Make-up für eine Mädchenkiefer

von Redaktion

Bonsai-Experten verpassen in Gemeinschaftsarbeit Miniaturbaum neues Aussehen

Inntal/Kolbermoor – Auch in der herbstlichen Zeit nehmen die Aktivitäten des Bonsai-Arbeitskreises Inntal einen breiten Raum ein. Während ein Teil der Bonsai („Baum in Schale“) bereits in den vorwinterlichen Energiesparmodus geschaltet hat, stehen bei den anderen Zwergbäumchen wichtige Gestaltungs- und Erhaltungsmaßnahmen an.

In einem Workshop nahmen sich jüngst mehrere Mitglieder des Arbeitskreises einer etwa 60 Zentimeter hohen Mädchenkiefer beispielhaft an, die vor geraumer Zeit in einem Gartencenter erworben wurde. Bis dato fristete sie ihr Dasein in einem Aufzuchtcontainer, also einem schwarzen Plastiktopf mit Gartenerde als Substrat. Nach eingehender Begutachtung des Baumes erfolgten die ersten Formschnitte, die der Mädchenkiefer später dann die entsprechenden, ausgewogenen Astproportionen verleihen sollen.

Mit der Bonsai-Schere vorsichtig am Werk

Vorsichtig und zurückhaltend wurde geschnitten, um das Bäumchen nicht zu sehr zu schwächen. Nach gut einer Stunde war die Arbeit getan und die kleine Kiefer war kaum wiederzuerkennen. Sowohl ein Großteil der ursprünglichen Spitze als auch einige Äste und Zweige fielen der scharfen Bonsaischere zum Opfer, sodass auf den verbliebenen Ast-Etagen schöne „Laubpolster“ dem Baum ein ausgewogenes Gleichgewicht und ästhetisches Aussehen verliehen.

Im zweiten Abschnitt der Arbeiten mussten jetzt die Äste und Zweige „in Form“ gebracht werden, das heißt, sie wurden mit Bonsaidraht in die jeweils zuvor bestimmte Form gebogen. Jeder einzelne Ast und Zweig wurde genau unter die Lupe genommen und die für ihn vorgesehenen „Drahtungsmaßnahmen“ im Detail besprochen, wobei nicht immer alle Beteiligten einer Meinung waren und auch Diskussionen auftraten.

Entsprechend der Stärke der Äste wurde dann der jeweils passende Draht ausgewählt und mit viel Fingerspitzengefühl sowie einer nicht unerheblichen Portion Erfahrung der Zweig dann äußerst vorsichtig in die entsprechende Form gebogen. Für den Laien hört sich das fast schon nach Quälerei an, doch der Baum dankt es seinem Besitzer später mit gesundem und prächtigem Wachstum, dienen diese Maßnahmen doch vor allem dem unbedingt notwendigen Lichtdurchlass und einer deutlich besseren Versorgung des Baumes mit lebenswichtigen Nährstoffen. Natürlich spielten auch visuelle Eindrücke eine wesentliche Rolle, denn der Baum sollte nach diesen Gestaltungsmaßnahmen einen harmonischen und ausgewogenen Eindruck machen, unter Beachtung der Proportionen.

Mit Teamwork zum Erfolgsergebnis

Die Mitglieder des Arbeitskreises widerlegten bei ihrer kollektiven Arbeit den Grundsatz „Viele Köche verderben den Brei“, denn was nach rund 120 Minuten intensiver Arbeit als Ergebnis stand, konnte sich durchaus sehen lassen und genügte auch bei kritischer Betrachtung den Grundsätzen eines Bonsai.

Für den Leser, der es gerne auch einmal mit einem Bonsai versuchen möchte, werden in Baumschulen oder Gartencentern kleine „Schulpflanzen“ oft schon für wenig Geld angeboten. Wer solch ein Exemplar allerdings in einem Supermarkt erwirbt, wird oft schnell die Freude an dem so günstigen „Schnäppchen“ verlieren, denn diese Bäumchen sind, bis auf wenige Ausnahmen vielleicht, einfach nur „billig“.

Besser beim Fachmann kaufen

Auf Bonsai-Ausstellungen können ebenfalls für relativ wenig Geld bereits vorgezogene „Pre-Bonsai“ erworben werden. Oder aber man geht einfach zum nächsten Bonsai-Arbeitskreis und fragt mal nach. Da kann man dann sicher sein, keine Ausschussware zu erhalten, dafür fachkundige Tipps und vernünftige Ratschläge zur Haltung. Allerdings vergeht oft viel Zeit, bis aus einem solchen Bäumchen ein wirklicher Bonsai entsteht, der dann allerdings, in die richtige Schale gesetzt, der Blickfang des heimischen Gartens oder der Wohnung werden kann.

Interessenten und Liebhabern der kleinen Gewächse steht gerne der Bonsai-Arbeitskreis Inntal in Raubling hilfreich zur Seite. Er wird von Alois Hemberger geleitet und trifft sich jeden dritten Montag im Monat im Gasthaus „Huberwirt“ in Raubling, Beginn ist um 19.30 Uhr. Weitere Infos dazu gibt es beim Vorsitzenden Alois Hemberger unter Telefon 08035/4747 oder per E-Mail an AloisHemberger@gmx.de. Bei Fragen zur Pflege und Haltung der Bäume steht auch Heinz Zuschke, Telefon 08031/94989, oder E-Mail an „hhm.zuschke@t-online.de“ helfend zur Seite.

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