Rohrdorf – Vielfach mit Entsetzen nahmen Bürger aus Rohrdorf und Umgebung unseren Bericht zur Kenntnis, dass der Wiesn-Express nach nunmehr 15 Jahren nicht mehr durch das Achental fahren darf, um zur Wiesnzeit die Besucher des Rosenheimer Herbstfestes zu befördern. Grund dafür: strengere Vorschriften seitens des Eisenbahnbundesamts (EBA).
Der Wiesn-Express bediente sich bislang einer Sicherheitsbescheinigung (SiBe) eines befreundeten Eisenbahnverkehrsunternehmens (EVU), dass nach Prüfung des rollenden Materials den sicheren Betrieb der beiden musealen Fahrzeuge aus den Jahren 1958 und 1959 bescheinigte.
Bußgeld bis zu 50000 Euro angedroht
Jedoch wollte das befreundete EVU in diesem Jahr keine Bestätigung mehr abgeben, weil laut EBA-Verordnung vom 4.Oktober 2018 „bei EVU des Personen- und Güterverkehrs keine Vertragsabsprachen mit einem anderen Unternehmen bestehen dürfen, die dazu dienen, diesem anderen die Mitbenutzung der Sicherheitsbescheinigung oder Genehmigung zum Zwecke des Erbringens von Verkehrsleistungen ohne eigene Behördenerlaubnisse zu ermöglichen.“ Immerhin wurde ein Bußgeld von bis zu 50000 Euro pro Verstoß angedroht, was niemand der Beteiligten riskieren wollte.
Unser Bericht wurde nicht nur im Einzugsbereich der Heimatzeitung, sondern auch im fernen Bonn bei der Bundesbehörde EBA gelesen. Das Amt reagierte prompt, nahm Kontakt mit dem Rohrdorfer Betreiber des Zuges, Helmut Wiesböck, auf und ließ schließlich über seine Pressesprecherin mitteilen:
„Nach dem Gesetz tragen die Eisenbahnen die uneingeschränkte Verantwortung für die Sicherheit. Sie sind unter anderem verpflichtet, ihren Betrieb sicher zu führen, Fahrzeuge und Eisenbahninfrastruktur sicher zu bauen und in betriebssicherem Zustand zu halten. Das Eisenbahn-Bundesamt kontrolliert im Rahmen der Eisenbahnaufsicht, ob die Eisenbahnen dem nachkommen. Es gibt Konstellationen, in denen Unternehmen selbstständig am öffentlichen Eisenbahnverkehr teilnehmen, obwohl sie selbst nicht die dafür nötigen Behördenerlaubnisse (in diesem Fall: eine Sicherheitsbescheinigung) besitzen. Stattdessen nutzen sie die Sicherheitsbescheinigungen anderer Eisenbahnverkehrsunternehmen mit. In einigen solchen Fällen haben sich dabei im Betrieb allerdings sicherheitsrelevante Mängel offenbart.“ Dieser Umstand führte schließlich zur Fachmitteilung des EBA und die wiederum zur Einstellung des Wiesn-Express.
Angetan war Wiesböck vom großen Zuspruch, den er nach dem Bericht in der OVB-Heimatzeitung aus der Bevölkerung erhalten hat: „Nachdem Bericht im OVB kam ich stundenlang nicht vom Telefon weg, weil ich zahlreiche Anrufe zum ‚Aus‘ des Express‘ erhielt. Viele boten mir Hilfe an und wollten sogar persönlich Kontakt mit dem EBA aufnehmen, um gegen das neue Verfahren zu protestieren“, freut sich Wiesböck.
Dann kam überraschend auch recht schnell der Anruf aus dem Bonner Amt, „der sehr konstruktiv und aufschlussreich war“, sagt Wiesböck. In einem klärenden Telefonat mit Helmut Wiesböck zeigte der stellvertretende Referatsleiter des EBA Hübler einen Weg auf, wie rechtskonforme Strukturen hergestellt werden können. „Ich habe ihm das Sicherheitsverfahren, so wie es in den letzten 15 Jahren abgelaufen ist, erläutert. Dabei stellte sich heraus, dass wir in der Vergangenheit mit einem EVU zusammengearbeitet haben, die sowohl unsere Lokomotive, als auch unseren Waggon nach den SiBe-Richtlinien geprüft haben, sodass wir den Express mit besten Gewissen einsetzen konnten“, erklärt Wiesböck erleichtert. Man habe ihm schnelle Unterstützung zugesagt, um den Betrieb für dieses Jahr noch sicherzustellen.
Allerdings musste er nun feststellen: „Für diese Wiesn ist der Express allerdings abgefahren. Die Fahrzeuge müssen heuer im Arsenal bleiben, weil ich in der Kürze das notwendige qualifizierte Personal nicht zusammenbekomme.“
Aber im nächsten Jahr werde der Express wieder die Wiesnbesucher chauffieren, versprach Helmut Wiesböck, da nun ein mit dem EBA und seinem EVU abgestimmtes Konzept vorliegt und dem Betrieb dann nichts mehr entgegensteht.
Mit dem Wiesn-Bus nach Rosenheim
Und wie kommen die Rohrdorfer heuer zur Wiesn? Die Gemeinde reagierte ebenfalls schnell. Dazu ein Sprecher der Gemeinde: „Wir freuen uns bekannt geben zu können, dass von der Gemeinde Rohrdorf zumindest für die Wochenenden und die Kindermittwoche ein für die Besucher kostenfreier Bus fährt.“ Fahrpläne liegen bei der Gemeinde aus. Der Bus fährt samstags um 17 Uhr in Thalmann los, hält um 17.05 Uhr am Dorfplatz in Rohrdorf, fährt über Gmein (17.10 Uhr) nach Thansau und hält dort um 17.17 Uhr in der Rosenheimer Straße und um 17.25 Uhr in der Erlenstraße. Mittwochs fährt der Bus die gleiche Strecke, startet aber schon um 14 Uhr in Thalmann, letzter Halt in der Thansauer Erlenstraße ist um 14.25 Uhr. Zurück geht es – ebenfalls kostenlos – mittwochs um 18 Uhr ab der Rechenauerstraße (Ausgang beim Riesenrad), freitags und samstags fährt der Wiesn-Bus dort um 23.30 Uhr ab.