Bollwerk gegen Jahrhunderthochwasser

von Redaktion

Gemeinderat Riedering Diskussion wegen Grobholzrechen am Rothbach

Riedering – Hoch her ging es beim Thema „Sachstand Hochwasserschutz am Rothbach“ in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Anlass war der Grobholzrechen, der demnächst in das Hochwasserrückhaltebecken eingebaut werden soll und dessen Bauteile teilweise schon auf der Baustelle lagern.

Fertigstellung ist

für Herbst avisiert

„Fünf Eichenstempen halten das Wasser auch zurück“, mutmaßte Gemeinderat Sebastian Niedermaier (Freie Wählergemeinschaft Riedering, FWGR), der dem Grobholzrechen bescheinigte, in seiner Dimension im Landkreis einmalig zu sein: „So was gibt es nur bei den Inn-Kraftwerken.“ Das südlich vom Wertstoffhof liegende Hochwasserrückhaltebecken (HWRB) befindet sich seit dem vergangenen Herbst im Bau und soll laut Michael Trayer und Simon Fröhling von der Firma Steinbacher Consult diesen Herbst fertiggestellt sein.

Fünf Wochen Pause, um Statik zu prüfen

Im ersten Bauabschnitt setzten die Arbeiter aufgrund des schlechten Bauuntergrunds Rüttelstopfsäulen, dann erfolgte die Dammschüttung und erste Arbeiten zum Durchlassbauwerk. Die fünfwöchige Pause im Mai begründete Fröhling damit, dass die Statik habe geprüft werden müssen. Seit Juni arbeite man weiter am Durchlassbauwerk und weitere Rüttelstopfsäulen würden gesetzt. Aktuell gehe es an die Verfüllung des Grobholzrechens.

60 Prozent der Bausumme sind den beiden Ingenieuren zufolge mittlerweile verbaut, das abgegebene Angebot der mit dem Bau beauftragten Firma Swietelsky umfasste rund 2,6 Mio Euro.

Trayer ging noch einmal auf den Grobholzrechen ein. Laut Merkblatt der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall sollten die Rechen auf vollen, einseitigen Wasserdruck bemessen werden. Gemäß Empfehlungen der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH ) wäre als maßgeblicher Lastfall für die Dimensionierung des Rechenfundamentes (bei einer konservativen Betrachtungsweise) ein von angeschwemmten Treibholz voll eingestauter Rechen anzunehmen. Und das ohne den Ansatz eines Wasserspiegels im Unterwasser, also bei maximaler Wasserspiegeldifferenz. Da das Fundament aus statischen Gründen dann sehr groß geworden wäre, empfahl das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim, eine Wasserspiegel-Differenz am Rechen zwischen Ober- und Unterwasser von weniger als einem Meter anzunehmen. Die Planer berechneten deshalb das nötige Fundament bei einem halben und einem Meter Differenz. „Da sich die Abmessungen und damit die Kosten dabei nur gering unterscheiden, haben wir uns auch aus Sicherheitsgründen für die Ein-Meter-Variante entschieden“, so Trayer.

Niedermaier warf den Ingenieuren vor, sich nur auf Datenblätter einer Universität zu verlassen: „Gesunder Menschenverstand tut auch gut.“ Fröhling widersprach: Es gehe um haftungstechnische Fragen. Richard Mühlbauer (Freie Bürger Pietzing) äußerte Verständnis für beide Positionen. Warum andernorts ein Bagger genüge, dies aber nicht in Riedering ausreiche, begreife er nicht. Dr. Georg Kasberger (CSU) hielt es für ungewöhnlich, dass erst nach Auftragsvergabe und Baubeginn die Statik eines Bauteils berechnet werde.

Bürgermeister Josef Häusler (WGS) sagte, das Bauwerk sei auf ein Jahrhunderthochwasser ausgelegt, es müsse halten. Er habe in seiner Amtszeit zwei Hochwasser mit enormen Schäden miterlebt. Man könne nicht immer nur ausbessern und reparieren.

Freigabe einer Zufahrt zum Wertstoffhof

Matthias Pummerer (FWGR) wollte wissen, wann denn der wegen der Baustelle geschlossene Bauhof wieder geöffnet sei. Fröhling erklärte, dass die vorderste Zufahrt zum Wertstoffhof dieses Jahr noch freigegeben werde.

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