Rotstift regiert erneut – mit Erfolg

von Redaktion

Grund- und Mittelschule Rott: Gemeinderat drückt Kosten auf 17 Millionen Euro

Rott/Ramerberg/Griesstätt – Geschafft! Nach der zweiten Runde mit dem Rotstift steht endlich der Planentwurf für den Neubau der Grund- und Mittelschule Rott. Bürgermeister Marinus Schaber (Bürger für Rott) hatte sogar den Gemeinderat aus dem Sommerurlaub zurückbeordert, um die notwendigen Beschlüsse herbeizuführen. Denn die Zeit drängt: Im Frühjahr 2020 soll mit dem ersten Abbruch, in den nächsten Sommerferien mit dem Bau begonnen werden. Die Grund- und Mittelschule entsteht, wie berichtet, in zwei Bauabschnitten, Fertigstellung ist bis Ende 2022 geplant. Zwischenzeitlich müssen Grund- und Mittelschüler – je nach Abschnitt – in Container umziehen. Eltern und Lehrerkollegium warten seit Mai 2018, als die Entscheidung gegen die Sanierung und für einen Neubau gefallen war, auf die Entscheidungen zum Planentwurf und zu den Kosten – Grundstein für die weiteren Schritte mit Werkplanung und Ausschreibungen. Zur Sondersitzung des Gemeinderates waren denn auch Zuhörer aus dem Schulverband gekommen, zu dem die Gemeinden Rott, Ramerberg und Griesstätt gehören.

Sie erlebten einen Gemeinderat, der vor dem einstimmigen Gesamtbeschluss um jeden Euro rang und den Spagat versuchte, Einsparungen ohne zu große Qualitätseinbußen vorzunehmen.

„Finanzielles Fiasko“ verhindert

Denn gebaut wird, da waren sich alle einig, für 50 Jahre. Ein Schnellschuss ist deshalb nicht angesagt, mögliche negative Auswirkungen – auch auf den laufenden Unterhalt und die Betriebskosten – müssten die folgenden Räte und Kindergenerationen ausbaden.

In einer ersten Sparrunde hatten die Gemeinderäte schon einmal eine Million Euro gestrichen. Das gelang nun ein zweites Mal. Die Kosten liegen nun bei gut 17 statt über 18 Millionen Euro. Dies hatte Bürgermeister Schaber auch als Ziel ausgegeben. Kosten, die sich in Richtung 20 Millionen bewegen würden, seien ein „finanzielles Fiasko“ für die drei beteiligten Kommunen, warnte er. Bauherrin ist die Gemeinde Rott, die das Gebäude an den Schulverband vermieten wird. Rott rechnet mit einem öffentlichen Zuschuss in Höhe von 53 bis 54 Prozent.

Schaber verwies in der zweistündigen Beratung darauf, dass eine Schule ein Zweckbau sei, für den eine Kommune keinen Schönheitspreis gewinnen müsse. Das Architekturbüro Fred Meier, Bernhard Putzhammer und Marie Rebotzke hatte auch unter diesem Aspekt 13 Maßnahmenpakete geschnürt, um die Kosten nach unten zu bringen. Die meisten Vorschläge fanden die Zustimmung der Gemeinderäte, die jedoch so manches Mal hart mit sich rangen bei der Entscheidung.

Viele Einsparungen betrafen die Optik: Unter anderem werden im Neubau nun zwei Lüftungstürme nicht in der Erde versenkt, sondern vor die Fassade gesetzt. Das macht aufwendige Erdarbeiten unnötig. Im Innern verzichtet der Gemeinderat auf Wandfliesen in den Fluren – zähneknirschend und in der Hoffnung, dass doch noch Gelder übrig bleiben, um diese Schutzmaßnahmen gegen Verunreinigung durchführen zu können.

Die Küche wird von Anfang an so gebaut, dass hier auch selbst gekocht werden könnte. Die genaue Ausstattung – mit Gastro- oder Ausgabeküche – wird jedoch erst später festgelegt. Auf ein günstigeres Flachdach wollte sich der Gemeinderat nicht festlegen, zu groß ist die Skepsis gegenüber dieser Dachform. Auch bei der Fassade bleibt es bei einer „vorgehängten“ Lösung, weil sie nicht so anfällig und teuer im Unterhalt ist. Dafür gibt es andere Fenster: aus Kunststoff mit Aludeckschale. Und es entfällt ein nicht benötigter Garteneingang. Auch bei den Außenanlagen wird abgespeckt.

Entsorgung des Aushubs ein „Irrsinn“

Die neue Grund- und Mittelschule wird außerdem ein Passivhaus „light“, das heißt: Der U-Wert der Fenster wird um 0,74 auf 0,9 erhöht. Das wirkt sich jedoch nicht negativ auf die Energieeffizienzförderung aus, betonten die Architekten. Der Neubau entspricht nicht mehr dem Passivhaus- sondern dem KfW55-Standard. Auch bei den Gewerken Heizung und Sanitär wird gespart – etwa bei der Anzahl der Heizkörper oder durch wegefallende automatische Hygienespülstationen. Maximiert wurden die förderfähigen Flächen – durch einen Trick. Die Garderoben wandern in die Klassenzimmer. Allein 97 000 Euro können vermutlich eingespart werden beim Aushub der Baugrube. So viel Material wie möglich soll jetzt vor Ort wieder eingebaut werden – zur Not will die Gemeinde Rott sogar den Parkplatz anheben. Als „irre“ bezeichnete Bürgermeister Schaber die Kostenexplosion aufgrund neuer Auflagen bei der Entsorgung von Bodenaushub.

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