„Adamers Lichtspiele“ waren ihrer Zeit weit voraus

von Redaktion

Tag des offenen Denkmals Oberaudorfer Sägewerksbesitzer nutzte Wasserkraft schon 1894 zur Stromerzeugung

Nußdorf – Schon in früheren Zeiten nutzte der Mensch die Energie des Wassers, um sich bei beschwerlichen Arbeiten helfen zu lassen. Insbesondere in den Tälern, wo die Berge mit ihren zahlreichen Quellen die Bäche mit Wasser speisten, entstanden die wertvollen Helfer der Menschen. Die Wasserräder trieben nicht nur Getreidemühlen an, sondern unterstützten auch Sägewerke, Schreinereien, Schmieden oder Gerber bei ihrer Arbeit.

„Als jemand, der die Zeichen der Zeit schon früh erkannte, ging Sägewerksbesitzer Wolfgang Adamer in Nußdorf am Inn einen Schritt weiter, denn bereits im Jahr 1894 nutzt der Adamer die Wasserkraft auch zur Stromerzeugung. Damit brannte in Nußdorf bereits eine Glühbirne, die erst wenige Jahre zuvor, im Jahr 1879 von Thomas Alva Edison in New York hergestellt wurde,“ erklärte Michaela Firmkäs, Ortsheimatpflegerin in Nußdorf, ihren Zuhörern. Rund 50 Kinder, Frauen und Männer kamen, um sich die Technik anzuschauen, die die Welt revolutionierte.

Wenige Jahre zuvor, im Jahr 1892 nahm das nach den Plänen Oskar von Millers errichtete Wasserkraftwerk in Schöngeising seinen Betrieb auf und versorgte die nahegelegene Kreisstadt Fürstenfeldbruck als eine der ersten Städte in Bayern mit Strom für eine elektrische Straßenbeleuchtung. Damit ging Oskar von Miller in die Geschichte ein. Im Gegensatz dazu verlief zwei Jahre später eher unscheinbar die technologische Revolution im Gebäude eines Sägwerks des kleinen Nußdorfs unterhalb des Heubergs.

„Im Erdgeschoss dieses Hauses findet die Dynamo von 5000 Watt Leistung entsprechen circa 90 gleichzeitig brennenden 16 NK (Normalkerzen) Glühlampen, und einem Kraftverbrauch von 8,1 PS bei Volllast, im 1.Stock die Accumulatorenbatterie Aufstellung. Letztere besteht aus 66 Zellen mit einer Capazität von 96 Ampèrestunden bei einem höchst zulässigen Lade- und Entladestrom von 32 Amper, ist also im Stande während drei Stunden circa 58 Lampen oder deren Aequivalent zu speisen“, heißt es in den alten Unterlagen aus dem Nußdorfer Gemeindearchiv.

Durch Schwankungen im Stromnetz oder bei der Stromerzeugung kam es oftmals zum Flackern der Glühbirnen. Diesen Umstand setzte der Volksmund dann schnell in einen Spitznamen um und taufte die neue technische Errungenschaft auf „Adamers Lichtspiele“. 1929 tauschte Adamer die Antriebsturbine aus und verlegte die Stromerzeugung in ein kleines Turbinenhaus rund 600 Meter weiter Richtung Inn. Damit gewann er ein zusätzliches Gefälle von 11,40 Metern und konnte mehr Leistung erzielen. „Heute erzeugt der Generator aus dem Jahr 2003 rund 30 Kilowatt und kann so fast 40 Haushalte mit Strom versorgen“, sagte Michaela Firmkäs. stv

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