Haag – Von der momentan in der bayerischen Politik debattierten Zweitwohnung scheinen auch die Haager Störche nichts zu halten. Sie bevorzugen trotz Alternativangeboten nach wie vor ihr altes Quartier auf dem Rößler-Kamin der einstigen Gerberei an der Kirchdorfer Straße. Der Abriss des Kamins ist nach wie vor ungewiss.
Wenn es nach den Absichten der Gemeindeverwaltung und des Bund Naturschutz gegangen wäre, hätten die Störche schon im April ein neues Heim beziehen müssen. Eine statistische Untersuchung hatte ergeben, dass der unter Denkmalschutz stehende Rößler-Kamin nicht mehr sicher sei und durch heftige Stürme umgerissen werden könnte.
Aus der Gemeinde meldete man gar im ersten Moment, der Kamin müsse „rückgebaut“ oder abgerissen werden. Zum aktuellen Stand berichtet Bürgermeisterin Sissi Schätz (SPD), der Kamin gelte als „stark einsturzgefährdet“. Deshalb habe die Gemeinde die in der Nähe befindlichen Parkplätze an der Rute gesperrt. Ob überhaupt, wann oder wie er abgerissen werde, könne heute noch niemand sagen: „Es laufen Gespräche zwischen Denkmalamt und Eigentümer.“ Eines sei gewiss: „Die Störche lässt das kalt.“
So errichtete man den beiden Haager Weißstörchen aus der Ordnung der „Ciconiaformes“ eine Zweitwohnung mit großem Nest auf einem ehemaligen Kraftwerkemasten einige Schritte weiter entfernt auf dem Parkplatz an der Rute. Dieses Nest lag deutlich niedriger, hätte jedoch für die Patienten des daneben gelegenen Krankenhauses interessante Einblicke garantiert. Bei dieser Aktion wurde das alte Nest zerstört, um den Umzugswillen der Vögel zu unterstützen. Dabei, vermutet der Haager Hobby-Orni-thologe Willi Sagmeister, wurde die Aufzucht des Storchenpaares getötet.
In mühsamer Aufbauarbeit sammelten die beiden Störche wieder Material von rundum und bastelten an einem neuen Nest auf dem alten Standort im Rößler-Kamin. Das wollte man aber von offizieller Seite nicht hinnehmen, da doch der Abriss des maroden Kamins drohte und die Tiere nicht heimatlos werden sollten. Man wollte sie vielmehr im Haager Zentrum behalten.
Experten des Vogelschutzbundes eingeschaltet
So wurden die Experten des Vogelschutzbundes eingeschaltet. Ein neues Nest wurde gefertigt und in präziser Transaktionsleistung per Kran auf den Standort am Rathausdach gehievt. Die Störche klapperten mit ihren Schnäbeln, schlugen mit ihren Flügeln und schwangen sich hinunter auf die Wiesen der Umgebung zur Nahrungssuche. Danach kehrten sie zum Mittagsschläfchen wieder in ihr neues altes trautes Storchenheim auf dem Rößler-Kamin zurück. Die Störche ließen die Angebote von Gemeinde und Naturschutz sprichwörtlich links liegen und widmeten sich der Sanierung ihres Altbaus, auf dem sie wohl auch zu überwintern beabsichtigen.