Halfing – Mal ehrlich: Was gibt es Schöneres für Kinder, als in großer Gemeinschaft zu spielen, singen und musizieren, zu malen und basteln, zu tanzen und turnen? 54 Kinder durften sich bei der Kinder-Kulturwoche beim Immling-Festival in genau dieses Vergnügen stürzen und zu guter Letzt ihre Familien und viele Besucher in einer zweistündigen Abschluss-Vorführung daran teilhaben lassen.
Die Geschichte um Mark Twains „Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn“ nach einer Bühnenfassung von Verena von Kerssenbrock lieferte viel Stoff für aufregende Lausbuben- und Lausemädl-Abenteuer. Da wurde das Publikum des Staunens und sich Wunderns nicht müde. Denn dass es dem quirligen Nachwuchs in knapp einer Woche spielerischer Arbeit gelang, ein Bühnenwerk mit Schauspiel, Musik, Tanz und Akrobatik – in selbst kreiertem Bühnenbild und Kostüm – auf die große Bühne des Festspielhauses zu zaubern, grenzt fast an ein kleines Wunder.
Buntes Ideen-Knäuel braucht einen Rahmen
Zugegeben, diese Art Wunder braucht einen Rahmen: Eine Bühne, die technischen und räumlichen Möglichkeiten eines Theaters und natürlich viele Künstler mit pädagogischem Geschick, damit am Ende aus dem bunten Knäuel Ideen auch eine verständliche Handlung entsteht. Eine Herkulesaufgabe, die Judith Seibert (Tanz), Janina Seidel (Akrobatik), Gretl Kautzsch, Baru Klejchova, Martin Klabeneš (Bühnenbild) und Sabine Lutter (Kostüme) mit Bravour und Idealismus bewältigten.
Verena von Kerssenbrock adaptierte die Abenteuer von Tom und Huck in pfiffigen Dialogen und fesselnden Szenen für die Theaterbühne. Sie vermittelte den Kindern zwischen sechs und 14 Jahren Grundkenntnisse des Schauspielhandwerks, übte mit ihnen das richtige Sprechen, zeigte ihnen, wie man sich bewegt, um effektvolle Spannungen aufzubauen, wie man Pointen ausspielt, wie man zum Team wird und wie man mit Pannen umgeht. Wertvolle Kompetenzen, nicht nur am Theater.
Kinder sind die schärfsten Kritiker
Ob so ein Gemeinschaftsprojekt aufgeht, das merkt man erst vor den kritischen Augen des Publikums. Weil Kinder bekanntlich die schärfsten Kritiker sind und einen Großteil der Zuschauer ausmachten, muss das Ensemble in besonderem Maße gelobt werden. Viel gelacht wurde bei der Szene am Zaun, in der Tom aus einer Strafe höchsten Gewinn zieht: Er macht Strafe zum Privileg, indem er seine Spielkameraden zum Zaun-Streichen einspannt und dafür noch dazu deren Fleißbildchen und das überschwängliche Lob seiner Tante Polly kassiert.
Schaurig komisch auch die Szene am Friedhof, wo Tom zusammen mit Huck und anderen Kindern einen Mord beobachtet. Aus Angst vor dem hinterlistigen Mörder, Indiana Joe, der seine Tat dem alkoholisierten Landstreicher Potter unterjubelt, beschließen die Kinder, vorerst zu schweigen, retten ihn aber später vor der ungerechten Strafe.
Hinreißend dargestellt auch die Szene auf dem Floß, wo sich die Kinder als Piraten ausprobieren und sich die emanzipierten Mädchen als ebenbürtige Mitstreiterinnen auszeichnen. Wie gut, dass die Kinder zusammenhalten, für Gerechtigkeit kämpfen und nie zu Träumen aufhören.
Freundschaft, Mut und Risikobereitschaft
Sie setzen immer auf Freundschaft, Mut und Risikobereitschaft. Eine schöne Botschaft, die sich lebendig und greifbar wie ein roter Faden durch das Stück zieht. Zwischen den gespielten Szenen erfreuten die jungen Akteure ihr Publikum mit gekonnten Einlagen am Vertikalseil, bauten Akrobatikpyramiden, jonglierten mit Bällen, Keulen, Tüchern oder Reifen, begeisterten mit flotten Tanzchoreografien, die in wechselnden Instrumentierungen vom Orchester famose musikalische Begleitung fanden. Ähnlich wie im Stück, schienen sich die kleinen und schon größeren Darsteller ganz aufeinander verlassen zu können.
Angenehme Stimme und viel Geduld
Auch Regisseurin Verena von Kerssenbrock, die mit angenehmer Erzählstimme am Bühnenrand sitzend durch die Inszenierung führte, fischte zu keiner Zeit im Trüben. Viel mehr schien sie in ihrer so zuverlässigen und spielfreudigen Mannschaft den Geist des Miteinanders geweckt zu haben, der zum letzten Mal für diese Saison im Immlinger Festspielhaus beglückende Wirkung tat. Verdienter Lohn für die kleinen Künstler waren ein euphorischer Applaus, ein letztes gemeinsames Mittagessen und zur Erinnerung eine Urkunde.