Auf Café-Tisch statt in die Mülltonne

von Redaktion

Die „Raupe Immersatt“ in Stuttgart ist das erste Lokal in Deutschland, in dem Speisen auf den Tisch kommen, die sonst im Müll landen würden. Ein Priener findet die Idee so gut, dass er ein solches Angebot in der Region auf die Beine stellen will.

Prien – Noch ist es nur eine Idee. Als Frank Schinner im Fernsehen einen Bericht über die Eröffnung der „Raupe Immersatt“ in Stuttgart gesehen hat, war für ihn klar: So etwas braucht seine Heimatregion auch. Die „Raupe Immersatt“ ist nach Angaben der Betreiber das erste Foodsharing-Café Deutschlands. Fünf Studenten wollen damit ein Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung setzen.

Eröffnung

in Stuttgart

vor zwei Monaten

Klimawandel, Umweltverschmutzung, Wegwerfgesellschaft – für solche Schlagworte werden immer mehr Menschen empfänglich. In dem Stuttgarter Café, das vor zwei Monaten eröffnet wurde, werden nur Lebensmittel angeboten, die vor der Mülltonne gerettet werden konnten. Der Ansatz ist dem der Lebensmittel-Tafeln vergleichbar, die ja seit Jahrzehnten ein Erfolgsmodell sind, Unter dem Dach der Caritas auch in Prien. Die Chiemseer Tafel versorgt finanziell weniger gut gestellte Familien für einen symbolischen Euro jeden Freitag mit Lebensmitteln, die Ehrenamtliche in Supermärkten und anderen Läden einsammeln. Dort wurden sie aussortiert, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht war. Im „Immersatt“ werden diese Lebensmittel umsonst angeboten. Es zielt aber nicht nur auf Kunden ab, die knapp bei Kasse sind.

In Stuttgart haben sich die Studenten über die deutschlandweit vernetzte Plattform „Foodsharing“ ein Netzwerk aus 40 Betrieben aufgebaut. Finanziert werden soll das Café über den Verkauf von Getränken, wobei der Kunde den Preis selber festlegt.

In der baden-württembergischen Landeshauptstadt waren die findigen Studenten schon Anfang dieses Jahres mit dem Bürgerpreis ausgezeichnet worden – Monate, bevor sie ihr Lokal nach zweijähriger Vorlaufzeit eröffnen konnten. Größtes Hindernis war die Suche nach bezahlbaren Räumlichkeiten.

Das könnte auch in unserer Region eines der größten Hindernisse werden, ganz gleich, ob das „Foodsharing“-Modell in Prien oder Rosenheim Wirklichkeit werden sollte. Diese beiden potenziellen Standorte hat Frank Schinner im Sinn, hier könnte das Modell nach seiner Überzeugung funktionieren. Der 49-Jährige lebt in Prien, arbeitet aber in Rosenheim und hat schon ein paar Ansprechpartner im Kopf, die als Investoren oder Vermieter infrage kommen. Namen will er nicht nennen, bevor er mit den Kandidaten nicht selbst Kontakt aufgenommen hat.

„In unserer Zeit der Wegwerfgesellschaft und Armut ist das sehr wichtig. Es trifft den Ausdruck Nachhaltigkeit zu 100 Prozent“, wirbt Schinner für eine Idee. Diese habe nichts damit zu tun, dass er im März 2020 auf der Liste der Priener Grünen für den Gemeinderat kandidieren will, betont er im Gespräch mit unserer Zeitung mehrfach.

Er selbst versucht, Verpackungsberge und Lebensmittelabfälle so weit wie möglich zu vermeiden, indem er mehrmals am Tag frische Sachen einkauft. Dass das für Berufstätige im Alltag schwer ist, weiß Schinner natürlich auch.

Hoffnung ruht

auf „routinierten Hausfrauen“

Für eine Kopie der „Raupe Immersatt“ in seinem Heimatort oder in Rosenheim hofft Schinner auf „routinierte Hausfrauen“, die sich zur Verfügung stellen, um abwechselnd aus den Lebensmitteln, die zur Verfügung stehen, Angebote für die Kunden zu kreieren. „Es muss nicht immer Bio-Ware sein. Lebensmittel, die drei oder vier Tage abgelaufen sind, sind meistens noch einwandfrei genießbar“, argumentiert Schinner. Ihm schwebt ein Angebot vor, das von Auswahl und Qualität dem eines Bäckerei-Cafés vergleichbar wäre.

Bis zum Frühjahr möchte der Priener seine Idee in die Tat umsetzen. Jetzt hofft Schinner zunächst, dass sich bei ihm Gleichgesinnte melden, die ihn unterstützen – sei es als freiwilliges Personal, als Lebensmittel-Lieferanten oder als Vermieter günstiger Räumlichkeiten: Schinner ist telefonisch erreichbar unter der Nummer 08051/6401777 oder per E-Mail an frank.schinner@ googlemail.com.

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