Pfarrer Amit Sinha Roy kehrt nicht zurück

von Redaktion

Erinnerungen an Raubüberfall führen zu Neubesetzung der Pfarradministration 2020

Tuntenhausen – Er kommt nicht wieder zurück. Pfarrer Amit Sinha Roy verlässt auf eigenen Wunsch den Pfarrverband Tuntenhausen-Schönau und will neu anfangen. Zu belastend sind die Schatten der Vergangenheit an den Überfall 2012 in Tuntenhausen. Sie lassen ihn nicht los. Damals wurde Pfarrer Amit Sinha Roy mitten in der Nacht von zwei maskierten Räubern im Pfarrhaus geweckt, mit einem Brecheisen bedroht und mit Kabelbinder an die Heizung gefesselt (wir berichteten).

Gesuch auf Versetzung

Seither will der Pfarrer den Tätern vergeben, damit er wieder normal und unbelastet leben kann. Denn er ist immer wieder in Behandlung. Vor knapp sieben Jahren half ihm die Trauma-Ambulanz in Bad Reichenhall. Doch unter den Folgen leidet der 47-Jährige noch heute.

Eine längere geplante Auszeit brachte nun die Erkenntnis. Die Zeichen werden auf Neuanfang gestellt. „Wir haben das Versetzungsgesuch von Pfarrer Amit Sinha Roy erhalten“, bestätigte Bettina Göbner, Pressesprecherin im Erzbischöflichen Ordinariat München-Freising, auf Nachfrage unserer Zeitung. Es laufen Gespräche mit dem Geistlichen, ein neuer Einsatzort steht aber noch nicht fest.

Fix ist aber, dass Pfarradministrator Bruno Bibinger bis zum Sommer 2020 die Vertretung zusammen mit Diakon Josef Hilger weiter fortführen wird. „Jetzt wird die Stelle im Pfarrverband Tuntenhausen-Schönau ausgeschrieben und Geistliche können sich hierfür bewerben“, so Göbner.

Auswahlverfahren

noch am Laufen

Wann das Auswahlverfahren abgeschlossen sein wird, konnte Göbner noch nicht sagen. Ende November zur feierlichen Wiedereröffnung der Basilika mit Reinhard Kardinal Marx werde es aber unwahrscheinlich sein, schon einen Nachfolgernamen präsentieren zu können.

„Wir, die Geistlichen, und die ganze Pfarrgemeinde wollen, dass es Pfarrer Sinha Roy gut geht und wünschen ihm alles Gute“, so Bibinger auf Nachfrage unserer Zeitung. Er selbst werde nicht die Nachfolge Sinha Roys antreten, sondern nach seiner Administrationszeit ebenfalls seinen Einsatzort wechseln. Wohin? „Das steht noch nicht fest“, so der Pfarradministrator. Er würdigt die gute Zusammenarbeit mit Hilger und hebt auch das Engagement der Ehrenamtlichen hervor. „Wir stehen zusammen. Das Miteinander ist richtig gut“, betonte der Pfarradministrator.

Die Gläubigen wiederum würden den Turnus – ein Wortgottesdienst pro Woche und eine Messe pro Woche – gut annehmen. „So geht es in den Kirchen des Pfarrverbandes gerecht auf und jede ist versorgt“, betont der Geistliche. Das Verständnis der Gläubigen angesichts Sinha Roys Entscheidung ist groß. Immer wieder hatte er seine Erlebnisse und seine Schwierigkeiten mit der Verarbeitung des Raubüberfalls offen kommuniziert. Auch, dass er das Leben im Pfarrhaus – zusätzlich gesichert nach der Tat – versucht hat und das Großprojekt Basilika-Sanierung koordiniert und vorangetrieben hat, wissen sie zu schätzen. Einfach so gehen lassen, will die Pfarrgemeinde „ihren“ Pfarrer, der seit 15 Jahren in Tuntenhausen seelsorgerisch tätig war, aber nicht. „Es wird ein Abschiedsfest geben. Hierzu wird sich in den kommenden Tagen der Pfarrverbandsrat zusammensetzen“, kündigte Bibinger an. Dann gelte es Termine abzustimmen – vor allem mit der Hauptperson, Pfarrer Sinha Roy. Dann sage der Pfarrverband gemeinsam „Pfiat di God“.

Sanierung

schreitet voran

Indes schreitet die Sanierung der Basilika mit großen Schritten voran. Nach Elektroinstallation und Feinarbeiten kommt zum Abschluss der Einbau der neuen Orgel. Am 24. November soll dann die Wiedereröffnung gefeiert werden. Der Festausschuss plant bereits eifrig an der Umsetzung. „Um 10 Uhr ist Festgottesdienst mit Kirchenzug und Kardinal Marx. Es schließt sich dann eine große, beziehungsweise die Feier heuer in Tuntenhausen an“, gibt der Pfarradministrator einen Einblick in das Festprogramm. Alle – Pfarrgemeinde und Ehrenamtliche – freuen sich bereits Bibinger zufolge auf die Wiedereröffnung. Und nicht nur die Gläubigen im Ort. Sondern auch die zahlreichen Wallfahrer und Pilger. Jüngst war spontan eine Gruppe aus der Pfalz vor Ort. Sie machten unangemeldet Halt in Tuntenhausen und wurden dennoch begrüßt und in Empfang genommen. „Das ist beispielhaft für das Engagement von 15 Ehrenamtlichen. „Sie alle sind voll der Vorfreude auf die Wiedereröffnung der Basilika, ein Markenzeichen der Wallfahrt“, so Bibinger.

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