Eggstätt – Fragt man den allwissenden Herrn Google nach „Jakobo“, kommt als erster Vorschlag „Jakobo Eggstätt“. Da hat sich einer einen Namen gemacht.
Das war dem kleinen Jagge nicht an der Wiege gesungen. Die stand vor 52 Jahren in Prien – „Kaiserschnitt, darum die schöne Nase“, meint er.
Sein Kinderzimmer ist die Küche beim Eggstätter Unterwirt, das Reich seiner Mutter. Der Bua kann kaum stehen, da will er beim Kochen und Backen helfen. „Ich wollte schon immer Koch werden“, erzählt Jakobo. Seiner Mutter kann er nur selten etwas recht machen. „Das hat sich bis heute nicht geändert“, sagt er und das vergnügte Gesicht wird ernst.
Es zieht ihn immer wieder fort
Deswegen zieht es ihn immer wieder fort. Lehre in Prien, „den Weißbräu gibt‘s so nicht mehr“, Jungkoch bei den Eltern – und im Winter in Reit im Winkl oder Inzell. Und dann geht es ganz weit weg. Jakobo machte Wehrdienst. Bei der Marine, in der Marineversorgungsschule in List auf Sylt. Natürlich als Koch. Und jedes Wochenende heim, Freunde treffen. Gut 2200 Kilometer hin und zurück. „Kumpels sind halt wichtig“, lacht Jakobo.
Die Hotelfachschule wird sein Leben auf den Kopf stellen. Denn ein Mitschüler will ins Ausland, lässt sich von Jakob – so nennen ihn seine Kollegen – Löcher in den Bauch fragen. Und der ehemalige Jagge beschließt, auf jeden Fall mal im Ausland zu arbeiten. Zwei Jahre später steht er auf Fuerteventura in einer Großküche, kocht mittags und abends für das Buffet. Am 15.Januar 1994, mit 27 Jahren, wird aus Jagge Jakobo.
„Jeden Tag Riesenspaß in der Küche und dann noch soooo viel dazulernen – Fuerte war mein Traum!“ Trotzdem kommt er zurück, bleibt aber nicht lange in Eggstätt. Das alte Problem: Mama kann er immer noch nichts recht machen. Also ab ins Fischerstüberl nach Attel, lernen, was man so alles mit Fisch anstellen kann. Dann siegt wieder das Fernweh, es geht erneut nach Fuerteventura.
Dort schließlich fasst Jakob Widemann, Jakobo genannt, den Entschluss, im Chiemgau in Eggstätt, 3000 Einwohner, eine Tapasbar aufzumachen.
Mediterrane Einflüsse beim Unterwirt hatte sich Mama verbeten, also wird es nichts mit der Nachfolge. Sein Bruder, der ein Café aufbauen soll, geht zum Unterwirt und Jakobo baut ein Haus. „Ich wusste genau, was ich wollte: Ein Haus, das aussieht wie ein alter Bauernhof, mit Dielenboden, Nischen und Ecken. Ich wusste aber nicht, wie ich‘s mache“, erzählt Jakobo. Das weiß aber der Architekt – der dann das ganze Haus um die von Jakobo geplante Küche entwerfen muss. „Die Küche ist doch das Herzstück“, sagt der leidenschaftliche Koch.
Am Anfang, im September 2000, ist er mehr Konditor: Zehn Torten pro Tag am Wochenende sind keine Seltenheit. Abends gibt‘s bayerische Küche mit spanischen Einsprengseln. Noch ist Jakobo ein Stück weg von der Tapasbar.
Tapasschalen in den Urlaubsklamotten
Aber Tapasschalen gibt‘s hier ja auch nicht. Die bringt er, vorsichtig zwischen den Klamotten verpackt, aus dem Urlaub mit. Und dann geht‘s los. Wurstsalat, Obazda und Co. fliegen eins ums andere von der Speisekarte, werden allmählich von Tapas ersetzt. Die Dorfbevölkerung bleibt aus.
„Am Anfang war‘s schon zäh, dass war‘s im Winter manchmal nur ein Tisch“, erinnert sich Jakobo heute entspannt. Fünf Jahre Durchhaltevermögen habe er gebraucht – und Freunde für die moralische Unterstützung. Und ein gutes Team. „Ich habe ein Superteam aufgebaut“, strahlt Jakobo. Ein Team, das es dem extrovertierten Chef ermöglicht, mal mit Frau Stefani zu entspannen oder Freunde zu besuchen und sich bekochen zu lassen. Gerne auch von befreundeten Wirtskollegen. Braten, Pizza, Sushi, der leidenschaftliche Koch mag alles. „Sieht man doch“, schmunzelt er.
Spanische Küche, echt und ausgezeichnet
Kochen tut er am liebsten spanisch/kanarisch, nach wie vor. Und das ausgezeichnet. Sagen nicht nur seine Gäste. Seit Kurzem steht in seiner rot-gelb-hölzernen Tapasbar ein weißer Gastro-Preis, für das „Lokal des Jahres 2019 (spanisch)“. Nur ein zweites spanisches Lokal, im Bayerischen Wald, bekam ebenfalls eine Auszeichnung.
Doch, da ist der „Herr Jakobo“– auf seinen Nachnamen verzichtet er, wann immer es geht – schon ganz schön stolz. Und schaut sich glücklich in seinem Lokal um. In dem an einem ganz normalen Mittwochvormittag fast alle Plätze für den Abend reserviert sind. „Jetzt läuft‘s“, strahlt Jakobo.