Söchtenau – Es schüttet tagelang wie aus Eimern. Vor lauter Schneeflocken sind die Hände vor Augen nicht zu sehen. Mega-Stau auf der Autobahn. Das Chiemsee-Schiff breitet einen Dieselfilm aus. Wochenlange Dürre und eine weggeworfene Kippe. Wenn es zu einem außergewöhnlichen Schadensereignis kommt, wie einem Hochwasser, einem Waldbrand oder wie zuletzt den extremen Schneefällen im Januar dieses Jahres, dann brauchen die Einsatzkräfte oft bestimmte Dinge in riesigen Mengen. Die keine einzelne Feuerwehr, keine Kommune vorhalten kann. Also tut es der Landkreis. Im K-Lager.
Nachschub, wenn die Eigenmittel ausgehen
Massenhaft Sandsäcke bei einem Hochwasser oder auch Ölschläuche, um ausgelaufenes Öl zu binden. Bei den Schneefällen wurden die Schneeschaufeln knapp. In der Regel haben Feuerwehren oder Hilfsorganisationen, wie die Malteser, das Bayerische Rote Kreuz oder auch das Technische Hilfswerk (THW) Dinge, die sie für ihre Einsätze brauchen, vorrätig. Doch in Extremsituationen kann es passieren, dass sie ihnen ausgehen.
Vor zwei Jahren hat der Landkreis Rosenheim darum ein K-Lager eingerichtet. Ein Lager mit Dingen, die in einem Katastrophenfall gebraucht werden. Es ist Teil der Vorbereitung, denn das Landratsamt ist Katastrophenschutzbehörde auf Landkreisebene. Sollte es zu einer Katastrophe oder einem Großschadensereignis kommen, wird der Einsatz durch die Führungsgruppe Katastrophenschutz im Landratsamt unter der Führung des Landrats und der Abteilungsleitung öffentliche Sicherheit und Ordnung geleitet.
Christian Patsch vom Sachgebiet Öffentliche Sicherheit und Ordnung im Landratsamt hat den Überblick darüber, was alles im K-Lager in Reischach, einem kleinen Ortsteil der Gemeinde Söchtenau, liegt. Nur ein paar Häuser stehen hier, mit schönen idyllischen Bauerngärten. Das Lager ist eine große Halle aus Stein.
In der Front ein großes Tor aus Holz, durch das ein Lkw mit bis zu 7,5 Tonnen fahren kann, um beladen zu werden. Neben der Eingangstür liegt eine Liste, in die jeder einträgt, was er wann geholt oder auch wieder zurückgebracht hat. Die letzten Einträge sind vom Januar, als die Einsatzkräfte tonnenweise Schnee von Dächern geräumt und Menschen auf der Autobahn versorgt hatten, die hier stundenlang im Stau standen.
Schleier in Box 1 bis 11, Einmaldecke in der 16
Die Bestandsliste ist gut gepflegt. Alles hat seinen Platz. Schläuche, Schleier und Vlies, um Öl aufzusaugen und zu binden, liegen in den Boxen 1 bis 11. Auf den Paletten 18 und 19 stapeln sich 200 Fünf-Liter-Kanister in Schwarz und Orange. Sie können mit Benzin oder Diesel befüllt und ausgegeben werden, wenn es zum Beispiel zu einem Mega-Stau auf der Autobahn kommt. 430 Einmaldecken liegen gut verpackt auf Palette 16 und 35000 leere Sandsäcke warten auf ihren Einsatz. Weitere Paletten und Boxen sind gefüllt mit Hygieneartikeln für Damen und Herren, wenn zum Beispiel evakuiert wird und die Betroffenen länger in einer Halle übernachten müssten.
Dachlatten, Spanngurte, Nägel, Absperrbänder, mehrere Zimmererhammer und Chemikalienbinder liegen in den Regale – und auch Schneeschaufeln. „Hier ist alles drin, was man schnell in größerer Menge brauchen könnte“, sagt Patsch.