Bad Endorf – „Manchmal muss man einfach den Mut haben, Dinge tatsächlich in Angriff zu nehmen, vor allem wenn es sich um Projekte mit solcher Zukunftswirkung handelt.“ Mit diesen Worten schloss Bad Endorfs Bürgermeisterin Doris Laban die Sondersitzung des Marktgemeinderats zur Schullandschaft in der Gemeinde. Sie kommentierte damit den ihrer Meinung nach richtigen und wichtigen Gemeinderatsbeschluss, die Planung auf der bestehenden Vorplanung eine Planungsstufe weiterzuführen, dabei aber stets nach Sparmöglichkeiten zu suchen.
Diskussion dauert über drei Stunden
Fast drei Stunden lang hatten die Gemeinderäte intensiv über die Zukunft der Schullandschaftsplanung im von Besuchern überfüllten Sitzungssaal diskutiert. Kernpunkt war die Frage: Lässt sich am bestehenden Entwurf noch sparen, ohne an der Qualität spürbare Abstriche machen zu müssen, beziehungsweise wie viel Schullandschaft kann sich die Gemeinde leisten, ohne sich für die Zukunft zu viel Spielräume zu verbauen?
Zwar hatte Kämmerin Melanie van Lengen am Anfang eine neue Finanzierungshochrechnung vorgestellt, bei der man, wie sie ausführte, die für eine vernünftige Sacharbeit nötigen finanziellen Mindestfreiräume behalten könne. Dies sei unter anderem dadurch möglich, weil 2025 Bausparverträge zuteilungsreif würden. Demnach wäre die Schullandschaft in ihrer jetzigen Planung zu finanzieren, ohne dass man an das Veräußern von Grundstücken denken oder beabsichtigte Vorhaben – wie zum Beispiel die Ortsentwicklung – völlig zurückstellen müsste.
Trotzdem erschien den Gemeinderäten diese Hochrechnung nicht ohne Risiken: Der Bauzeitraum erstrecke sich bis 2027 und Bauten würden schon allein aufgrund der steigenden Baukosten in der Regel teurer als veranschlagt, hierfür sei dann aber möglicherweise keine Luft mehr in der Finanzierung, so fürchteten sie. Naheliegend deshalb der Versuch, am bestehenden Entwurf, dessen Kosten bei etwas über 30 Millionen Euro liegen, einfach den Rotstift anzusetzen. Doch das ist, wie Michel Mayer von der Planungsgruppe Strasser erläuterte, nicht so einfach wie erhofft: Die Kosten seien im jetzigen Planungsstadium rein aus den Flächen heraus ermittelt, Kostenreduzierung lasse sich aktuell also nur über eine Verringerung der Flächen erzielen. Bei denen sei aber kaum zu streichen, ohne die gesamte Planung infrage zu stellen, so Mayer. Kostenreduzierung ohne Flächenverringerung sei erst dann möglich, wenn die einzelnen Fachplaner mitbeteiligt seien. Dann könne konkret über Einzelposten entschieden werden, über die Art der Beheizung zum Beispiel oder hinsichtlich der Wahl der Materialien bei Wänden, Türen, Böden, Fenstern.
Die beiden konkreten Alternativen, denen sich die Gemeinderäte gegenübersahen, lauteten also: Den Entwurf samt seinem Raumprogramm noch einmal von Grund auf zu überdenken, in der Hoffnung, dass sich dadurch größere Einsparungen erzielen lassen. Allerdings müsste dafür in Kauf genommen werden, dass sich das gesamte Projekt um ein Jahr verschiebt und die Rahmenbedingungen dabei eventuell ungünstiger werden, sodass sie einen Teil der Einsparung wieder auffressen könnten: Weil sich einerseits die Baukostensteigerung weiter fortsetzt, andererseits möglicherweise die bislang zugesicherten hohen Fördersätze verringert werden. Demgegenüber die zweite Möglichkeit: Den Weg freizumachen für die nächste Planungsstufe, um dann im „Kleinklein“ der einzelnen Gewerke in Zusammenarbeit mit den Fachplanern so viel Einsparung wie möglich zusammenzubekommen.
Plädoyers für
weitere Planungen
Dass sich der Gemeinderat letztendlich mit drei Gegenstimmen für den Schritt in die nächste Planungsphase entschloss, mag auch an den Äußerungen einiger Sitzungsgäste gelegen haben, denen ein Rederecht eingeräumt wurde: Sebastian Forstner und Matthias Maier, die Bürgermeister aus Söchtenau und Höslwang, die über den Mittelschulverband an der Finanzierung der Schule mitbeteiligt sind, plädierten beide für ein Fortschreiten der Planung. Forstner wies sogar darauf hin, dass es in seiner Gemeinde Gedankenspiele darüber gebe, sich einem anderen Schulsprengel anzuschließen, also nach Stephanskirchen zu wenden, wenn es in Sachen Mittelschule in Bad Endorf nicht zu einer zukunftsfähigen Lösung kommen sollte.
Auch Maximilian Schweiger, der Leiter der Bad Endorfer Grund- und Mittelschule, bat eindringlich darum, keine Lösung ins Spiel zu bringen, die zu einer weiteren Zeitverzögerung führe: „Es muss endlich etwas weitergehen“, sagte er, „wir warten seit zehn Jahren und weiter zu warten bringt nichts. Das Geld wird nicht mehr und die Baukosten werden nicht weniger“.
Das Bemühen der Räte, der weiteren Planung keine Hemmnisse entgegenzustellen und dennoch das Sparziel nicht aus den Augen zu verlieren, schlug sich in der Beschlussformulierung nieder. Dort wird zunächst nur grünes Licht für die nächste Planungsstufe gegeben. Man behält sich hier eine stufenweise Beauftragung vor. Damit soll sichergestellt werden, rechtzeitig eingreifen zu können, falls die Kosten aus dem Ruder laufen sollten. Auch ein maximaler Kostenrahmen von 30 Millionen Euro ist im Sinne einer „Leitplanke“ schriftlich festgehalten.