„Störche“ haben 3500 Kinder gemacht

von Redaktion

Hinter den Kulissen des einzigen Kinderwunschzentrums südlich von München

Prien – Sie nennen sich selbst die „Störche von Prien“. Nicht ohne Grund: 3500 Kinder sind in ihren Räumen schon gezeugt worden. Dr. Susann Böhm und Dr. Angelika Stachl leiten das Kinderwunsch Centrum Chiemsee. Es ist die einzige Praxis zwischen München und Salzburg, in der kinderlose Paare mit medizinischer Hilfe doch Eltern werden können.

Am Tag der offenen Tür zum internationalen Tag des Wunschkinds begleiteten die beiden Chefärztinnen die Chiemgau-Zeitung bei einer exklusiven Führung durch die Räume in der Hochriesstraße 21 (über der Post).

Etwa 1000 Menschen werden dort jedes Jahr behandelt. „Wir helfen nur mit, damit aus Paaren Familien werden können“, umschreibt Böhm die sensible Aufgabe ganz plakativ. Überhaupt: Alle 20 Mitarbeiter gehen bei den Führungen ungezwungen mit dem sensiblen Thema um.

Und doch: Es ist eine besondere Praxis. Das wird einem schon im ersten Raum bewusst. In der Kabine für Männer liegen einschlägige Magazine bereit und an den Wänden hängen großformatige Bilder von barbusigen Frauen.

Ein paar Schritte weiter ist ein Operationssaal, dessen Behandlungsstuhl Frauen von ihrem Gynäkologen bekannt vorkommt. Bis zu 40-mal im Monat werden hier Eizellen entnommen. Um die Termine für die OPs planen zu können, werden die Frauen mit Hormonen behandelt.

In der Regel finden sich die Eizellen ein paar Stunden später bei Marcello Maremonti im Labor wieder. In speziellen Flüssigkeitslösungen in Petrischalen bringt er zusammen, was zusammengehört: Eizellen und Spermien. Dann müssen die Paare hoffen, dass es klappt. Bei Frauen bis Mitte 30 liegt die Erfolgsquote laut Böhm bei 40 Prozent, ab diesem Alter sinkt sie recht schnell. „Viele Frauen sind aktiv und sportlich, aber biologisch eben doch schon 40“, weiß die Chefärztin nur zu gut, dass nicht wenige Paare lange warten und vieles probieren, bevor sie sich medizinische Hilfe für ihre Kinderwunsch holen. Die Priener Spezialistinnen versuchen dann in Vorgesprächen und mehreren Untersuchungen den „perfekten Moment“ vorzubereiten, in dem die Chance am größten ist. „Der Zyklus ist unsere Bibel““, sagt Böhm.

Dass es oft gelingt, erfolgreiche Voraussetzungen zu schaffen, davon zeugen viele Bilder glücklicher Familien oder von strahlenden Kindern an den Wänden. Böhm und Stachl sind sogenannte Reproduktionsmedizinerinnen mit mehrjähriger Zusatzausbildung.

Die Fachausdrücke für die verschiedenen Verfahren, die in Broschüren erläutert sind, tragen extrem sperrige Namen dafür, dass sie doch ein freudiges Ereignis einleiten sollen: Es gibt intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) oder intrauterine Insemination (IUI). In der Regel müssen kinderlose Paare, die vom Haus- oder Frauenarzt überwiesen werden, die Hälfte der Kosten aus eigener Tasche zahlen, rund 1500 Euro.

Zwischen OP und Labor lagern liegt hinter einer unscheinbaren Tür ein ganz besonderes Lager. In vier kniehohen Behältern mit massivem Metallmantel lagern 350 befruchtete Eizellen und 150 Samenspenden. Es kommt gar nicht so selten vor, dass sich zum Beispiel Frauen vor einer Chemotherapie Eizellen entnehmen lassen, nennt Lanzl einen nachvollziehbaren Grund, warum Patienten ihr Fortpflanzungsmaterial hier professionell einfrieren lassen. Die Praxis muss viele Auflagen erfüllen und noch mehr dokumentieren ,die Sicherheitsstandards für künstliche Befruchtungen sind sehr hoch. Manche Unterlagen sollen über 100 Jahre lang aufbewahrt werden, erzählt Böhm, damit zum Beispiel bei anonymen Vätern die Nachkommen noch Generationen später auf Wunsch den Namen erfahren können.

Artikel 1 von 11