Männerchor Reisach singt seit 100 Jahren

von Redaktion

Oberaudorf: Festprogramm zum Jubiläum am kommenden Sonntag

Oberaudorf – Vor 100 Jahren gründete sich der Männerchor Reisach – Anlass für ein großes Fest am Sonntag, 18. August.

Die Feierlichkeiten beginnen um 10.15 Uhr mit einem Festgottesdienst in der Klosterkirche Reisach. Der Männerchor und das Kammerorchester Reisach werden die „Missa brevis in d-Moll“ von Wolfgang Amadeus Mozart aufführen. Die Messe gehört zu den jenen vier, die Mozart im Alter von zwölf Jahren in 1768/69 komponierte. Zudem wird das „Te Deum II“ von Franz Liszt, der Hymnus „S. Ambrosinii et Augustini“ in der Ausgabe für Männerchor und Orgel zu hören sein.

Hier sangen nur Patres und Frates

Danach ist ein Empfang im Refektorium des Klosters oder bei optimaler Witterung im landwirtschaftlichen Klosterhof geplant. Dabei werden Ehrungen langjähriger Sänger erfolgen und eine Fotoausstellung zu sehen sein. Musikunterhaltung und Bewirtung sind vorgesehen.

Bis zur Gründung des Männerchores Reisach im Jahre 1919 sangen im Kloster Reisach die Patres und Fratres des Karmelitenordens bei Gottesdiensten und kirchlichen Festen. Meist waren dies lateinische Weisen. Aus dem im Jahre 1919 durch Lehrer Sturm in Niederaudorf gegründeten Cäcilienverein entwickelte sich auf Initiative von Sebastian Zaglacher (Lamplbauer in Agg) und Michael Gruber (Schmied von Niederaudorf) ein vierstimmiger Männerchor.

Ein Fast-Blinder mit

feinem Musikgehör

In der Brechstube der Lampl-Mühle in Agg fanden die Proben statt. Zur Tonfindung stand dort auch ein altes Klavier. Bald gelang es dem Männerchor, den Oberaudorfer Konrektor Stempfle als Dirigenten zu gewinnen. Dieser war fast blind, hatte aber ein äußerst feines Musikgehör. Er hörte jeden falschen Ton, klatschte bei den Proben sehr oft ab und zeigte dann mit dem Finger auf den betreffenden Sänger.

Karmelitenpater Norbert Schreiner gründete im Oktober 1932 im Kloster Reisach eine Singschule. Knaben aus Niederaudorf, Oberaudorf und Kiefersfelden erhielten gesangliche Ausbildung. Zehn Buben waren es zu Anfang und schon 1936 zählte der Chor 60 Sängerknaben.

Fünf Knaben stiegen zu Domspatzen auf

Den Aufstieg zu den Regensburger Domspatzen schafften damals fünf Buben der Reisacher Singschule. Ziel war für Pater Norbert, aus der Knabenschar nach dem Stimmbruch tüchtige und schöne Männerstimmen zu bekommen. Um die große Sängerschar auf der Orgelempore der Klosterkirche unterzubringen, war ein Umbau zur Vergrößerung notwendig. 1935 war die Neugestaltung der Orgelempore vollendet. Einberufungen zur Wehrmacht schon in Friedenszeiten und der Krieg ließen den großen Chor auseinanderfallen.

Da der Zugang zur Orgelempore der Klosterkirche nur über die Klausur möglich war, war der Zutritt zu diesem abgeschlossenen Gebäudeteil nur männlichen Besuchern erlaubt. Heute sind Orgelchor und Zugang keine Klausur mehr.

Nach Kriegsende belebte Martin Schäffler den Männerchor als Organist und Chorleiter. Schon Pater Norbert hatte Schäffler 1936 in den Knabenchor geholt und ihn an der Kirchenmusikschule in Regensburg ausgebildet. An Sonn- und Feiertagen sang der Männerchor beim Hauptgottesdienst eine Messe, in der Regel eine lateinische Komposition. Bei Hochfesten des Ordens und des Kirchenjahres führte der Chor große Orchesterwerke mit heimischen Musikern auf.

Streicher und Bläser

begleiten den Chor

Für die Proben im Kloster-Refektorium wurde jetzt ein neuer Konzertflügel angeschafft. Bei Orchestermessen stehen dem Männerchor Begleitmusiker zur Verfügung: Musiker aus der näheren Umgebung, sowohl als Streichensemble als auch als Bläserchor. Neben der Gestaltung von Sonntagsmessen wagte sich der Männerchor an die Durchführung von Kirchen- und weltlichen Konzerten heran. Und: Die Chormitglieder halfen auch bei Renovierungsarbeiten im landwirtschaftlichen Klosterhof, im Gartenpavillon sowie am Marienbrunnen vor dem Kirchenportal.

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