Samerberg – Nach der offiziellen Eröffnung der Samerberger Landwirtschaftswege zu Beginn der Sommersaison war es nun an der Zeit, ihnen bei einer Wanderung des Tourismusverbands eingehend Aufmerksamkeit zu schenken. Mit dabei war die maßgebliche Mitinitiatorin der Landwirtschaftswege, Roswitha Estermann, die viel über die beiden Rundwege mit 28 hölzernen, von Bauern selbst gefertigten Tafeln mit vielen Fotos, Zeichnungen und Hinweisen zu erzählen hatte.
Die landwirtschaftliche Privatinitiative soll dem Wanderer am Samerberg einen anschaulichen und verständlichen Einblick in Arbeit und Erzeugnisse der Bauern bieten. Schon im April letzten Jahres hatte die Idee dafür konkrete Formen angenommen. Mithilfe der Samerberger Bauern, den Handwerksbetrieben der Region und vielen weiteren Helfern und Sponsoren wurde sie in knapp einem Jahr praktisch umgesetzt.
Talrunde auch für Ungeübte geeignet
Für den Interessierten bieten sich nun zum vielschichtigen Thema Landwirtschaft zwei in die Natur eingebettete Rundwege, die mit zahlreichen Informationen und Erklärungen den Bezug zur Natur herstellen. Zwei wichtige Gebiete der Samerberger Landwirtschaft sind erfasst: Zum einen die Talwirtschaft (Talrunde), soll heißen: Was passiert im Tal? Zum anderen die Almwirtschaft (Almrunde) mit einem Blick auf die schwierige Arbeit der Almbauern in teils unwegsamem und bergigem Gelände.
Die Talrunde ist mit ihrem Streckenprofil von rund sieben Kilometern Länge und etwa 200 Höhenmetern ist auch für weniger geübte Wanderer gut zu bewältigen, zumal die Route zumeist auf gut begehbaren Wegen verläuft.
Schon beim Einstieg, möglich an den drei Parkplätzen aber auch überall sonst am Rundweg, wird deutlich, dass die Initiatoren nicht nur einfach Schilder in die Landschaft gestellt haben, sondern dass diese Tafeln auch immer einen schnell ersichtlichen Bezug zu ihrem jeweiligen Standort haben.
Vorrangige Themen des Talwegs sind zum Beispiel der Schutz des Grundwassers, die Obstverwertung und der Wald als wichtige Lebensgrundlage für Mensch und Tier. Man sollte sich auf jeden Fall ein bisschen Zeit nehmen, um die Runde tatsächlich genießen zu können.
Ein Halt ist an der Schautafel „Gülle auf die Wiese“ des Maschinen- und Betriebshilfsrings Rosenheim neben einer großen Grünfläche. Hier wird schnell erkennbar, warum die Bauern Gülle auf die Wiese fahren „müssen“: Damit Pflanzen wachsen und sich gut entwickeln können, die dann letztlich als hochwertige Nahrung für das Weiderind dienen.
Herausforderung Forstwirtschaft
Beim Schild „Generationenvertrag Wald“ vermitteln die Informationen auf der Tafel, wie schwierig und langwierig sich die Bewirtschaftung des Waldes darstellt. Denn die Bäume haben eine lange Lebensdauer. Vom Samen bis zur Fällung können leicht hundert Jahre und mehr vergehen. Ein einprägsames Beispiel auf der Tafel lautet: „Einen Baum, den der Großvater in jungen Jahren pflanzt, muss dann der Vater pflegen, damit ihn der Sohn schließlich ernten kann“.
Über herrliche Wiesen führt der Weg weiter zum nächsten „Wegweiser“, der sich dem Thema „Streuwiesen – Perlen der Kulturlandschaft“ widmet. Dabei wird dem Betrachter mitgeteilt, dass seit jeher die Samerberger Bauern nasse Wiesen im Bereich der Filze oder umliegenden Quellgebieten einmal pro Jahr in aufwendiger Handarbeit mähten.
In unmittelbarer Nähe zur Samerberger Trinkwasseraufbereitungsanlage ist die nächste Tafel zu finden, die Auskunft über das Trinkwasser gibt. Von dort führt die Runde weiter durch die Samerberger Filze, einem sehenswerten Biotop Streuwiesen, Mooren und klaren Bächlein, die durch die Wiesen mäandern. Teilweise auf Holzplanken geht man zum Bienenlehrstand, einem der drei Einstiegspunkte des Rundweges. Hier wird die große Bedeutung der Bienen für den Obstbau und die Landwirtschaft hervorgehoben.
Fleckvieh-Bilder
als Orientierung
Vor weidenden Rindern steht die natürlich die Tafel „Weidevieh“, dem besten Verwerter des Grünlands. Und weiter geht es, immer von Tafel zu Tafel, und nach etwa zwei Stunden hat man dann sämtliche Tafeln gesehen. Die hölzernen Tafeln selbst haben immer den gleichen Aufbau. Neben den jeweiligen Themen mit Infos und Erklärungen gibt es die Rubrik „Auf den Punkt gebracht“ und eine Kuh gibt ihre Gedanken zum jeweiligen Thema preis.
Auf der Rückseite der Tafel kann der jeweilige Standort abgelesen werden und die Runde im Gesamten. Die Markierungen des Weges sind leicht zu finden, es grüßt immer das Samerberger Fleckvieh auf kleinen Richtungstafeln, die den Weg weisen.hko