Haag – Die schmucke Kapelle, die zu Rosenkranzandachten und Bestattungsfeierlichkeiten genutzt wird, ließ die Gemeinde im Jahr 1999 mit Mitteln der Städtebauförderung restaurieren. Einige Jahre zuvor hatte die Erneuerung der Friedhofsmauer Priorität. Maßnahmen gegen Feuchtigkeit in den Mauern der Kapelle verschlangen damals rund 100000 Mark. Wasser stieg immer wieder hoch und verunzierte die Wände links und rechts mit großen weißen Flecken.
Vorgängerbau war schon vorhanden
40 Jahre, bevor sich die Haager entschlossen, ein Leichenhaus zu errichten, wollten sie als Wichtigstes für ihren Friedhof eine Kapelle. Ein Vorgängerbau war schon vorhanden, wie Dr. Eugen Kellner, Erforscher der Haager Pfarrgeschichte, nachgewiesen hat. Der damalige Pfarrer Michael Wandner habe 1829 die aus Holz bestehende und morsche „Gottesackerkapelle“ durch einen Bau aus Backsteinen und Ziegelplatten ersetzen lassen. Am Fest Peter und Paul erfolgte die Grundsteinlegung. So wurde ein Jahr darauf nach Fertigstellung der Altar auch den beiden Apostelfürsten geweiht.
Ausführender Bauherr war damals der Haager Maurermeister Anton Egger. Die Mittel dazu spendeten die Gläubigen der Gemeinde, auch durch freiwilliges „Handschaarwerg“.
500 Gulden zahlte Benefiziat Scheicher aus eigener Tasche dazu, bevor Erzbischof Lothar Anselm vonGebsattel die Einweihung vornahm. Eine neue Anlage des Friedhofs drumherum erfolgte 1830. 18 Jahre später nach dem großen Haager Brand diente die Kapelle als einziger Zufluchtsort für Gebet und Messe.
Die ursprünglich nachbarocke Form wurde beim ersten Umbau 1890 im Sinne der Spätromantik verändert. Daher genau stammen aber die Besonderheiten, die Ausmalungen, vom Landesamt für Denkmalpflege als „von großer Seltenheit“ eingestuft. Damals kamen auch die drei Deckengemälde des dreijochigen Tonnengewölbes hinzu. Das Zentralthema ist dem Patrozinium der Pfarrkirche angelehnt, Mariä Himmelfahrt.
Charakteristisch für die Spätromantik sind ferner die Draperien, die malerischen Nachahmungen eines Vorhangs rund um den Innenraum.
Auf den Vorgängerbau reicht nur das Trenngitter zurück, das sich mit reicher nachbarocker Ornamentik graugrün und vergoldet zwischen Gestühl und Altarraum schiebt. Ebenfalls erst zur Zeit des Umbaus konnte die Lourdes-Grotte hinter dem Altar verwirklicht werden. Auf ihr lag vor über 20 Jahren eine zehn Zentimeter dicke Staubschicht. Schon damals wurden übrigens die Figuren zu den unteren Nischen vermisst. Sie blieben bis heute verschwunden. Ein weiteres Problem aus früheren Tagen wird heute nicht mehr genannt, die Holzwurmbekämpfung.
Im kommenden Jahr könne die Gemeinde die nächste Sanierung anpacken, kündigte Bürgermeisterin Sissi Schätz an. Ein Restaurator sei bereits nachgefragt. Die Denkmalschutzbehörde habe die Notwendigkeit der Erneuerung bestätigt, nicht nur zum Beheben der feuchten Wände, sondern auch zum Schutz der künstlerischen Ausstattung.