuhause.
Die MoGeRe in Bad Endorf ist die zweite in Oberbayern, die erste in der Region. Vor einen Jahr entstand die Idee, bei einer zweitägigen Klausur auf der Fraueninsel, wo die Mitarbeiter der Geriatrie wilde Ideen spannen, wie sich Christine Wagner, die Geschäftsführerin der Simssee-Klinik, erinnert. Seit drei Monaten sind Dr.Martin Weiner, Madeleine Zeitler, die Therapie-Chefin der Simssee-Klinik und ihr Team aus Ärztin, Logopädin, Ergo- und Physiotherapeuten im Einsatz. „Und sie strahlen immer“, sagt die Geschäftsführerin. Ministerin Huml hat für dieses Strahlen viel Verständnis: Es sei natürlich für die Therapeuten ausgesprochen befriedigend, wenn sie die Freude im Gesicht eines Patienten sehen, der wieder Treppen steigen, selber aus dem Bett aufstehen und sich selber versorgen kann.
Angesichts der demografischen Entwicklung sei es im Gesundheitswesen extrem wichtig, sich zu überlegen, welche Bausteine für die Menschen wichtig seien, so Huml. Die MoGeRe gehöre sicher dazu. Ihr Ministerium könne nur für die Anschubfinanzierung sorgen – und tut dies auch –, für die laufenden Kosten seien die Krankenkassen zuständig, schrieb sie deren Vertretern bei der offiziellen Eröffnung der MoGeRe ins Stammbuch.
Die Finanzierung war das Schwierigste
Die Finanzierung der MoGeRe auf die Beine zu stellen sei so mit das Schwierigste an dem Projekt gewesen, so Dietolf Hämel, Vorstandsmitglied der Gesundheitswelt Chiemgau (GWC). Das Projekt habe ihm von Anfang an gefallen, denn für seine Oma sei MoGeRe ideal gewesen, so Hämel, nur habe es dieses Angebot damals noch nicht gegeben. Für ein mittelständisches Unternehmen wie die GWC sei es wichtig, den demografischen Wandel im Auge zu behalten, darauf zu reagieren. Schließlich steige der Anteil der Ü65 an der Bevölkerung in den nächsten 15 Jahre um knapp 30 Prozent an. Da müssten Medizin und Pflege reagieren.
Riesenschritt für Patienten und GWC
Doris Laban, stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der GWC und Bürgermeisterin von Bad Endorf, konnte wie Hämel auf familiäre Erfahrungen – in ihrem Fall mit der Mutter – verweisen. Ja, es sei Zeit, dass auf die demografische Entwicklung reagiert werde, aber der GWC-Vorstand arbeite sehr vorausschauend und bringe Patienten wie die GWC mit diesem Angebot einen Riesenschritt voran.