Der Sound aus der Kiste

von Redaktion

Trommeln lernen ohne Noten: Christian „Groovesigns“ entwickelt neue Methode

Eggstätt –Christian Partsch (47) trommelt gern. Am liebsten rund um die Uhr. Mit sechs Jahren nimmt er zum ersten Mal Schlagzeugunterricht, studiert anschließend klassische Musik und beginnt eine Karriere als Schlagzeuglehrer. Jetzt hat er die „Groovesigns-Methode“ entwickelt – eine Methode, mit der ohne Noten Rhythmen dargestellt werden können.

Christian Partsch verbringt viel Zeit in seinem Musikstudio. Hier hat er sein Reich. Hinten links steht das Schlagzeug, rechts sein Computer und zahlreiche Boxen. An der Wand hängen Gitarren, gegenüber steht ein Klavier. In der Mitte des Raumes sitzt Fabian Weißacher (11) auf einer Cajon. Seine Beine baumeln in der Luft.

Handgefertigt

und verleimt

Die Cajon ist ein perkussives Instrument, das aus Peru stammt und an eine Kiste aus Holz erinnert. Das Instrument ist handgefertigt und verleimt. Schrauben gibt es keine. Auf der Vorderseite sind zwei Quadrate, ein Kreis und ein Dreieck abgebildet. Hinten gibt es eine Resonanzöffnung.

Christian Partsch gibt den Takt vor. „Eins, zwei, drei“, sagt er. Weißacher schlägt auf seine Cajon, wippt hin und her. Immer wieder schließt er seine Augen. Seit zwei Jahren kommt der Elfjährige einmal in der Woche nach Eggstätt zum Üben – jeweils für 30 Minuten.

Über ein Ferienprogramm haben sich Partsch und Weißacher zum ersten Mal kennengelernt. Eigentlich träumte der Schüler von einer Karriere als Schlagzeuger. Als er die Cajon sah, änderte er seine Meinung. „Ich wollte das Instrument unbedingt lernen“, sagt er. Vorkenntnisse hatte er keine, spielte in seiner Freizeit nur hin und wieder Klavier.

Mittlerweile konzentriert er sich nur noch auf ein Instrument, hat sein Können schon auf zahlreichen Konzerten unter Beweis gestellt. Christian Partsch freut das. Immer wieder lobt er seinen Schüler, ignoriert die Fehler, feiert die Erfolge.

Christian Partsch weiß, wo es lang geht. Er hat schon viel gesehen, musizierte bereits weltweit. Mit 21 Jahren war er Solopauker des Kairo Symphonie Orchesters, spielte in Österreich, Frankreich und Ungarn. Eines sei in allen Ländern gleich gewesen: „Ich habe häufig erlebt, dass Kinder und Jugendliche falsch an Musik herangeführt wurden und bald frustriert alles hinschmissen“, sagt Partsch.

Er will das ändern, überlegt lange Zeit, wie er komplexe Abläufe einfach darstellen kann. „Ich wollte eine Methode entwickeln, mit der man schnell ans Ziel kommt“, sagt er.

Statt Noten arbeitet er mit einfachen geometrischen Zeichen. Es gibt Dreiecke, Kreise, Quadrate und Striche. Jedes Symbol steht für einen anderen Rhythmus. Die „Groovesigns-Methode“ entsteht. 2013 fasst er all das in einem Buch zusammen, veröffentlicht es in Englisch und Deutsch. Er bietet Workshops an, gibt Seminare in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das Ziel: „Ich will anderen Leuten Glück bringen. Will, dass sie für einen kurzen Moment ihre Sorgen vergessen“, sagt er, nennt sich selbst einen Experten für Spaß und Begeisterung.

Nachdem die Methode steht, entwickelt er die passenden „Groovesigns-Cajons“ dazu. Er lässt die fünf Buchstaben auf den Instrumenten abbilden, bringt zusätzliche Fußstützen an. Kosten pro Instrument: Knapp 400 Euro.

Dreiecke und Quadrate statt Noten

Die meisten leihen sich die Instrumente bei ihm aus, wie auch Fabian Weißacher. Der Elfjährige lernte schnell wofür die einzelnen Zeichen stehen, muss nur selten nachfragen. Während der Stunden malt Christian Partsch Dreiecke, Quadrate und Kreise an die Tafel. Das Ganze erinnert an Geometrieunterricht. Konzentriert schaut sich Weißacher die Symbole an, spielt sie, den Blick stets nach oben gerichtet. Schlägt er in die Mitte seiner Cajon, da wo der Kreis ist, ertönt ein warmer und tiefer Klang. Weiter oben sind die Töne heller.

Meistens spielen die beiden gemeinsam. Wenn Christian Partsch spielt, dann fliegen seine Hände über die einzelnen Symbole. Es hört sich an, wie ein ganzes Orchester. Partsch liebt diese Momente. „Trommeln ist mein Leben“, sagt er. Gemeinsam mit seiner Frau, die als Klavierlehrerin arbeitet, übt er rund um die Uhr. Sie geben gemeinsame Konzerte, führen ein Leben, in denen sich alles um die Musik dreht. „Ich möchte in meinem Leben nichts anderes machen“, sagt er.

Zum Glück – denn auch der elfjährige Fabian Weißacher kann sich ein Leben ohne seine wöchentlichen Musikstunden nicht mehr vorstellen.

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