Rohrdorf – Ab dem kommenden Frühjahr wird es für die Rohrdorfer Bürger eine deutliche Verbesserung im öffentlichen Nahverkehr geben. Auf seiner letzten Sitzung beschloss der Gemeinderat bei einer Gegenstimme, sich am Anrufsammeltaxi (AST) zu beteiligen, dessen Gebiet derzeit Rosenheim, Stephanskirchen und Riedering umfasst. Abfahrtspunkte des Taxis sind zunächst alle öffentlichen Bushaltestellen, die von 5 Uhr morgens bis 1 Uhr nachts nach einem festgelegten Fahrplan angefahren werden. In den Morgen- und Abendstunden ist der Takt halbstündlich, dazwischen werden die Haltestellen stündlich angefahren.
Haltestellen werden bei Bedarf angefahren
Allerdings erfolgt die Anfahrt an die Haltestellen nur bei Bedarf: Es genügt also nicht, sich einfach an die Haltepunkte zu stellen, man muss spätestens eine halbe Stunde vor der fahrplanmäßigen Abfahrtszeit bei der Sammeltaxizentrale anrufen, angeben an welcher Haltestelle man abgeholt werden möchte und wie viel Personen zusteigen werden.
Dafür bietet das Sammeltaxi am Zielort einen besonderen Service, man wird dort nicht an irgendeiner Haltestelle abgesetzt, sondern direkt zur gewünschten Adresse gefahren. Wer beispielsweise in der Rosenheimer Stadtmitte beim Einkaufen war und zurück nach Rohrdorf möchte, wird ab Frühjahr nächsten Jahres nur noch beim Sammeltaxi anrufen müssen und dann zur nächsten Bushaltestelle gehen – von dort wird er dann samt der vollen Taschen bis zur eigenen Haustüre gefahren.
Die Kosten dafür liegen bei diesem Beispiel bei fünf Euro, Kinder und Jugendliche von vier bis 15 Jahre fahren für 3,50 Euro, kleinere Kinder umsonst. Innerhalb der Gemeinde Rohrdorf werden die entsprechenden Fahrpreise bei 3,50 Euro beziehungsweise 2,50 Euro liegen. Wer kein Handy hat und deshalb nicht ohne Weiteres von unterwegs aus anrufen kann, kann die Rückfahrt auch schon von zu Hause aus organisieren, er muss dann nur zusehen, auch rechtzeitig an der vereinbarten Bushaltestelle zu stehen.
Um das Sammeltaxi auch wirklich attraktiv zu machen, wird man in Rohrdorf und den umliegenden Ortsteilen zusätzlich zu den Bushaltestellen weitere Haltestellen einrichten, die dann durch Schilder deutlich gekennzeichnet sind. Über die Verteilung dieser zusätzlichen Haltestellen wird in den nächsten Monaten entschieden. Und noch einen besonderen Service gibt es: All jene, die unter einer mehr als 50-prozentigen Behinderung leiden, sind überhaupt nicht auf eine Haltestelle angewiesen, sie werden schon bei der Abfahrt direkt zu Hause abgeholt.
Mit der Einrichtung des Sammeltaxis werden also sowohl räumliche als auch zeitliche Lücken im „normalen“ öffentlichen Nahverkehr geschlossen werden, ein Service, der die Gemeinde nach den Hochrechnungen der Stadtwerke Rosenheim rund 38000 Euro pro Jahr kosten wird. Ein Betrag, der sinken könnte, wenn im Jahr mehr als die geschätzten 3000 Personen die Dienste des Sammeltaxis in Anspruch nehmen.
Der Preis pro Fahrt ist dabei übrigens keine Stellschraube, an der man drehen könnte, er ist den Stadtwerken vorgegeben, weil diese anderen öffentlichen Verkehrsalternativen, wie zum Beispiel dem Bus, keine Konkurrenz machen dürfen.
Vertrag auf drei
Jahre abgeschlossen
Dafür, dass es sich bei dem Anrufsammeltaxi nicht um einen kurzfristigen Versuch handelt, sorgt schon allein der Vertrag mit den Stadtwerken, der zu Anfang auf drei Jahre abgeschlossen werden muss. Für Zweiten Bürgermeister Joachim Wiesböck (CSU) ein durchaus sinnvoller Zeitraum, „denn es wird sicher einige Zeit dauern, bis sich diese neue Möglichkeit in unseren Köpfen verankert hat“.
Das Konzept des Sammeltaxis als solches ist dabei durchaus erprobt, man kann bei den Stadtwerken mittlerweile auf eine Erfahrung von 26 Jahren zurückblicken: „Und bislang“, so sagte Franz Gerthner, Bereichsleiter bei den Stadtwerken, der dem Gemeinderat das Konzept vorstellte, „haben wir selbst zu Stoßzeiten, wie Herbstfest oder Neujahr, die Fahrdienste fahrplangerecht abwickeln können“.