Schwere Zeiten gemeistert

von Redaktion

Stephanskirchener Sozialwerk feiert 50. Geburtstag

Stephanskirchen – Die Qualität und die finanzielle Entwicklung sind gut, aber dennoch hat das Sozialwerk Probleme: Fachkräftemangel und sinkende Mitgliederzahlen.

880 Mitglieder hat das Sozialwerk Stephanskirchen derzeit. In den 50 Jahren seines Bestehens waren es schon mehr – und geht es nach dem Vorstand, sollen es auch wieder mehr werden. Dafür warb der Zweite Vorsitzende, Stephan Mayer, jetzt auch im Gemeinderat. Mehr Mitglieder? Ja, denn alles, was nicht klassische Pflege ist – also Angebote wie Gedächtnistraining, Tanzkreis oder Seniorentreffen – wird aus den Mitgliedsbeiträgen finanziert. Deswegen sind auch passive Mitglieder sehr willkommen.

Personalmarkt

ist leer gefegt

Ziel des Sozialwerkes ist es laut Mayer, die Patienten zu befähigen, so lange es geht in gewohnter Umgebung zu bleiben. 24 festangestellte Pflegekräfte und Hauswirtschafterinnen sowie zehn Aushilfen arbeiten daran. Und es dürften gerne mehr sein. „Wir suchen händeringend Pflegerinnen, Pfleger und Hauswirtschafterinnen, aber der Markt ist leer gefegt“, so Mayer. Und das Personal wisse genau, was es wert sei. Weswegen die Personalkosten 2018 deutlich stiegen. Das Sozialwerk würde auch ausbilden, so Mayer auf Nachfrage von Johannes Lessing (Die Grünen), aber auch Azubis seien nicht zu bekommen.

Also kümmert sich das vorhandene Personal liebevoll um die rund 130 Patienten. Dass das reibungslos klappt und qualitativ hochwertig passiert, darum kümmert sich Pflegedienstleiterin Mechthild Unterseher mit ihrer Stellvertreterin Petra Stahl und der Verwaltungsleiterin Monika Strauß. So erfolgreich, dass das Sozialwerk Stephanskirchen bei Überprüfungen durch den medizinischen Pflegedienst mit Noten zwischen 1,0 und 1,3 abschneidet. Dieser Teil der Arbeit des Sozialwerks wird von den Kassen finanziert. Das wäre auch allein über Mitgliederbeiträge nicht zu stemmen.

Mayer erinnerte daran, dass 2008 die Personalkosten den Umsatz des Sozialwerkes um rund 100000 Euro überstiegen, die finanzielle Lage verheerend war. Die Gemeinde habe glücklicherweise bedingungslos am Sozialwerk festgehalten und finanzielle Unterstützung geleistet. Heute, nach einer großen Neuorganisation, sei man gut aufgestellt, der Umsatz betrage etwa eine Million Euro. Angesichts der steigenden Personalkosten müsse der Vorstand bei den Finanzen dennoch wachsam sein.

Der Vorstand, denn das Sozialwerk Stephanskirchen ist ein eingetragener Verein. Vorsitzender ist seit drei Jahrzehnten Dr.Andreas Daxer, Mayer ist seit zwei Jahren Zweiter Vorsitzender und Martin Baierl, ehemals Zivi beim Sozialwerk, ebenso lange Dritter Vorsitzender.

„Tag der offenen Tür“ am 19. Oktober

Die Aufgaben und Angebote des Sozialwerks können sich alle Interessierte anlässlich des 50-jährigen Bestehens bei einem „Tag der offenen Tür“ im und am Gebäude des Sozialwerks in der Schömeringer Straße am 19. Oktober genauer anschauen und erklären lassen, machte Mayer Werbung.

Wie es denn mit eben diesem Gebäude aussehe, wollte Hubert Lechner (Parteifreie), der das Sozialwerk als „Riesenglücksfall“ empfindet, wissen. Das platzt nach Mayer und Petra Hofmann (CSU), Schriftführerin des Vereins, aus allen Nähten. Das Problem sei schon mit dem Kämmerer besprochen worden, so Hofmann, und Mayer hofft auf intensive Gespräche zwischen Sozialwerksvorstand und Gemeinderäten, wenn das Thema akut wird.

Zweiter Bürgermeister Karl Mair (Parteifreie) wollte von Mayer wissen, wohin denn die Entwicklung gehe. In Richtung zunehmender Pflegefälle, so Mayer, die Bevölkerung werde ja immer älter. Bürgermeister Rainer Auer (parteilos), selbst einer aus den geburtenstarken Jahrgängen der 60er-Jahre, schaute zwei bis drei Jahrzehnte nach vorne und sagte: „Wehe, wenn wir späten Babyboomer mal alt werden. Dann sind ganz viele alt!“

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