Samerberg – Wie bereits berichtet, haben kreative und aufklärungswillige Bäuerinnen, zusammen mit dem örtlichen Tourist-Büro und Handwerkern, Verbänden, Vereinen sowie vielen weiteren Helfern und Sponsoren zwei Landwirtschaftswege durch die Region sehr anschaulich und informativ gestaltet. Ziel ist es, den Menschen die Arbeit der Samerberger Bauern in Wort und Bild näherzubringen und vor allem verständlicher zu machen.
Alm-Wirtschaft auf zwölf Kilometern
Nach einem Jahr intensiver Vorbereitungen war es im Frühjahr soweit, dass die beiden landwirtschaftlichen Wege ihrer Bestimmung übergeben werden konnten. Dabei unterscheidet nicht nur die maßgebliche Initiatorin Roswitha Estermann grundsätzlich zwei Arten der landwirtschaftlichen Tätigkeit am Samerberg. Zum einen ist es die Talwirtschaft, die in einem rund 7,3 Kilometer langem Rundweg ausführlich von Bauers Seite beleuchtet wird (wir berichteten) und zum anderen erfährt der Wanderer auf der Almrunde über zwölf Kilometer alles über die oftmals schwierige Arbeit der Bauern auf den Almen.
Vier bis fünf Stunden für die Almrunde
Wie bei einem Rundweg üblich, kann man überall „einsteigen“, und man kommt dann irgendwann wieder am Ausgangspunkt zurück, allerdings sollte man schon etwas Zeit und Kondition mitbringen. Vier bis fünf Stunden, je nach Intension und Kondition des Wanderers sind realistisch und es sind knapp 500 Höhenmeter zu überwinden. Beim Einstieg in die Almrunde im Ortsteil Grainbach/Oberdorf kann man es locker angehen lassen und sich noch einmal stärken.
An der wenig befahrenen Straße stehen gleich zwei Informationstafeln die zu den Bedürfnissen der Rinder auf den Almen und speziell auf das in der Region vorherrschende Fleckvieh Stellung nehmen. Immer auf den Punkt bringt es die kleine Fleckviehkuh am linken unteren Rand der jeweiligen Tafeln, die stolz mitteilen darf, dass die bayerischen Kühe die niedrigsten Zellzahlen und somit auch die beste Eutergesundheit haben.
Neben den zwei Tafeln ist die neue hölzerne Ruhebank nicht nur eine kurze Rast, sondern auch einen längeren Blick wert. Denn auf der Rückenlehne ist eine Almbäuerin mit ihrem Vieh beim Auf- oder Abtrieb zu sehen; eine sehr gelungene künstlerische Holzschnitzarbeit der Almwirtschaft.
Kräuterduftende Milch und quirlige Forellen
Im Ortsteil Lochen erfahren Wanderer dann alles Wichtige über die Milch, „ein hochwertiges Lebensmittel“, das hier besonders gut schmeckt, da durch die artenreichen Grünflächen, auf denen die Kühe grasen, sich die Pflanzenvielfalt ihrer Nahrung in der Milch und deren vielen Nebenprodukten wie Käse, Butter, Joghurt oder Sahne niederschlägt. Direkt neben der Tafel macht ein kleiner Fischteich mit glasklarem Wasser und quirligen Forellen Lust auf mehr.
Bergbauern sind eine schützenswerte Zunft
Weiter geht es über den Ortsteil Hartbichl nach links in Richtung Lochen Alm. Dort zeigt für diejenigen, die es noch nicht wissen, eine Infotafel auf, warum „Bergbauern – eine schützenswerte Zunft“ sind. Auch die Information, dass man Bergbauer nur dann ist, wenn der Betrieb eine Hanglage aufweist und entweder mindestens 500 oder gar 700 Meter hoch gelegen ist, hatte bisher sicher nicht jeder. Nicht nur wegen der zu bewirtschaftenden Höhe und Lage ist die Bergbauernmilch natürlich besonders knapp, auch wegen der traditionellen Fütterung der Milchkühe ist sie besonders schmackhaft und beim Verbraucher gefragt.
Immer weiter geht es über die in der Morgensonne liegenden, in herrlichem satten Grün strahlenden Wiesen, auf denen das Samerberger Fleckvieh ausgiebig weidet und wiederkäut. Der Weg geht so manches Mal mitten durch die weidende Kuhherden, wobei schon erkennbar ist, dass sich die Neugierde der Tiere mit einer gewissen Scheu vor dem Menschen die Waage hält. Und genauso sollte es auch der Wanderer empfinden, über dessen Kopf jetzt die Gondeln der Hochriesbahn nahezu lautlos in Richtung Bergstation schweben.
Bewirtung auf der Alm genießen
In nicht mehr allzu weiter Ferne lädt die weithin sichtbare Käser Alm zur verdienten Rast ein, da hier geschätzt die Hälfte des Rundwegs absolviert ist. Nach ausgiebiger Füllung des Magens in angenehmer Atmosphäre ist auch der Geist wieder wach und so nimmt man die Informationen rund um die „Bewirtung auf der Alm“ gerne auf. Die besagen nämlich, dass sich im Gemeindegebiet Samerberg 37 Almen befinden, die auf einer Höhe zwischen 800 und 1500 Metern liegen. Und wer es selbst noch nicht genossen hat, dem wird nahegebracht, dass eine Brotzeit auf der Alm immer was Besonderes und Außergewöhnliches ist.
Nun frei von jeglichem Hungergefühl und gestärkt für die anstehenden Herausforderungen geht der Blick nicht nur in die Höhe, wo der Gipfel der Hochries schimmert und die vielen bunten Gleitschirmflieger die Thermik nutzen. Die Augen des Besuchers erfahren beim Blick nach rechts oder links eine Vielzahl sehenswerter Eindrücke, die es sich aufzunehmen lohnt. Da ist beispielsweise der kleine Teich inmitten Schatten spendender Bäume oder auch der versumpfte ehemalige Badeweiher „Scheibenmoos“, in dem nahezu die gesamte bäuerliche Jugend am Samerberg das Schwimmen lernte. Heute muss sie dafür ins Schwimmbad – ein Naturbad am Berg.