Kiefersfelden/Oberaudorf – Es ist eine Zeitreise der besonderen Art: Nach 30 Jahren Bühnen-Aus gehen die Nußlbergbuam (NBB) wieder auf Brasilientournee. Gründungsmitglied Sepp Gruber: „Es ist für uns eine große Freude, wieder eingeladen worden zu sein. Es wird interessant zu sehen, wie sich das zweitgrößte Fest nach dem Carneval do Brasil über die Jahrzehnte hinweg verändert hat.“ 1986 traten die damals noch jungen Buam ihre erste Reise in den Süden Brasiliens an. Der Oberaudorfer Kirchenmusiker Hans Berger hatte den Kontakt hergestellt und war auch selbst zusammen mit seiner inzwischen verstorbenen Frau Rosi mit dabei.
„Das war schon ein beeindruckendes Erlebnis. Viele von uns waren das erste Mal auf so großer Auslandsreise. Und in Blumenau, der Großstadt im Bundesstaat St. Catarina, waren wir quasi ab unserem ersten Auftritt beim Oktoberfest echte Stars“, erinnert sich Josef Gruber, „von Medien umringt, von den Oktoberfestbesuchern umjubelt“.
Einer blieb in
Brasilien
Da fiel so manch‘ einem Musikanten die Heimfahrt schwer, einer von ihnen – Alois Hofmann – kehrte seiner bayerischen Heimat sogar den Rücken und blieb in Brasilien – bis heute. Manchmal packt ihn das Heimweh, dann besucht er seine Kinder und Enkelkinder in Deutschland und natürlich seine alten Musikantenfreunde. Auch bei ihnen ist die Zeit nicht stehen geblieben. Von der Erstformation sind inzwischen schon zwei Nußlbergbuam gestorben: Hans Schäffler und Claus Hilger. Aus den einstigen Jungspunden sind gestandene Familienväter geworden.
„Besonders stolz macht uns, dass uns jetzt nach Brasilien mit Christian Gruber, Christoph Maier und Martin Kurz schon die eigenen Söhne begleiten“, so Josef Gruber. Das musikalische Gen hat sich also erfolgreich durchgesetzt. Seit Monaten probt die 15-köpfige Combo für den Einsatz im Oktoberfest. Zweieinhalb Stunden täglich muss abends aufgespielt werden – „Nonstop“, schmunzelt Trompeter Josef Gruber.
Vor allem galt es Notenmaterial zu sichten. Vieles, was von den damaligen Nußlbergbuam noch vorhanden war, wurde von Klaus Maier in aufwendiger Arbeit neu arrangiert. Und natürlich waren neue Hits einzustudieren. „Mein Favorit? Eindeutig Cordula Grün“, lacht Christoph Maier. Ihr neues Programm stellten die Buam schon bei ihrem Auftritt beim Kieferer Bierzelt vor – viele der Besucher, die die NBBs noch von früher kannten, waren sichtlich gerührt.
„Da fühlt man sich in die Jugendzeit versetzt“, gesteht ein nicht mehr ganz so junger NBB-Fan mit Blick auf diesen so besonderen Bierzeltabend. Natürlich schwelgen die „alten“ Nußlbergbuam in Erinnerungen. Davon gibt es genug: Bis 1991 waren sie jedes Jahr vier Wochen in Brasilien beim Musikspielen. Josef Gruber: „Nicht wegzudenken auf diesen Reisen war unser damaliger Superstar Sabine März aus Oberaudorf. Tausende jubelten ihr zu, wenn sie auf dem Oktoberfest in Blumenau die Weißen Rosen von Nana Mouskouri sang.“
Heute gibt die Gloserin, wie sie in Oberaudorf genannt wird, den Schlager manchmal bei privaten Festen zum Besten.
Jetzt packen die NBBs noch einmal die Koffer. Lederhose, weißes Hemd und grünes Musikantenleiberl sind Pflicht, denn das Herz vieler Blumenauer hängt immer noch an Deutschland, wurde doch die Großstadt im brasilianischen Bundesstaat Santa Catarina 1850 von deutschen Einwanderern unter Leitung des Apothekers Hermann Blumenau gegründet. 1984 hielt die Gemeinde in Anlehnung an das Münchener Original das erste Oktoberfest in Blumenau ab. Anlass hierfür war der Bedarf an Finanzmitteln für die notwendigen Wiederaufbaumaßnahmen nach der großen Überschwemmung 1983.
Weitere Auftritte
in Dreizehnlinden
Als weiterer Programmpunkt ist ein Auftritt in Treze Tilias, Dreizehnlinden, geplant. Wildschönauer Bauern haben diese Stadt während einer Auswanderungswelle zwischen 1865 und 1933 gegründet.
Kein Wunder, dass die dortige Großmolkerei den Namen Tirol trägt. Sie ist die zweitgrößte Molkerei in Brasilien.
Jährlich Mitte Oktober feiert Treze Tílias ein Tirolerfest zur Erinnerung an die österreichischen Einwanderer – in diesem Jahr mit dabei: die Nußlbergbuam.
Und nach Brasilien? Verschwinden die Instrumente wieder für Jahrzehnte im Koffer? „Nein, nein“, beschwichtigt Josef Gruber, „wir haben ja nie wirklich das Musikspielen aufgehört. Und ehrlich, ich müsste lügen, hätten wir nicht wieder Feuer gefangen“.
So wird schon eifrig nachgedacht über weitere Auftritte im nächsten Jahr. Feste gebe es auf der Welt ja genug, so die Musikanten lachend. ge