Frasdorf – 194 Wochen und ein paar Tage oder knapp 1400 Tage ist die Staatsstraße 2093 seit dem 20. November 2015 zwischen Frasdorf und Wildenwart fertig gebaut. Fertig? Das Telefon-Erdkabel der Telekom hat sich bisher erfolgreich widersetzt, neben der Straße eingegraben zu werden.
Während ein normales Erdkabel, seinem Namen folgend, in einer Tiefe von einem halben Meter in einem Graben neben dem Gehweg folgen würde, denkt dieses freiheitsliebende Kabel mit den 08052er- Telefonnummern zwischen Lochen, Hendenham, Niesberg, Greimelberg und Aich überhaupt nicht daran, sich von einem Bagger einfach verbuddeln zu lassen, sondern folgt der Straße bald auf dem Boden liegend, bald im Hochbau in luftiger Höhe aufgehängt zwischen den neuen Alleebäumen wie eine Wäscheleine.
Schwarze Schlange verborgen im Gras
In den Biotopen zum Schutz der Zauneidechsen und Goldammern an der Straße mutiert es zur schwarzen Schlange, lauert verborgen im Gras und zeigt sich an vielen Stellen unvermutet wieder an der Oberfläche. Dabei scheut es sich auch nicht, das Andachtskreuz unterhalb von Sankt Florian in seinen Weg mit einzubeziehen und umklammert den Kreuzesstamm ganz fest. Am Rande des Regenrückhaltebeckens schlängelt es sich, als wollte es Amphibien auf der Wanderung von der Besitznahme des Teiches abhalten.
Beliebt ist das Erdkabel nach wie vor bei den Hunden, die mit ihren Besitzern den Gehweg neben der Straße für die Spaziergänge nutzen. Sie lieben es, sich in die schwarze lange Schlange zu verbeißen und sie so richtig durchzuschütteln. Dass es dabei durch scharfe Hundezähne immer wieder zu Störungen im Telefonnetz kommt – na, das passiert halt so.
Auch die Bauern der anliegenden Wiesen sind begeistert von dem Kabel, das vier Jahre nach der Fertigstellung der Straße immer noch offen neben der Straße herumliegt. Mittlerweile ist es an vielen Stellen von Bodendeckern überwachsen und ist durch die Kreiselmähwerke hoch gefährdet. Dabei würde bei einer unsanften Berührung wohl am Traktor und am Mähwerk nicht viel passieren, das Erdkabel aber wäre wohl rettungslos getrennt.
Die Verbindungen des Kabels sind eine ganz eigene Geschichte: die Spleißungen der einzelnen Drähte sind durch Plastikteile geschützt, darüber stülpte der damalige Monteur als Witterungsschutz noch seine Brotzeittüte. Diese wurden immer wieder einmal durch eine neue Tüte ausgetauscht, ist aber nach vier Jahren witterungsbedingt verschlissen und nur noch in Fetzen erhalten. Aber solange die Verbindung funktioniert, wird nichts geändert.
Freiheitsliebe
kontra Nachtfröste
Die Gemeinde Frasdorf hat in den vergangenen Jahren wiederholt nachgefragt, wie lange dieses freiheitsliebende Kabel offen herumliegen darf. Die letzte Antwort an den Leiter des Bauamtes, Olaf Hoffmeyer, lautete, dass nach Abschluss aller Vermessungsarbeiten entlang der Straße das Kabel im Bereich des Banketts eingegraben werde, sobald es die Witterung zulasse.
Nachdem zurzeit keine Nachtfröste zu erwarten sind, könnte das Fernmeldekabel jetzt bald seinen endgültigen Platz finden – sofern die drei Kilometer Kupferkabel bis zu diesem Zeitpunkt noch an Ort und Stelle sind.