Bad Endorf/Prien – In Bad Endorf und Prien ist die Ökumene im Bewusstsein der Gläubigen schon seit vielen Jahren fest verankert. Sie ist dort kein Zukunftsziel mehr, sondern bereits gelebte Alltagspraxis. Damit das auch so bleibt, wollen sich die beiden katholischen Pfarrverbände Bad Endorf und Westliches Chiemseeufer, die evangelischen Kirchengemeinden AschauBernau, Bad Endorf und Prien sowie die Neuapostolische Kirchengemeinde in Prien zu einer lokalen (ACK) zusammenschließen.
Von Europa
bis ins Lokale
Hinter diesem Kürzel verbirgt sich die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, die es auf europäischer, nationaler, regionaler und bald eben auch lokaler Ebene gibt. Hier wird die feierliche Gründung am Sonntag, 26. Januar, voraussichtlich in Bad Endorf stattfinden. Im Vorfeld dazu gab es in Prien eine Informationsveranstaltung, bei der unter anderem ein Überblick über das ökumenische Arbeiten der ACK seit ihrer Gründung 1948 gegeben wurde. Den Vortrag hielt die ehemalige Geschäftsführerin der ACK in Deutschland, Dr. Elisabeth Dieckmann.
Hinter der örtlichen Gründung der ACK steht das Bestreben, dass die Ökumene in den beteiligten Gemeinden unabhängig sein soll von den derzeit leitenden Personen, Pfarrer Klaus Hofstetter für die katholische Kirche, Pfarrer Karl-Friedrich Wackerbarth für die evangelische sowie Andreas Sagant, Vorsteher der neuapostolischen Kirchengemeinde. Ein Wunsch, der nicht von ungefähr kommt: Pfarrer Hofstetter berichtet, dass es um das Jahr 2016 in Bad Endorf in Sachen Ökumene „ein Jahr Pause gab, weil der damalige Pfarrer gleich bei seinem ersten Gespräch mit mir klargestellt hat, dass die Ökumene nicht auf seiner Prioritätenliste steht“.
Womit für Pfarrer Hofstetter deutlich wurde, dass auch Pflanzen, die man für stark und fest verwurzelt hält, ausgedörrt werden können. Was gerade für die Gemeinden rund um Prien und Bad Endorf schade wäre, denn hier ist man mit der Beteiligung der neuapostolischen Kirche an den Ökumenebestrebungen durchaus dabei, Neuland zu betreten und stößt damit bei den neuapostolischen Christen auf weit geöffnete Türen. Dort ist man nämlich gerade voll dabei, sich gegenüber den anderen Kirchen zu öffnen.
Gastvortrag von Wolfgang Zenker
Dies sei ein durchaus wichtiges Signal, denn bei den beiden anderen Kirchen gibt es in Teilen ja sehr wohl auch gegenläufige Diskussionen. Ob man sich in den Zeiten, in denen die Gesellschaft immer weltlicher wird, nicht auf den harten Kern der Gläubigen besinnen solle. Überspitzt formuliert: weg von der Welt und hinein in die inneren Bereiche des eigenen Glaubens.
Ein Weg, den die neuapostolische Kirche in den 50er-Jahren beschritt, der sich aber, wie durch einen Gastvortrag von Apostel Wolfgang Zenker auf der Infoveranstaltung deutlich wurde, nicht als der Königsweg erwies. Für ihn, dessen Funktion in der neuapostolischen Kirche in etwa dem eines Bischofs in der katholischen gleichkommt, war das klare Fazit: Die Kirche Jesu Christi ist eine gemeinsame, der Weg ihrer Mitglieder in die jeweilige Isolation war und ist der falsche“.
Von katholischer wie von evangelischer Seite wird jedenfalls die zunehmende Beteiligung der neuapostolischen Kirche durchweg als Bereicherung empfunden. Wird von evangelischer aber auch katholischer Seite ein wichtiger Auftrag darin gesehen, „in die Welt hinein zu gehen, dort präsent zu sein, wo sich die Menschen mit ihren Problemen tatsächlich befinden“, wie es Pfarrer Wackerbarth formuliert, so sei die Vorsicht der neuapostolischen Kirche, ihr Bemühen, sich bei aller Öffnung nicht zu verbiegen, eine Ergänzung.
Erst zusammen, so meinen alle drei Kirchenvertreter übereinstimmend, ergibt sich das ganze Bild einer modernen Kirche in aller Vielfalt und nur zusammen ist man für andere Glaubensgemeinschaften wie das Judentum oder den Islam ein wirklich kompetenter Dialogpartner. An der Praxis der Ökumenearbeit in den Gemeinden wird die geplante ACK nicht viel ändern, der neue Rahmen soll jedenfalls keinen zusätzlichen Papierkrieg oder Gremienarbeit verursachen.
Glaubenszeugnis
am 31. Oktober
Die bisherigen ökumenischen Arbeitskreise gehen in der ACK auf, das Schwergewicht wird nach wie vor auf dem ganz konkreten und praktischen Tun verbleiben. Zu spüren zum Beispiel bereits am 31. Oktober, dem Reformationstag und damit einem der wichtigsten Festtage in der evangelischen Kirche. An ihm wird Klaus Hofstetter als der katholische Pfarrer die Predigt halten und Rita Sandig von der neuapostolischen Kirche ein Glaubenszeugnis ablegen.