Der Gemeinderat kreiselt

von Redaktion

Sicherheit Kreisverkehre sollen zwei Gefahrenstellen in Stephanskirchen entschärfen

Stephanskirchen – Nicht leitungsfähig, deutlich gestiegene Unfallzahlen – an der Einmündung der Lauterbacher Straße (Kreisstraße RO5) in die Rohrdorfer Straße (Staatstraße 2359) muss etwas geschehen, findet das Straßenbauamt. Und rennt damit beim Gemeinderat offene Türen ein.

Ludwig Weger und Florian Deininger vom Straßenbauamt stellten jetzt die Planung für eine Neuordnung an der Einmündung vor. Mehrere Varianten waren unter die Lupe genommen worden, geeinigt haben sich die Planer dann auf einen Kreisverkehr mit Bypass. Auf dem Bypass wird der Verkehr aus Richtung Rosenheim in Richtung Thansau/Rohrdorf am Kreisverkehr vorbeigeleitet. Das sei vor allem abends wichtig, wenn innerhalb kurzer Zeit die Berufspendler dort unterwegs sind. Die Linksabbieger Richtung Niedermoosen stauten sich nicht selten bis zum Bahnübergang zurück, so Weger. Der Bypass soll Linksabbieger und Geradeausfahrer entflechten, so den Rückstau minimieren.

Damit hatte nicht nur Zweiter Bürgermeister Karl Mair (Parteifreie) leise Probleme: Die Linksabbieger Richtung Thansau könnten sich zu einer neuen Gefahrenquelle auswachsen, befürchteten mehrere Ratsmitglieder. Durch die Verschwenkungen des Bypasses würden die Fahrer auf der Staatsstraße gebremst, meinten hingegen die Männer vom Straßenbauamt, und die Einfädelspur laufe lange genug parallel. Florian Beck (Bayernpartei) und Dr.Rolf Löffler (CSU) kennen ähnliche Kreisel/Bypass-Varianten, sind von der Planung angetan, Anton Forstner (CSU) befand, „schön, dass sowas mal von Amtswegen passiert.“ Nur Margit Sievi (SPD) äußerte Kritik: Es sei schon bemerkenswert, wie opulent für Autofahrer geplant werde und für Radfahrer nicht.

„Drüberbrettern“

ins Nirwana

Johannes Lessing (Die Grünen) erntete Verblüffung, als er wissen wollte, ob die Kreiselmitte so gestaltet sei, dass man nicht „drüberbrettern“ könne. Zum einen werde sie leicht erhöht und begrünt, zum anderen: „Das ist ein dreiarmiger Kreisel – geradeaus drüber geht‘s ins Nirwana“, so Weger. Die Arbeiten sollen 2020 beginnen, die Vereinbarung zwischen Straßenbauamt und Landkreis ist schon in trockenen Tüchern. Ein Problem gibt es noch: Der Chiemsee-Ringkanal mündet just dort in den Inn. Dafür muss noch eine bautechnische Lösung gefunden werden.

Die beiden Herren vom Straßenbauamt blieben gleich sitzen, denn die Gemeinde hatte einen Antrag gestellt, dass an der Kreuzung Staatsstraße 2095/ Kronstaudener Weg/Högeringer Straße ein Kreisverkehr gebaut werden soll. Es habe schon öfter Vorstöße in die Richtung gegeben, so Bürgermeister Rainer Auer (parteilos), und auch eine Ortsbegehung mit dem damaligen Chef des Straßenbauamtes fand statt. Er wisse aus eigener Erfahrung, dass vor allem morgens die Situation dort oft gefährlich sei, wenn Schüler- und Berufsverkehr die Kreuzung gemeinsam passieren wollen – im fließenden Verkehr, der meist mit deutlich mehr als 80 Kilometern pro Stunde auf der Staatsstraße unterwegs sei. Verstärkt werde das noch durch die neue Privatschule, die in Högering ansässig ist.

Zahlen geben keinen Kreisverkehr-Bau her

Deininger und Weber verwiesen darauf, das die Zahlen, vor allem die durch die Polizei verifizierten Unfälle, dort den Bau eines Kreisverkehrs nicht hergeben. Margit Sievi meinte erbost, Richtlinien und Kennzahlen seien ja gut und schön, hätten aber oft mit der Realität nichts zu tun und bedürften einer Überarbeitung. Petra Hofmann (CSU) hielt fest, dass es zu spät sei, wenn erst etwas passiert wäre, wenn die Unfallzahlen stiegen, „wir müssen dranbleiben.“ Die Vertreter des Straßenbauamtes hatten einen Rückschnitt der Bepflanzung vorgeschlagen, um die Situation übersichtlicher zu machen. Beck, Kommandant der Stephanskirchner Feuerwehr und gelegentlich an der Kreuzung im Unfalleinsatz, fände eine Verringerung des Tempos gut, denn die Sichtprobleme wegen Nebels oder Sonnenstandes seien nicht zu ändern.

Auch wenn Weger und Deininger dem Gemeinderat wenig Hoffnung machten, sah dieser es so, wie Ludwig Demberger (SPD): „Es ist eine politische Entscheidung fällig.“ Die fiel einstimmig: Der Rat hielt an dem Kreisel in Högering fest.

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