Oberaudorf – Es ist ein Projekt für die nächsten Jahrzehnte: der Neubau der Kläranlage in Oberaudorf. Er wird laut Schätzungen mit 10,5 Millionen Euro beziffert. Die Maßnahme startete mit einem symbolischen Spatenstich im April – und erfolgt bei laufendem Betrieb. Das erschwert die Arbeiten und führt dazu, dass sich der Abschluss der Baumaßnahme bis 2021 zieht. „Der Ablauf ist komplex, die Gewerke müssen Hand in Hand greifen“, schildert Oberaudorfs zweiter Bürgermeister Alois Holzmaier gegenüber unserer Zeitung. Wöchentlich gebe es Baustellenbesprechungen mit den Ingenieuren und Klärwerksmitarbeitern vor Ort.
Funktionsweise
wird erklärt
Einen ersten Überblick über die Anlage, deren Funktionsweise und den Baufortschritt allgemein können sich die Bürger heute von 14 bis 17 Uhr machen. Ein Tag der offenen Tür schließt sich der internen Hebfeier an. Zu jeder halben Stunde werden am Nachmittag dann sachkundige Führungen über die Kläranlage angeboten. „Dabei werden wir auch die Problematik mit Babyfeuchttüchern, die nicht in Toiletten gehören, erörtern“, so Holzmaier. Denn diese ziehen sich wie zu einem Seil zusammen, verstopfen Pumpen und sorgen für aufwendige Reparaturen.
Die neue Kläranlage ist für einen sogenannten Einwohnerwert von 10000 ausgelegt. Die Summe aus der tatsächlichen Einwohnerzahl (EZ) und Einwohnergleichwerten (EGW, Referenzwert der Schmutzfracht in der Wasserwirtschaft) ergibt den für die Bemessung von Abwasserreinigungsanlagen wichtigen Einwohnerwert (EW).
Anlage auf Schwemmland
Bereits fast fertig ist das Einlaufhebewerk. Auch das Vorklärwerk sei bereits betoniert. Diffizil hingegen war der Untergrund, da die Kläranlage auf Schwemmland vom Inn errichtet wird. Die meterhohen Spunde auf dem Areal des Einlaufwerks sollen in den kommenden Wochen abgebaut werden. Vor Frost und Wintereinbruch rechne man damit, den ersten Bauabschnitt mit neuem Pumpgebäude, dem Betriebsgebäude, dem Vorklärbecken und dem Rechengebäude abgeschlossen zu haben.
Das Thema Kläranlage hat in den vergangenen Jahren – wie berichtet – die Gemüter der Oberaudorfer Bürger bewegt. Für sie ist der Blick hinter die Kulissen und die Führungen über die Baustelle insbesondere gedacht. Wie viele Besucher kommen, darüber laufen dem Vernehmen nach interne Wetten. Denn das schlechte Wetter ist laut Holzmaier kein Grund, zum Fernbleiben. Schließlich würde das Hauptgebäude, wo es Ausstellungsstücke mit Erklärungen gibt, geheizt.
Die Abwasserleitungen in der Gemeinde werden regelmäßig geprüft und saniert. Sie seien ohne Weiteres an die neue Anlage anzuschließen. Am Ende der Klärung – regelmäßig geprüft durch das hauseigene Labor – soll gereinigtes Wasser auf Trinkwasserniveau in den Inn geleitet werden. Dies ist geprüft und vom Wasserwirtschaftsamt genehmigt. Analoges Beispiel: Das Klärwerk in Bad Aibling leitet das gereinigte Wasser in die Mangfall ab. Dort hat es nach Angaben des dortigen Betriebsleiters Martin Walter eine Abbaurate von 82 bis 99,4 Prozent bei den entsprechenden Parametern.
Die bestehende Kläranlage der Gemeinde Oberaudorf wurde Mitte der 70er-Jahre in Betrieb genommen. Die Gemeinde mit ihren Ortsteilen ist über ein Trennsystem an die Kläranlage angeschlossen. Dies bedeutet, dass nur Schmutzwasser, jedoch kein Oberflächenwasser, eingeleitet werden darf. Nach über 40 Betriebsjahren, in denen nur in wenigen Einzelpositionen saniert oder umgebaut wurde, war die Anlage gemäß Einschätzung aller Fachleute, insbesondere des Landesamtes für Umweltschutz und des Wasserwirtschaftsamtes Rosenheim, in weiten Teilen sowohl bautechnisch als auch insbesondere maschinentechnisch und elektrotechnisch mehr als sanierungsbedürftig. Eine Investition in dieser Millionenhöhe sei keine leichte Entscheidung, „hier war der Neubau aber notwendig und unumgänglich“, so Holzmaier.