Erl – Jesus europäisch – unter diesem Motto besuchten Delegierte führender Passionsspielorte die Erler Passionsspiele. Sie alle halten den jahrhundertealten Brauch am Leben.
Erfolgreiche, bewegende und auch anstrengende Monate liegen hinter den Darstellern der Passionsspiele. 550 Erler bestreiten seit Mai jedes Wochenende zwei Vorstellungen der ältesten Passionsspiele im deutschsprachigen Raum. Ein Drittel der Einwohner der Tiroler Gemeinde – Jung und Alt – war und ist mit großer Begeisterung, viel Kondition und Motivation mit dabei. Alle sechs Jahre bringen die Erler „ihre“ Passion auf die Bühne.
Warten auf
die Friseure
Noch bis Samstag, 5. Oktober, sind die Passionsspiele Erl zu sehen. Die „kernig-scharfe“ Inszenierung von Markus Plattner findet großen Anklang. Interessierte dürfen sich auf einen kulturellen Hochgenuss inmitten der Tiroler Bergwelt freuen. Nach der letzten Vorstellung warten die Friseure: Dann werden die langen Haare und die Bärte, die sich die Männer für das Schauspiel wachsen ließen, geschnitten – dies symbolisiert den „Schlusspfiff“ für die Erler Passionsspiele 2019.
Damit halten sie einen jahrhundertealten Brauch am Leben. Von 13. bis 15. September 2019 waren Delegierte führender Passionsspielorte zu Gast in Erl. Vertreter aus St. Margarethen, Mettmach, Kirchschlag, Feldkirchen, Eibesthal, Thiersee und Dorfstetten kamen zum „Österreich-Treffen“ nach Tirol. 50 Gäste, darunter der Vorstand der Europassion, Generalsekretär Josef Lang, trafen zum Informationsaustausch zusammen und erlebten eine begeisternde Vorstellung der Erler Passionsspiele 2019.
Die Darstellung der Passion hat in Europa eine große Tradition. Derzeit werden in vielen Orten Europas Passionsspiele aufgeführt, dazu kommen noch viele Passionsdarstellungen und Passionsprozessionen in der Karwoche.
Die Idee, Passionsspielgruppen aus West- und Osteuropa in einer Vereinigung zusammenzuführen, entstand bereits vor nahezu 30 Jahren und führte zur Gründung der Europassion. Als unermüdlicher Kämpfer für diese Idee gilt Maurice Clos aus Paris, der 2009 im Alter von 98 Jahren in Paris verstorben ist.
Im Mai 1982 fand in Spanien ein Treffen der Passionsspielorte Loudéac, Nancy, Masevaux aus Frankreich und Ulldecona, Olesa de Montserrat und Esparreguera aus Spanien statt. Die Idee zu diesem Treffen entstand im Kloster Montserrat. Hier wurde bereits die Idee einer Dachorganisation von Passionsspielorten aus verschiedenen Ländern aufgegriffen.