Die gute Seele von Griesstätt

von Redaktion

Porträt der Woche Michaela Baumgartner –Beispiel für selbstloses soziales Ehrenamt

Griesstätt – Woher nimmt diese Frau nur diese Kraft, diese Ausdauer? Für die OVB-Heimatzeitungen hat eine ihrer Freundinnen aufgelistet, was sich Michaela Baumgartner neben ihrem Beruf als Büroangestellte alles aufgebürdet hat: Elternbeirat in der Grundschule von Griesstätt, Organisatorin des dortigen Ferienprogramms, Jugendbeauftragte des Sportvereins, Wirtin und noch einiges andere. Auf der Rückseite des Empfehlungsschreibens der Freundin Beatrix Anzenberger steht: „Christliche Nächstenliebe lebt sie vor – mit Freude und Gemeinschaftssinn“. Michaela Baumgartner gehört zu der Sorte Mensch, die sich einbringt, wo sie kann. Immer wieder beschwören Politiker in ihren Reden die Bedeutung des Ehrenamts – die 52-Jährige ist das lebende Beispiel für das selbstlose soziale Engagement.

In Wasserburg arbeitet sie in einem 40-Stunden-Job – und dennoch findet sie in ihrem Heimatort Griesstätt noch Zeit für andere Aufgaben. Fühlt sich „Mischi“, wie sie überall genannt wird, als Bürokraft etwa nicht ausgelastet? „Eigentlich schon“, räumt sie ein. Aber sie hat gerne andere Herausforderungen angenommen, ohne sich lange zu fragen, ob sie das noch schafft. „Das hat angefangen mit der Tätigkeit im Elternbeirat, und im Kindergarten hab‘ ich mitgeholfen, eine Bücherei aufzubauen.“ Die Kinder mit Lesestoff zu versorgen, war eine Herzenssache von ihr. „Ich hab‘ ja so gern gelesen, leider finde ich aber jetzt die Zeit nicht mehr dafür.“ Zuvor hatte sie Anfang der 1990er-Jahre in Wirtschaften unter anderem in Pfaffenhofen und in Vogtareuth bedient, bis spät in die Nacht, als Alleinerziehende von einem Sohn, Jahrgang 1988, und einer Tochter, Jahrgang 1994.

In Rosenheim ist sie zur Schule gegangen, nach dem Hauptschulabschluss hat sie in Bad Aibling eine Lehre als Hotelfachfrau absolviert. Nach der Scheidung musste sie sich nach einer festen Anstellung umsehen – und wurde in einer IT-Firma fündig. „Ich habe ja ein verlässliches Gehalt gebraucht, für die Miete und anderes.“ Zwölf Jahre lang – von 2006 bis 2018 – war sie in Griesstätt tätig, seit einem Jahr arbeitet sie in einer Wasserburger Autoreparaturwerkstatt. „Ich bin 50 geworden und hab‘ mir gedacht, ich muss noch was anderes machen.“

Nur noch Griesstätt – das war ihr dann doch zu wenig. Sie ist der Typ Mensch, der nicht nur am Telefon sitzen will, sondern den direkten Kontakt mit der Kundschaft braucht. Ratschen, ja, das mag sie, und man hört ihr gerne zu, der Frau mit dem natürlichen Charme und der gewinnenden, liebenswürdigen Art. Lob bekommt sie oft zu hören – aber man merkt: Darauf kommt es ihr, der guten Seele von Griesstätt, gar nicht so sehr an.

Was ist ihr Antrieb, sich für die Gemeinschaft einzusetzen? „Ich möchte hier im Ort vielleicht was verändern“, sagt sie. Zum Beispiel engagiert sie sich für das mittlerweile vom Elternbeirat getrennte Ferienprogramm, organisiert mit den Vereinen in der schulfreien Zeit verschiedene Ausflüge. „Die Eltern sind froh, dass ihre Kinder in den Ferien irgendwo unterkommen, wir fahren nach München, nach Kufstein.“ Zur Fahrt zum Europapark Rust haben sich allerdings fast nur Erwachsene angemeldet, aber egal: „Mir macht das Spaß.“ Ein echter Traumjob, findet sie, seit 21 Jahren. „Etwas gemeinsam zu unternehmen, macht stark.“ Robert Aßmus, der Bürgermeister von Griesstätt, ist dankbar.

Zusammen mit der Tochter betreut Michaela Baumgartner zudem seit Jahren das Sportheim, sorgt für Getränke, Wurstsalat und Semmeln, im Verein ist sie Jugendleiterin und stellvertretende Vorsitzende. Als Tochter einer Ungarin ist sie lebenslustig und pflichtbewusst. „Ich möchte jeder Arbeit gerecht werden, und nichts schleifen lassen.“ Nach ihrer Beobachtung finden sich freilich immer weniger Mütter bereit, etwas für das Allgemeinwohl zu tun. Obwohl Anfragen kamen: Von der Kommunalpolitik nimmt sie Abstand. „Damit kann ich nix anfangen.“

Mit den Enkelkindern ist der Stundenplan dichter geworden

Und woher hat sie die Power? „Das weiß ich auch nicht, aber es geht.“ Wobei sie Wert darauf liegt, nicht den Eindruck aufkommen zu lassen, immer nur durch den Tag zu hetzen. „Ich hab‘ auch meine Leerlaufzeiten, ruhe mich aus.“ Doch ihr Stundenplan ist auf jeden Fall dichter geworden, seit zwei Enkelkinder auf der Welt sind – das eine ist vier Jahre, das andere zwei Monate alt. Daneben müssen noch zwei Hunde und zwei Katzen versorgt und der Garten gepflegt werden. „Ich brauch‘ eh nicht so viel Schlaf“, sagt sie.

„Und krank bin ich selten. Vielleicht hält mich auch die viele Arbeit fit.“ Mehr soll es aber nicht werden. Verreisen? „Nein, dazu hab‘ ich weder die Zeit noch das Geld.“

KURZ UND BÜNDIG

Was gibt Ihrem Leben Sinn?

Ich bin froh, wenn es anderen gut geht.

Was können Sie nicht ausstehen?

Ungerechtigkeit und Lügen.

Was würden Sie gerne nochmals tun?

Nach Schweden fahren.

Wann sind Sie an Ihre Grenzen gestoßen?

Bei der Trennung von meinem Mann.

Worauf sind Sie stolz?

Auf meine Kinder.

STECKBRIEF

Name: Michaela „Mischi“ Baumgartner

Geburtsort: Rosenheim

Geburtsdatum: 5. Juni 1967

Wohnort: Griesstätt

Beruf: gelernte Hotelfachfrau, jetzt Büroangestellte

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