Samerberg – Sie machen zwar enormen Lärm, aber sie leisten ihren ehrenamtlichen Dienst in aller Stille: die Kanoniere, die sich bei Festlichkeiten hören lassen. Einer dieser Kanoniere ist am Samerberg Andreas Stuffer, dort bekannt als der „Gera Andal“. Stuffer gehört dem Veteranenverein Roßholzen-Steinkirchen an, ist für diesen Verein bereits seit 24 Jahren Schriftführer, und er übt das Amt des Kanoniers seit 1996 aus. Zu seinen Einsätzen kommt er unter anderem an Fronleichnam, bei Beerdigungen von Veteranen-Kameraden sowie bei besonderen Festen wie Vereinsjubiläen oder bei der Peter-und-Paul-Prozession in Steinkirchen.
Auf der Hausbank in Erinnerungen gekramt
Bei einem Hausbank-Gespräch im Weiler Gern erinnert sich Andreas Stuffer an den Anfang seiner Aufgabe: „Das Ganze begann 1996 mit einer Prüfung beim Gewerbeaufsichtsamt Rosenheim. Alsdann erhielt ich nach mehreren Tagen der Unterrichtung die sprengstoffrechtliche Erlaubnis. Inhalt der Schulung waren unter anderem der Erwerb, der Gebrauch, die Aufbewahrung und die Vernichtung des Schwarzpulvers, da geht es nämlich ganz genau“, erzählt der Kanonier, der seine Munition bei Erwerb stets eintragen lassen muss und den Kauf auch nur gegen Vorlage eines Berechtigungsscheines tätigen kann. In der Regel holt er sein Pulver in einer Menge von drei Kilogramm. Je Schuss werden 100 Gramm verbraucht, sodass aufgrund des raren Einsatzes die Vorräte eine Zeit reichen.
„300 Meter freies Schussfeld sind laut Gesetz vorgeschrieben, aber der zur Verdämmung führende Korken fliegt nur rund 30 Meter, sodass wir hier ganz auf Nummer Sicher gehen“, erklärt Stuffer, der nur einer von drei Kanonieren in der Gemeinde Samerberg ist. In dieser Aufgabe unterstützen ihn noch Simon Deindl und Michael Staber.
Die Tätigkeit des Kanoniers ist nicht von ewiger Dauer. Aller fünf Jahre muss die Erlaubnis erneuert und verlängert werden. Auf eigene Beantragung bei der Gemeinde erfolgt die Zustimmung letztlich durch das Landratsamt, das nach Angaben von Stuffer noch nie Probleme gemacht hat und sehr der Brauchtumspflege zugeneigt ist.
Die Kanone wurde in den 50er-Jahren vom Veteranenverein gekauft. „Anfangs hat sich der Trachtenverein Roßholzen finanziell beteiligt, heute ist sie noch im Eigentum des Veteranenvereins, aber die Gemeinde Samerberg sorgt für den Unterhalt“, so der Kanonier, der zum Aufbewahrungsort nur so viel sagt: „Die Kanone gilt ja nicht als Waffe, sondern ist ein Gerät, trotzdem ist sie gut eingesperrt.“
Alle sechs Jahre wird die Kanone überprüft, zuletzt im landkreiseigenen Bauhof in Riedering. Die Überprüfungsgebühren hat die Gemeinde Samerberg übernommen. Am Samerberg gibt es noch eine zweite Kanone, aber die ist – so Stuffer – nicht mehr schussfähig und damit nur noch ein Erinnerungsstück.
Der verpasste Einsatz auf dem Friedhof
Viele Erlebnisse hatte Stuffer in seiner langjährigen Kanonierszeit, unter anderem als sich nach den ersten beiden Schüssen eine Aufhängung lockerte. „Dann habe ich den dritten Schuss gar nicht mehr gemacht, denn Sicherheit geht vor“.
Gar keinen Schuss gab es auch einmal, als sich der Kanonier „verhörte“. Stuffer: „Den genauen Schießzeitpunkt höre ich in der Regel mit dem gebotenen Abstand durch die Weise vom guten Kameraden, aber einmal waren zu viele Fremdgeräusche und mein Fernglas half auch nichts, sodass ich die Veteranen erst wieder vernahm als sie abmarschierten – und da war es dann zu spät. So etwas passiert mir hoffentlich nicht mehr.“
2020 hat der Veteranenverein das 150. Jubiläum, „da wird es bestimmt wieder laut, aber ersten Ideen zufolge wird es kein riesiges, sondern ein überschaubares Fest werden“, sagt der Kanonier auf der Hausbank.