Oberaudorf – Es ist das Wunder von Oberaudorf: Mitten im Ort brennt ein mehrstöckiger Wohnkomplex aus Holz lichterloh, in unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich ein Gaslager, der Ausleger eines am Rande der Baustelle stehenden Baukrans kommt aufgrund der immensen Hitze fast ins Glühen – und niemand kommt zu Schaden.
Auch Bürgermeister Alois Holzmaier zeigt sich im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen Tage nach dem Brand mehr als erleichtert, ja dankbar. Man stelle sich nur vor, so der Zweite Bürgermeister, es wäre am Freitagabend ein starker Nord-West-Wind gegangen. Die angrenzenden Häuser wären in Minutenschnelle in Flammen gestanden.
Bricht der Kran?
In Sorge um die
Feuerwehrmänner
„In den ersten drei Stunden des Einsatzes waren wir in großer Sorge wegen des Krans. Die große Hitze ließ den Ausleger fast erglühen. Was, wenn er bricht und Teile davon ins Gebäude, schlimmer noch auf unsere Feuerwehrmänner stürzen?, haben wir uns ständig gefragt. Der Kraneigner war ständig mit uns in Kontakt und versicherte wieder und wieder, dass dies nicht passieren wird“, so Rainer Mager, Einsatzleiter und Kommandant der Oberaudorfer Feuerwehr.
Bange Blicke auch in Richtung angrenzendes Gaslager im Süden des Komplexes. In einem Holzschuppen lagert ein Einzelhändler eine Vielzahl unterschiedlich großer Gaskartuschen. Mit seiner Hilfe und die der umsichtigen Feuerwehrmänner wurden diese schnellstmöglich aus dem Gefahrenbereich gebracht, der Schuppen zudem mit Löschwasser gekühlt. „Nicht vorzustellen, wären diese aufgrund der Hitze explodiert“, so der Einsatzleiter weiter.
Besonders beeindruckt zeigen sich Mager, sowie Bürgermeister Holzmaier von der großen Hilfsbereitschaft der Bevölkerung.
Die Feuerwehren aus der Region und dem benachbarten Tirol wurden nicht nur von Geschäftsleuten aus der Nachbarschaft, sondern von vielen Bürgern über drei Tage hinweg – so lange dauerte der Einsatz – mit Brotzeit, Kuchen und Getränken versorgt.
„Das ist keine Selbstverständlichkeit für uns und zeigt die große Wertschätzung unserer Arbeit“, so Mager. Insgesamt waren, wie Kommandant Rainer Mager mitteilt, letztendlich über 140 Feuerwehrmänner und -frauen im Einsatz. Die an vorderster Front löschen mussten, trugen sogar schweres Atemschutzgerät.
Der Brand des Holzkomplexes stellte für die Gemeindewerke Oberaudorf eine große Herausforderung dar. „Beinahe wäre das Löschwasser knapp gewordne“, so Werksleiter Michael Schmid gegenüber unserer Zeitung.
So beträgt der übliche Zufluss aus den Quellen und Brunnen etwa 60000 Kubikmeter pro Stunde, wobei der maximale Zufluss bei etwa 100000 Kubikmeter pro Stunde liegt. Beim Brand betrug die maximale Wasserentnahme jedoch deutlich über 200000 Kubikmeter pro Stunde.
Schmid: „Um diesen enormen Verbrauch sicherstellen zu können, mussten zusätzlich die Hochbehälter schrittweise abgelassen werden. Das Regelwerk sieht vor, dass eine Löschwassermenge von knapp 200 000 Kubikmeter vorzuhalten ist, tatsächlich wurden jedoch aus dem Leitungssystem circa 1,4 Millionen Kubikmeter verteilt über etwa zwei Tage abgezogen.“
Um den Bedarf der Feuerwehr zu decken und trotzdem noch die Wasserversorgung des Ortes aufrecht zu erhalten, war deshalb eine enge Abstimmung zwischen Einsatzleitung und Wassermeister erforderlich. Der Feuerwehr gelang es dann durch Anzapfen des Auerbachs, die Spitzenbelastung wieder zurückzufahren.
Wie Schmid weiter ausführte, sei das Wasser des Ortsweihers zwar von der Feuerwehr genutzt worden, jedoch sei dieser zeitnah aus dem Hydranten nachgefüllt worden. Der Brand habe gezeigt, so Schmid nachdenklich, dass es dringend einen weiteren Hochbehälter brauche.
Der Erstmelder
ist auch bei der Feuerwehr
Und dann ist da noch die Sache mit dem Erstmelder: Eigentlich wollte dieser auf dem Weg in den Urlaub nur einen kurzen Zwischenstopp in der angrenzenden Pizzeria machen.
Michael Hübner: „Meiner Freundin fiel nach dem Essen auf, dass im Erdgeschoss des nebenan stehenden Neubaus wohl irgendetwas brennt.“ Der junge Mann läuft zur Vorderseite des Gebäudes, um nachzusehen, was los ist. Hübner: „Die Flammen schlugen da schon drei Meter hoch aus dem Eingang.“ Er greift zum Handy und informiert sofort die Integrierte Leitstelle in Rosenheim.
Schon wenige Minuten nach seinem Anruf steht bereits die komplette Vorderseite in Brand. Genau neun Minuten nach seiner Erstmeldung trifft die Oberaudorfer Wehr ein. Hübner: „Inzwischen war die komplette vordere Front im Vollbrand. Für mich war diese schnelle und investive Brandausbreitung beeindruckend und beängstigend.“
Und der junge Mann muss es wissen: Er ist stellvertretender Kommandant und Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr Lohr am Main.