Oberaudorf – Das evangelisch-lutherische Gemeindezentrum in Oberaudorf ist eine um einen annähernd quadratischen Kirchhof angelegte Baugruppe der Nachkriegsmoderne. Und passt damit perfekt zum Motto des Tages des offenen Denkmals, das dieses Jahr „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“ lautete.
Nach gut zweijähriger Bauzeit wurde am 3.August 1958 die evangelische Auferstehungskirche in Oberaudorf eingeweiht. Nach einem Architektenwettbewerb ging der Auftrag an den in München ansässigen und erst 28-jährigen Architekten Franz Lichtblau. Dieser sollte in den folgenden Jahrzehnten den evangelischen Kirchenbau in Bayern maßgeblich prägen.
Bis zur feierlichen Einweihung ihrer eigenen Kirche hielten die evangelischen Christen ihre Gottesdienste in einem „Betsaal“, der in einem Privathaus an der Bahnhofstraße untergebracht war, ab. Gleichzeitig mit der Kirche wurden Pfarrhaus und Gemeindehaus im gleichen Stil erstellt.
Ein ausschlaggebender Punkt war, dass Lichtblau damals den sogenannten „Keltenhügel“ in seine Planung einbezogen hat, der eine wichtige Stellung im Ensemble mit Kirche, Pfarr- und Gemeindehaus einnimmt. Die Baumaterialien, vorwiegend Holz und Beton, wurden vom damaligen Leiter des Zementwerks, Adolf Lute, gestiftet.
Beeindruckend ist das ganzflächige Wandgemälde im Altarraum, das von der Auferstehung Christi kündet und damit Bezug auf die Namensgebung der Kirche nimmt. In der Mitte des Gemäldes von Hubert Distler befindet sich eine kunstvolle Fensterrosette.
In einer Stellungnahme des technischen Referats beim Landkirchenamt hieß es zum Entwurf Lichtblaus: „Der Entwurf geht liebevoll auf die örtlichen Gegebenheiten ein. Die unaufdringliche, bescheidene Haltung der Gebäude trifft am besten die gestellte Aufgabe. Ob der Turm, besonders bei der gewählten Form, auf dem Hügel stehen muss, ist eine Frage; er könnte wohl auch an der Kirche stehen. Der Kirchenbau tritt durch seinen großflächigen Giebel dem aus dem Ort Kommenden charakteristisch entgegen. Grundriss und Schnitte versprechen einen schönen Kirchenraum. Gemeinsam mit dem Referenten der oberen Baubehörde wird empfohlen, dem Projekt des Architekten Franz Lichtblau, München zur Ausführung näherzutreten.“ Was die Oberaudorfer dann auch taten.
Der freistehende Kirchturm beherbergt drei Glocken mit den Tönen „d“, „e“ und „g“, die den Gottesdienst einläuten. Sie tragen die Inschriften „Ich lebe und ihr sollt auch leben“, „O Land, Land, Land, höre des Herren Wort“ und „Danket dem Herrn und predigt seinen Namen“.