Stephanskirchen – „Stephanskirchen wuchs in den vergangenen 30 Jahren nicht durch eine höhere Geburtenzahl, sondern als attraktive Gemeinde durch Zuzug. Das gilt auch für die Zahl der Gewerbebetriebe.“ Dies belegte Georg Plankl, Geschäftsleiter der Gemeinde, bei der Bürgerversammlung im Gasthaus Antretter in Stephanskirchen anhand von Statistiken. Bürgermeister Rainer Auer geht demnach künftig von einem steigenden Bedarf von Wohnraum, Kinderbetreuung und Einrichtungen beispielsweise für Senioren aus.
Michaela Plass, zuständig für Asyl und Integration, betreut 180 Migranten (1,7 Prozent der Einwohnerzahl). Sie hofft, bald wieder mehr freiwillige Helfer zu bekommen. Diese Helfer seien zwar durch die deutsche Bürokratie belastet, jedoch strahlt Michaela Plass: „Ich habe nur freundliche Leute bei den Migranten getroffen.“ Davon sind 15 Prozent Hausfrauen, weitere 65 Prozent sind in Ausbildung oder Arbeit. Acht Prozent suchen eine Stelle und zwölf Prozent dürfen nicht arbeiten.
In den Baugebieten Tulpenweg und Haidholzen Südost ist Wohnraum teils „zu angemessenen Konditionen“ geplant.
Zweiter Bürgermeister Karl Mair möchte die Ansprüche hochhalten: „Wenn man so kräftig wächst als Gemeinde Stephanskirchen, soll das auch mit Qualität geschehen.“ Dass der Bedarf tatsächlich zulegt, verdeutlichte Bauamtsleiter Wolfgang Arnst: Für die drei Baugrundstücke für Einheimische in Högering haben sich bereits 45 Bewerber gemeldet. Der Preis von 250 Euro pro Quadratmeter ist wohl auch ein Grund.
Seltenheit: 116000 Euro günstiger
Kinder müssen in die (Ottfried-Preußler-Grund- und Mittel)-Schule. Die soll von zwei- auf dreizügig erweitert werden, also je Jahrgangsstufe sollen statt zwei dann drei Klassen unterrichtet werden.
Für den entsprechenden Ausbau musste die Gemeinde die Architekturleistung europaweit ausschreiben. Arnst gab an, diese Ausschreibung laufe derzeit. Bei der Sanierung der Außenanlagen freut sich Kämmerer Philipp Brück, denn die dürfte statt der anvisierten 308000 nur 192000 Euro kosten. Die neue Turnhalle schlägt mit rund 3,36 Millionen Euro mit einem Vielfachen zu Buche. Dafür sind Auer und seine Mitarbeiter auch sehr stolz darauf. Wer die Halle besichtigen möchte, kann am Freitag, 29. November, also einen Tag nach der Einweihung, zum „Tag der offenen Tür“ kommen.
Die steigende Zahl von Einwohnern ist auf Wasser angewiesen. Bei der Erschließung des eigenen Brunnens im Ödenwald laufe alles nach Plan, wie Jürgen Lohse, Leiter der Wasserversorgung und des Abwasserzweckverbandes Simssee, erläuterte. Wassermeister Stefan Jenuwein beruhigte auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen: „Den grundsätzlich sinkenden Grundwasserspiegel haben wir im Blick. Jedoch ist die Wassermächtigkeit des Brunnens hoch.“
Der Kanalbau in der Annabergstraße für angesetzte 196000 Euro soll im April 2020 beginnen und die Kanalsanierung in Haidholzen für geschätzte 520000 Euro im kommenden Jahr umgesetzt werden.
Auch dem fließenden Verkehr gilt das Augenmerk der Gemeinde. Bauamtsleiter Arnst, wie auch Bürgermeister Auer, möchten dabei die Menschen einbeziehen. Beispielsweise können die Bürger für den nötigen Ausbau der Sudetenlandstraße nächste Woche ihre Anliegen vorbringen. Im November soll der Gemeinderat eine Planungsvereinbarung für die Strecke Simsseestraße-Salzburger Straße-Innstraße beschließen. Bei der Einmündung der Wasserburger Straße soll eine Ampel installiert werden, um die Streckenabkürzer daran zu hindern, beispielsweise Busse in einen Stau zu zwingen. Auer: „Busse, die im Stau stehen, werden nicht genutzt. Ende 2020 wird erneut gemessen und dann sollten die Busse deutlich schneller nach Rosenheim kommen.“ Für die „Kraglinger Spange“ ist das Staatliche Bauamt zuständig, welches derzeit im Planfeststellungsverfahren dafür ist. Einen Plan wiederum muss die Regierung von Oberbayern genehmigen. Bei diesen Stellen hat die Gemeinde anscheinend Gewicht. Zumindest erklärte Geschäftsleiter Plankl: „Auf Anregung des Gemeinderates ist nun ein Kreisverkehr vorgesehen.“ Wann dieses Projekt abgeschlossen ist, lasse sich nicht sagen, zumal es viele Einwendungen dagegen gebe.
Gefahr: Von der
Bahn entkoppelt?
Die Bayerische Staatsregierung spart sich anscheinend seit Herbst 2016, auf den Wunsch der Menschen in Stephanskirchen nach einer Bahnanbindung einzugehen. Das lässt ein Antrag der Gemeinde vom 22. Juli 2019 bei Verkehrsminister Dr. Hans Reichhart auf eine Machbarkeitsstudie für einen Bahnhalt auf der Strecke München-Rosenheim-Salzburg vermuten. Zitat: „Die Bürgerinitiative Bahnhalt hat in der Vergangenheit mehrfach Vorschläge zur fahrplantechnischen Realisierung dieses Wunsches gemacht. Im Gegenzug hat die BEG versucht, diese mit immer neuen Gegenargumenten zu entkräften.“ Eigentümer der Bayerischen Eisenbahngesellschaft mbh (BEG) ist der Freistaat Bayern. Ob der sogenannte Brenner-Zulauf nötig ist, hat der Freistaat immer noch nicht belegt. Wenn diese Hochgeschwindigkeits-Umfahrung Rosenheims jedoch kommen sollte, bestünde die Gefahr, die Region von der Bahn zu entkoppeln. Auer sagte: „Das liegt nicht in unserem Interesse, von dieser ökologischen Zukunftstechnologie abgehängt zu werden.“